Von wegen schöne Bescherung: Die Weihnachtszeit wird die Kassen von Deutschlands Geschäften zwar wieder klingeln lassen, doch viele Kunden möchten längst nicht so viel Geld ausgeben wie früher.
Deutschlands Einzelhandel blickt mit gedämpften Erwartungen auf die Weihnachtszeit. Die Monate November und Dezember sind immens wichtig für die Geschäfte und Online-Shops. Doch wie eine repräsentative YouGov-Umfrage im Auftrag des Handelsverbands (HDE) Deutschland zeigt, werden sich viele Verbraucher angesichts der schwachen Konjunktur eher zurückhalten auf ihrer Shoppingtour. Das Thema in Fragen und Antworten.
Wie üppig wird die Bescherung an Heiligabend?
Der Befragung zufolge schätzen die Verbraucher die Höhe ihrer Geschenkausgaben zum Jahresende im Schnitt auf 262 Euro und damit auf einen Euro weniger als 2025. Befragt wurden zwischen dem 13. bis 15. Oktober knapp 2.100 Menschen im Alter von über 18 Jahren. Was nach viel Geld klingt, ist mit Blick auf die Jahre 2023 und 2024 ein eher niedriger Wert: Damals hatten die Befragten Ausgaben von jeweils knapp 300 Euro angekündigt.
HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth zeigt sich dennoch zufrieden mit dem Umfrageergebnis. «Die Zeichen stehen auf Stabilität», sagt der Verbandsvertreter. Es gebe eine positive Grundstimmung. «Zu Weihnachten gönnt man sich etwas, Geschenke werden gekauft und nachgefragt.»
Gut die Hälfte der in der HDE-Erhebung befragten Verbraucher plant, gleich viel für Weihnachtsgeschenke auszugeben wie im Vorjahr. Knapp jeder Vierte möchte weniger ausgeben, während nur jeder Zehnte mehr ausgeben möchte. Eine Kantar-Umfrage im Auftrag des Vergleichsportals Idealo ergibt ein ähnliches Bild.
Wie ist die Stimmung der Verbraucherinnen und Verbraucher?
Die Stimmung könnte besser sein. Die Nachfrage sei zwar weiterhin vorhanden, aber die Konsumentinnen und Konsumenten seien preissensibler geworden, sagt Kai Hudetz vom Kölner Instituts für Handelsforschung (IFH). «Beim Adventskalender würden viele eher zu einer günstigeren Variante greifen, als ganz darauf zu verzichten.» Gestiegene Preise hinterließen zunehmend Spuren im Konsumalltag. Die Sorge vor weiteren Preissteigerungen treffe auf eine hohe Bereitschaft zum Sparen. «Der Handel muss sich auf Kundinnen und Kunden einstellen, die ihre Ausgaben sehr genau abwägen.»
Katharina Gangl vom Nürnberg Institut für Marktentscheidungen (NIM) bewertet die Kauflaune als «etwas düsterer als vor einem Jahr». «Die Sorge vor weiter steigenden Preisen belastet die Verbraucher stark», sagt die Expertin und verweist dabei auf die höheren Energiepreise als besonders negative Erfahrung im Alltag der Menschen. Hinzu kommt bei vielen die Befürchtung, dass politische Reformen den eigenen finanziellen Spielraum weiter einschränken könnten.
Zwar nähmen die Menschen die konjunkturelle Aufhellung wahr, sie erwarteten aber nicht unbedingt, dass das aktuelle Wirtschaftswachstum auch bei ihnen im Geldbeutel ankomme. «Insgesamt entsteht wahrscheinlich das Gefühl, sich künftig weniger leisten zu können - und das bremst natürlich die Kauflaune.»