Neun Filme in sechs Jahren, das ist schon was. Zumal ein Team für einen Streifen von der Idee bis zur ersten Kinovorstellung normalerweise drei Jahre braucht. Das sagte Filmproduzentin Susanne Hildebrand am Donnerstagabend. Sie begleitete den Regisseur Marcus H. Rosenmüller, der auf der Promo-Tour für seinen neuen Film "Wer's glaubt wird selig" das schöne, inhabergeführte Odeon-Kino besuchte.

Ein Workaholic? Das nimmt man dem bayrischen Naturburschen nicht ab. Ab und an brauche er schon einen Tritt, sagte der naturfröhliche, etwas zerzauste Mann, der sich nach der Vorführung - der Film läuft regulär am 16. August an - den Fragen des Publikums stellte. Er ist ein Grundsympath, dieser Marcus H. Rosenmüller, der vor genau sechs Jahren mit "Wer früher stirbt ist länger tot" einen Überraschungserfolg landete und 1,8 Millionen Zuschauer in die Kinos lockte, für einen deutschen Film außerordentlich viel. Manchen Menschen sind die Leichtigkeit und Fröhlichkeit offenbar angeboren, so wie es grüblerische Melancholiker von Geburt an gibt. Lustig, dabei nicht oberflächlich, Sinn für schwarzen Humor und Groteske, ohne zynisch zu sein, Slapstick und dabei doch die Menschen lieben - damit ist so ungefähr die Marke Rosenmüller umrissen und der Charme seiner frühen Filme angedeutet.



Insbesondere "Wer früher stirbt ...", aus der Perspektive eines Buben erzählt, die Dialoge konsequent im bayrischen Dialekt, hatte den Publikumserfolg voll und ganz verdient. Die Atmosphäre eines Dorfs trafen Rosenmüller und seine Mannschaft schön, eine skurrile Geschichte mit herrlichen Einfällen - Herz und Auge, was wollt ihr mehr? Mit "Wer's glaubt ..." ist Rosenmüller scheinbar zu seinen Anfängen zurückgekehrt. Wieder ein bayrisches Dorf, wieder eine schräge Story - die eifrig betriebene Heiligsprechung einer auf sagen wir mal unorthodoxe Art zu Tode gekommenen Schwiegermutter - mit unvergesslichen Figuren.

Komödiantischer Klamauk

Allein: Es funktioniert nicht. Das beginnt beim Dialekt bzw. dem nicht mehr durchgängig gesprochenen Dialekt - die Hauptrolle spielt Nordlicht Christian Ulmen - und hört bei der klamaukigen Geschichte lange nicht auf. Es ist kein schlechter Film, aber mehr als eine durchschnittliche Komödie, die schnell wieder vergessen ist, hätte man sich von einem Talent wie Rosenmüller schon erwartet. Vielleicht liegt's daran, dass richtige Stars verpflichtet worden sind - Nikolaus Paryla, Hannelore Elsner und Friedrich von Thun z. B. -, vielleicht liegt's am amerikanischen Drehbuch Jeremy Levens, das auf deutsche Verhältnisse umgeschrieben worden ist, vielleicht liegt's am kommerziellen Erfolg, der herbeigezwungen werden soll, vielleicht am aufdringlich vorgeführten Katholizismus.

Rosenmüller wollte jedenfalls die Religion nicht beleidigen, sagt er. Er respektiere Menschen, die sich für andere aufopfern. In der Tat wirkt der zwar mit Glaubensgewissheiten freizügig jonglierende Film niemals bösartig. Selbst charakterisiert sich der 39-jährige Rosenmüller als "harmoniesüchtig". Das nimmt man ihm sofort ab. Er ist der Kumpel, der einen nie hängenlässt und mit dem man einen draufmachen kann. Die Bodenständigkeit muss der Oberbayer nicht heucheln.

Sein Studium an der Münchner Filmhochschule verdiente er sich durch Handlanger- und Hausmeisterjobs, so überbrückte er auch die Durststrecke nach dem Abschluss. Andere hätten aufgegeben, doch die Frohnatur Rosenmüller, die schon als Kind gedichtet hatte, später als Büttenredner, Kabarettist, Schultheater-Schauspieler und Musiker ihre Talente erprobt hatte, glaubte an den Erfolg. Zu Recht, wie man jetzt weiß. Ihn interessiere vornehmlich, wie Menschen miteinander umgehen, sagte er, was sich zwischen ihnen entwickele. Rosenmüller ist kein Technik-Freak, er liebt das Alte, alte Kinos wie das Odeon auch, und hofft, dass sie überleben. Dazu möchte er das Fach Film-Bildung in den Schulen einführen, damit die junge und jüngste Generation nicht nur noch DVDs glotze. Das nächste Projekt plant er schon. Es ist die Geschichte des Kriegsgefangenen Bernd Traumann, der im Tor von Manchester City Karriere machte. Er ist wohl doch ein Workaholic.

"Wer's glaubt wird selig" von Marcus H. Rosenmüller läuft ab 16. August im Odeon-Kino, Bamberg, Luitpoldstr. 25, www.lichtspielkino.de oder Tel. 0951/26785