Der Iran-Krieg wirkt sich weltweit auf die Treibstoffversorgung aus. Beim größten Reiseunternehmen Tui blickt man derzeit jedoch noch entspannt auf die Rohstofflage.
Der stockende Nachschub von Kerosin könnte nach Einschätzung des Luftverkehrsverbandes BDL schon bald zu spürbaren Einschnitten im Flugangebot führen. "Die Sommerreisesaison steht unmittelbar bevor, das Ökosystem Tourismus ist in der Hauptreise- und Geschäftszeit bei ein- und ausreisenden Touristen auf den Luftverkehr angewiesen", warnt BDL-Hauptgeschäftsführer Joachim Lang. Zuvor hatte die "Welt am Sonntag" berichtet.
Der Internationalen Energieagentur (IEA) zufolge könnte Kerosin in Teilen Europas wegen der Lage in der Straße von Hormus in den kommenden Wochen knapp werden. Die Fluggesellschaften haben bereits reagiert. Airlines wie KLM oder SAS haben unrentable Flüge aus dem Programm genommen. Der Lufthansa-Konzern lässt 27 Flugzeuge der Regionaltochter Cityline stehen und will weitere Spritfresser zum Winterflugplan ab Ende Oktober aus der Flotte streichen. Der BDL sieht derartige Maßnahmen als ersten Schritt.
Droht ein Kerosin-Engpass im Sommer? Luftverkehrsverband warnt - Tui Chef äußert sich
Aus Sicht des Vorstandschefs des Reisekonzerns Tui, Sebastian Ebel, besteht gegenwärtig kein Kerosin-Mangel und damit auch kein Risiko für Flugausfälle in den Sommerferien. Die Situation in Deutschland sei "relativ komfortabel", sagte er im Nachrichtensender Welt TV: "Wir haben sehr hohe Raffinerie-Kapazitäten, die auch im Januar nicht zurückgebaut wurden. Das ist gut und so, dass wir von einer ausreichenden Versorgungssicherheit ausgehen."
Die Tui habe außerdem beim Kerosineinkauf gut vorgesorgt, was auch für Kostensicherheit sorge. Dank vorher festgelegter Ölkontrakte sehe er keine nennenswerten Auswirkungen für das kurzfristige Geschäft. "Was das langfristig bedeutet, das werden wir sehen." Für den Sommerurlaub müsse sich aus seiner Sicht niemand Sorgen machen. Bei Flugtickets sehe er eine hohe Preisstabilität, die nur normalen Nachfrageschwankungen unterliege.
Im unwahrscheinlichen Fall von Flugausfällen wegen Kerosinmangels dürfe man den Veranstaltern nach Ansicht von Ebel aber keine Entschädigungszahlungen zumuten. Für einen Kerosinmangel hätten die Reiseveranstalter keine Verantwortung, sie müssten behandelt werden wie etwa Unwetter, für die es auch keine Entschädigungen gebe, sagte der Manager.