Tankrabatt-Start: Kritik trotz fallender Spritpreise - "nur begrenzte Wirkung"
Autor: Alexander Milesevic, Agentur dpa
Deutschland, Donnerstag, 01. Oktober 2026
Mit einem Tankrabatt will die Bundesregierung die Lasten der hohen Spritkosten für Verbraucher abfedern. Wirtschaftsforscher halten die Maßnahme für verfehlt - es profitierten die falschen.
Obwohl zwei renommierte Wirtschaftsinstitute in Deutschland den Tankrabatt zum Start als falsch bezeichnen, hat die Maßnahme vielerorts für stark sinkende Spritpreise gesorgt. Bereits um Mitternacht herum wurden Benzin und Diesel abrupt billiger. Auf dem Spritpreisportal Tankerkönig sackten die ermittelten deutschlandweiten Durchschnittspreise zwischen 23.41 Uhr und 0.41 Uhr um rund 10 bis 11 Cent ab. Auch am frühen Donnerstagmorgen (1. Oktober 2026) ergab sich etwa diese Preisdifferenz zum gleichen Zeitpunkt am Mittwoch.
Vielerorts wurde Superbenzin der günstigeren Sorte E10 für weniger als 2 Euro angeboten, wie aus dem Portal des ADAC hervorgeht. Hier gibt es jedoch regionale Unterschiede. In München, Stuttgart oder Leipzig gab es sehr viele solcher Angebote. In Berlin waren es zahlreiche, in Hamburg dagegen nur wenige, und in Köln wurden am Morgen keine Tankstellen unter 2 Euro angezeigt. Die bundesweiten Durchschnittspreise bei Tankerkönig lagen allerdings deutlich über 2 Euro.
Kritik und stark fallende Preise bereits um Mitternacht bei Start von Tankrabatt
Seit Mitternacht gilt für Benzin und Diesel, die Tanklager und Raffinerien verlassen, ein Steuernachlass von 16,7 Cent pro Liter. Wie vollständig dies an die Verbraucher weitergegeben wird, wird sich in den nächsten Tagen zeigen. Es gibt keine direkte Verpflichtung der Tankstellen, die Preise zu senken. Zudem sind Berechnungen dazu komplex. Die Preise waren bereits am Dienstag und Mittwoch gefallen.
Schon beim vorigen Tankrabatt war umstritten, wie vollständig er weitergegeben wurde. Auch damals hatte sich aber bereits mitten in der Nacht ein deutlicher Rückgang gezeigt. Nach Ende des Rabatts schossen die Preise wieder in die Höhe. Eine Gruppe profitiert von der befristeten Senkung der Energiesteuer besonders.
Die Bundesregierung hatte den Tankrabatt als Reaktion auf die aktuell extrem hohen Spritpreise auf den Weg gebracht. Der September war der mit Abstand teuerste Tankmonat bisher. Das hatte sich sogar in der Inflationsrate niedergeschlagen.
Ifo-Chef kann Ärger über Spritpreise verstehen
Die Maßnahme ist umstritten. Kritiker verweisen unter anderem darauf, dass der Rabatt ungenau ist, den Anreiz Sprit zu sparen dämpft und nicht komplett beim Verbraucher ankommt. Die Mineralölwirtschaft widerspricht letzterem. Befürworter verweisen unter anderem darauf, dass es aktuell kein besseres Mittel gebe, um Autofahrer zu entlasten. Kritik gibt es auch an der sogenannten 12-Uhr-Regel. So sprach sich unter anderem der ADAC für eine Abschaffung der Regelung aus. Auch Bayerns Ministerpräsident (CSU) zweifelt an der Wirksamkeit der Maßnahme. Neben einer Senkung der Steuer betonte Söder, er habe auch nichts gegen die Prüfung einer Übergewinnsteuer.
Dass viele Autofahrer die hohen Spritpreise als große Belastung empfinden, ist nachvollziehbar", teilte etwa der Chef des Ifo-Instituts in München, Clemens Fuest, auf Anfrage mit. "Der Tankrabatt ist darauf jedoch nicht die richtige Antwort." Er bewirke eine Umverteilung zugunsten der Vielfahrer mit großen Autos.