Regionale Unterschiede
Wie stark die Entlastung tatsächlich bei den einzelnen Verbrauchern ankommt, hänge von mehreren Faktoren ab und falle regional unterschiedlich aus, so Andreae. Entscheidend sei unter anderem, wie viel Strom im jeweiligen Verteilnetz aus dem Übertragungsnetz entnommen werde und wie die Kundenstruktur im Netzgebiet aussehe.
Erhöhte Mehrkosten der Netzbetreiber könnten im jeweiligen Netzgebiet dazu führen, dass der Kostendämpfungseffekt geringer ausfällt. «In vielen Netzgebieten sind derzeit erhebliche Investitionen in den Ausbau, die Modernisierung und die Digitalisierung der Netze erforderlich, etwa für neue Anschlüsse von Wärmepumpen, Ladeinfrastruktur, erneuerbaren Energien oder Rechenzentren», sagte Andreae. «Diese Investitionen erhöhen die Netzkosten, können aber durch eine steigende Zahl von Netznutzern teilweise kompensiert werden. Ob und in welchem Umfang dies erfolgt, variiert von Region zu Region.»
Laut Verivox wurden die stärksten Entlastungen für die Stadtstaaten Berlin und Hamburg angekündigt. Die Stromnetzentgelte sinken hier zum Jahreswechsel um durchschnittlich 23 Prozent und 17 Prozent, was bei einem Jahresverbrauch von 4.000 Kilowattstunden insgesamt 120 Euro brutto (in Berlin), und 115 Euro in Hamburg entspreche. In Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern sinken demnach die Stromnetzgebühren um jeweils 21 Prozent, was einer Entlastung von 98 Euro und 93 Euro entspreche. Am geringsten falle der Rückgang der Stromnetzgebühren in Bremen (-29 Euro) und in Sachsen (-51 Euro) aus.
Gas
Gaskunden werden von der sogenannten Gasspeicherumlage befreit. Der Bund übernimmt Kosten von 3,4 Milliarden Euro. Mit der Umlage, die bisher 0,289 Cent pro Kilowattstunde betrug, war die staatlich angeordnete Befüllung der Speicher nach der Energiekrise 2022 finanziert worden.
Auf die Gaspreise des jeweiligen Kunden wirke sich der Wegfall gegebenenfalls nur geringfügig aus, da die Entlastung im Vergleich zum Gesamtpreis relativ gering sei, so der BDEW.
Laut Verivox sinken die jährlichen Gaskosten für eine Familie mit einem Gasverbrauch von 20.000 Kilowattstunden um durchschnittlich 69 Euro brutto. Gleichzeitig aber werde die Nutzung der Gasnetze im kommenden Jahr teurer. Im Durchschnitt steigen die Gasnetzentgelte Verivox zufolge um rund 11 Prozent. Dies gleiche die Entlastung durch den Wegfall der Gasspeicherumlage rechnerisch aus. Aufgrund niedrigerer Beschaffungskosten für Gas habe bisher rund ein Drittel der regionalen Gas-Grundversorger Preissenkungen für das kommende Jahr angekündigt.
Elektroautos
In Gebieten mit deutlichen Senkungen bei den Stromnetzgebühren könnten auch günstigere Tarife für Ladestrom angeboten werden, so Verivox - zumindest, wenn das Auto zu Hause mit einem eigenen Autostromtarif aufgeladen wird. Auch laut BDEW wirkt sich die Senkung der Netzentgelte grundsätzlich auf den Ladestrom für Elektroautos aus.
In welchem Umfang sich die Entlastung an die Nutzerinnen und Nutzer von Ladesäulen weitergeben lasse, sei jedoch derzeit schwer abzuschätzen. «Die Höhe der Netzentgelte variiert je nach Standort, und viele Ladesäulenbetreiber betreiben ihre Anlagen deutschlandweit in unterschiedlichen Netzgebieten.»