Flexirente: Wie du beim Renteneinstieg clever mehr rausholen kannst

Mit der Flexirente entscheidest du selbst, ob du früher in Rente gehst, später aussteigst oder schrittweise weniger arbeitest.
Senioren
Jan Woitas/dpa

Mit der Flexirente kann der Start in den Ruhestand individuell an die eigene Lebenssituation angepasst werden. Neue Regeln ab 2026 sorgen für mehr Freiheiten beim Hinzuverdienst und der steuerfreien Aktivrente.

Die Flexirente ist kein einzelnes Rentenprodukt, sondern ein gesetzlicher "Baukasten", mit dem du den Übergang vom Job in den Ruhestand individuell gestalten kannst – früher, später oder schrittweise.

Seit 2023 dürfen Altersrentner unbegrenzt hinzuverdienen, seit 2026 gibt es zusätzlich die steuerfreie Aktivrente von bis zu 2.000 Euro monatlich für Arbeitnehmer nach Erreichen der Regelaltersgrenze.

Was genau versteht man unter der Flexirente?

Unter der Flexirente fasst der Gesetzgeber verschiedene Möglichkeiten zusammen, Rente und Erwerbstätigkeit flexibel zu kombinieren. Du kannst dadurch den Rentenbeginn vorziehen, hinausschieben oder schrittweise in Teilrente gehen und gleichzeitig weiterarbeiten. Wichtig ist: Laut Sparkasse handelt es sich nicht um eine eigenständige Rentenart, sondern um ein Bündel an Regelungen, die laut Bundesregierung seit 2017 im sogenannten Flexirentengesetz verankert sind.

Ein zentrales Element ist die Teilrente, bei der du nur einen bestimmten Prozentsatz (zwischen zehn und 99,99 Prozent) deiner vollen Rente beziehst und daneben weiterarbeitest. Das ermöglicht dir einen gleitenden Übergang ins Rentenalter, ohne abrupt aus dem Berufsleben auszusteigen. Zudem kannst du durch freiwillige Beiträge oder durch späteren Rentenbeginn deine spätere Vollrente erhöhen.

Seit 2023 gibt es keine Hinzuverdienstgrenzen mehr für Altersrentner – du darfst also unbegrenzt dazuverdienen, ohne dass deine Rente gekürzt wird. Und seit Januar 2026 profitieren Arbeitnehmer nach Erreichen der Regelaltersgrenze von der Aktivrente: Bis zu 2.000 Euro Arbeitslohn im Monat bleiben lohnsteuerfrei, was die Kombination aus Arbeit und Rente finanziell attraktiver macht.

Wann lohnt sich ein früherer Rentenstart?

Ein früherer Rentenstart ist möglich, sobald du das Mindestalter für eine vorgezogene Altersrente erreicht hast – in der Regel ab 63 Jahren, sofern du mindestens 35 Versicherungsjahre vorweisen kannst. Allerdings musst du dabei dauerhafte Rentenabschläge von 0,3 Prozent pro Monat in Kauf nehmen, also bis zu 14,4 Prozent bei maximalem Vorbezug. Für viele ist dieser Abschlag ein wesentlicher Nachteil, der sich über die gesamte Rentenbezugsdauer auswirkt.

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Trotz der Abschläge kann ein früher Start sinnvoll sein, wenn du deine Gesundheit oder private Pläne (z. B. Pflege von Angehörigen, Reisen) priorisierst. Durch die Möglichkeit, unbegrenzt hinzuzuverdienen, kannst du die finanziellen Einbußen durch einen Nebenjob oder Teilzeitarbeit auffangen. Zudem bleibt dir bei einer Teilrente von 99,99 % der Anspruch auf Sozialleistungen wie Krankengeld erhalten – ein Vorteil gegenüber Vollrentnern.

Besonders attraktiv ist die Flexirente für Menschen mit niedrigerem Einkommen, die durch einen gleitenden Übergang ihre finanzielle Situation stabilisieren möchten. Gut verdienende Fachkräfte sollten hingegen genau rechnen, da sie unter Umständen durch Steuern und Abgaben schlechter dastehen können als bei einem späteren Rentenbeginn. Eine individuelle Berechnung und Beratung durch die Deutsche Rentenversicherung ist hier wichtig.

Wie profitierst du von einem späteren Rentenbeginn?

Wer den Rentenbeginn hinauszögert, kann seine spätere Rente spürbar erhöhen: Für jeden Monat, den du über die Regelaltersgrenze hinaus arbeitest und keine Rente beziehst, erhältst du einen Zuschlag von 0,5 Prozent. Ein ganzes Jahr später bedeutet also sechs Prozent mehr Rente, zusätzlich zu den weiteren Rentenpunkten, die du durch deine fortlaufenden Beitragszahlungen sammelst.

Ein weiterer Vorteil: Nach Erreichen der Regelaltersgrenze bist du grundsätzlich versicherungsfrei in der Rentenversicherung, kannst aber freiwillig weiter Beiträge zahlen, um deine Rente zusätzlich zu steigern. Gleichzeitig entfällt die Pflicht zur Zahlung von Arbeitslosenversicherungsbeiträgen, was deine Nettoeinkünfte aus der Erwerbstätigkeit erhöht. Für viele Arbeitnehmer ist dies ein finanzieller Anreiz, noch einige Jahre länger im Job zu bleiben.

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Seit 2026 kommt die Aktivrente als weiterer Bonus hinzu: Arbeitnehmer dürfen nach Erreichen der Regelaltersgrenze bis zu 2.000 Euro monatlich lohnsteuerfrei verdienen. Das macht die Kombination aus Rente und Arbeit besonders für diejenigen attraktiv, die ihre Fachkenntnisse weiter einbringen möchten, ohne auf ihr gesamtes Einkommen zu verzichten. Wichtig ist jedoch, dass dieser Freibetrag nur für nichtselbständige Beschäftigung gilt und Minijobs ausgenommen sind.

Welche Risiken und Fallstricke solltest du beachten?

Trotz aller Flexibilität birgt die Flexirente auch Herausforderungen: Die Regelungen sind komplex und nicht immer leicht zu durchschauen. Besonders die Kombination aus Teilrente, Hinzuverdienst und steuerlichen Aspekten erfordert eine sorgfältige Planung, um unerwünschte Überraschungen zu vermeiden.

Ein oft übersehenes Risiko ist der mögliche Verlust von Sozialleistungen: Bei bestimmten Flexirente-Konstellationen kann der Anspruch auf Krankengeld, Arbeitslosengeld oder Kurzarbeitergeld erschwert oder sogar ausgeschlossen sein. Besonders die Teilrente von 99,99 Prozent wurde zwar eingeführt, um den Anspruch auf Krankengeld zu erhalten, doch hier gibt es Grauzonen, die im Einzelfall geprüft werden müssen.

Zudem solltest du deine gesundheitliche Belastbarkeit realistisch einschätzen: Wer länger arbeitet, setzt sich weiterhin beruflichen Stressoren aus. Ein gleitender Übergang kann hier helfen. Auch Teilzeitarbeit bedeutet nicht automatisch weniger Belastung. Eine frühzeitige Beratung durch die Deutsche Rentenversicherung oder einen unabhängigen Rentenberater ist daher durchaus empfohlen, um alle Optionen und Risiken abzuwägen.