Die Pflegeversicherung in Deutschland steht vor enormen finanziellen Herausforderungen. Immer mehr Menschen sind auf Pflegeleistungen angewiesen, während die Ausgaben deutlich schneller steigen als die Einnahmen. Der Krankenkassen-Spitzenverband spricht von "Alarmstufe Rot".
Die Finanznöte der Pflegeversicherung spitzen sich dramatisch zu. Im ersten Halbjahr 2026 sei ein Defizit von 770 Millionen Euro aufgelaufen, wie der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen laut Deutscher Presse-Agentur mitteilte. Voraussichtlich im Oktober würden die Einnahmen nicht mehr reichen, um die Pflegeleistungen voll zu finanzieren.
Verbandschef Oliver Blatt warnte eindringlich: "Es herrscht Alarmstufe Rot." Die Politik müsse schnell handeln, denn in wenigen Monaten sei "das Geld alle", zitiert ihn die Deutsche Presse-Agentur. Insgesamt sei für dieses Jahr mit 1,2 Milliarden Euro Defizit zu rechnen - und das bereits mit einem Darlehen des Bundes von 3,2 Milliarden Euro.
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Ohne dieses Darlehen läge das "ehrliche Ergebnis" bei minus 4,4 Milliarden Euro, so Blatt. Von Januar bis Ende Juni seien die Ausgaben der Pflegeversicherung im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um elf Prozent auf 39,5 Milliarden Euro gestiegen, heißt es im Bericht der Deutschen Presse-Agentur. Die Beitragseinnahmen hätten dagegen nur um 3,9 Prozent zugelegt.
Ein Haupt-Kostentreiber sei die steigende Zahl der Menschen, die Leistungen der Pflegeversicherung bekommen, wie der Spitzenverband laut Deutscher Presse-Agentur erläuterte. Die Zahl der Pflegebedürftigen liege inzwischen bei fast sechs Millionen. Die deutliche Zunahme gehe vor allem auf eine Reform von 2017 zurück, die die Kriterien für eine Pflegebedürftigkeit weiter gefasst habe. Die Krankenkassen fordern deshalb schon länger Gegenmaßnahmen, um die Beitragszahler nicht noch weiter belasten zu müssen.
Zu Buche schlagen auch steigende Milliarden-Zuschläge der Pflegekassen, die Heimbewohner bei fälligen Eigenanteilen für die reine Pflege entlasten sollen. Anders als die Krankenversicherung trägt die Pflegeversicherung nur einen Teil der Kosten. Den Rest müssen Pflegebedürftige selbst zahlen.
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Für 2027 bestehe ein zusätzlicher Bedarf von zehn Milliarden Euro, der bisher nicht gegenfinanziert sei, warnte Blatt laut Deutscher Presse-Agentur. Neben einem erwarteten Defizit von 7,5 Milliarden Euro müssten die Pflegekassen unbedingt Mittel auffüllen, damit die Zahlungsfähigkeit zu jedem Zeitpunkt gesichert sei.
Die schwarz-rote Koalition bereitet für den Herbst eine Pflegereform vor, die zu den großen Vorhaben von Gesundheitsminister Carsten Linnemann zählt, wie die Tagesschau berichtet. Ein noch von seiner Amtsvorgängerin Nina Warken (CDU) vorgelegter Entwurf sehe Ausgabenbremsen und Mehreinnahmen vor, um allgemeine Beitragserhöhungen im kommenden Jahr zu vermeiden.