• Ursachen der Teilung
  • Die Kim-Dynastie
  • Über welche militärische Stärke verfügt Nordkorea?
  • Was würde ein Krieg in dieser Region bedeuten?
  • Wie würde die NATO reagieren?
  • Was würde das für Deutschland bedeuten?

Seit 1945 sind Süd- und Nordkorea getrennt. Es gab in der Vergangenheit immer wieder Annäherungen, doch eine Zusammenführung ist weit entfernt, zu sehr trennen die beiden Staaten ihre politischen Systeme. Immer wieder droht Kim Jong-un mit Gewalt. Was will er erreichen und welche Folgen hätte ein Krieg in der Region?

Korea – zwei gegensätzliche Staaten

1910 wurde Korea eine japanische Kolonie. Vorausgegangen war die zwangsweise Öffnung des Handels Japans mit den USA auf Druck der Vereinigten Staaten. Dies nahm Japan zum Anlass, selber zur Kolonialmacht aufzusteigen und erpressten mittels ausgesandter Kriegsschiffe Korea zu einem "Freundschaftsvertrag", um dort seine Waren verkaufen zu können. Als Japan den Krieg 1904/1905 gegen Russland gewann, wurde die Situation für Korea dramatisch, denn Russland fiel als Schutzmacht aus und das Land wurde zunächst ein japanisches Protektorat, dann Kolonie. Die Bürger waren nun Bürger Japans, allerdings zweiter Klasse. Koreanisch wurde als Sprache verboten, man zwang die Menschen, japanische Namen anzunehmen. Japan beutete das Land rücksichtslos aus. Männer wurden zur Zwangsarbeit verpflichtet, koreanische Frauen wurden zu sogenannten Trostfrauen, die japanischen Soldaten als Prostituierte zur Verfügung stehen mussten.

Mit dem Ende des Zweiten Weltkrieges und damit auch der Besatzung durch die Japaner schien der Albtraum ein Ende zu haben. Die USA und Russland rückten in Korea ein, jeweils bis zum 38. Breitengrad. Der Norden war nun kommunistisch. Kim Il Sung, der Begründer der Kim-Dynastie, konnte Stalin überreden, sein Land bei der Aufrüstung zu unterstützen und überfiel am 25. Juni 1950 den Süden. Drei Tage später hatte er Seoul, die Hauptstadt Südkoreas, erobert. Die UN-Truppen unter der Führung der Amerikaner griffen ein und konnten die Nordkoreaner bis fast zur chinesischen Grenze zurückdrängen. Daraufhin griff China in den Konflikt ein und die Amerikaner mussten sich wieder bis hinter den 38. Breitengrad zurückziehen. Als der Krieg 1953 endete, lag Korea fast vollständig in Trümmern. Der 38. Breitengrad bildet bis heute die Grenze zwischen den beiden Ländern. Offiziell befindet sich Nordkorea noch immer im Krieg mit dem Süden.

Erst 1988 wurde Südkorea nach langen Jahren unter verschiedenen diktatorischen Regierungen demokratisch. Das Land trat den Vereinten Nationen bei und man versuchte, auch zum Nachbarland freundschaftliche Beziehungen aufzubauen. Bereits in den 60-er Jahren wuchs die Wirtschaftskraft Südkoreas sprunghaft an. Mischkonzerne unter familiärer Leitung wie Samsung, LG (damals Goldstar) oder Hyundai wurden gegründet. Wurden 1970 noch Exporte im Wert von 835 Millionen Dollar getätigt, so stieg dies 2010 auf 466 Milliarden Dollar an. Dabei handelt es sich neben hochwertigen Elektronikgütern auch um Autos oder Schiffe. In Nordkorea hingegen wurde weiter, wie in der Sowjetunion, auf Planwirtschaft gesetzt. Mit Beginn des Koreakrieges 1950 wurde das Land wirtschaftlichen Sanktionen unterworfen, die bis heute nicht aufgehoben wurden. Zwar gelang es Nordkorea, unter anderem durch massive Hilfen der Sowjetunion, das Land nach dem Krieg wieder aufzubauen und auch sich wirtschaftlich weitgehend zu erholen, doch durch ein massives Militarisierungsprogramm, welches Schätzungen zufolge zwischen 25 und 40 Prozent des Bruttoinlandsproduktes beträgt sowie dem Preisverfall von Zink und Blei, die zu den Hauptexportgütern zählen, stiegen die Schulden im Ausland massiv an. Durch den Zusammenbruch des Ostblocks wurde die Krise noch verschärft. Mehrere Naturkatastrophen und Missmanagement taten ihr übriges, um das Land wirtschaftlich gesehen ins Chaos zu stürzen. 

Die Kim-Dynastie und das Atomwaffenprogramm

Seit 1948 regiert in Nordkorea die "Kim-Dynastie". 1948 ließ sich Kim Il Sung zum Regierungschef ausrufen und war ein enger Verbündeter Stalins. Er herrschte bis 1994 und wird als "ewiger Präsident" bezeichnet. Nach seinem Tod 1994 kam sein Sohn Kim Jong Il an die Macht. Er führte die Regierung mit ähnlich harter Hand wie sein Vater fort. Seit 2011 ist sein drittältester Sohn Kim Jong-un an der Macht. Somit wird das Land in dritter Generation von ein und derselben Familie beherrscht. 

Unter Kim Jong Il begann das Land, massiv aufzurüsten. Unter ihm wuchs die Armee zur viertgrößten weltweit. Im Jahr 2006 ließ er die erste Atombombe testen. Zuvor war das Land aus dem Atomwaffensperrvertrag ausgeschieden. Mit der UN-Resolution 1718 vom 14.10.2006 verurteilte der UN-Sicherheitsrat den Atomtest und belegte Nordkorea mit weiteren Sanktionen. Nordkorea bezeichnete diese Resolution als Kriegserklärung. In Gesprächen sicherte das Land allerdings zu, sein Atomwaffenprogramm schrittweise zu beenden, doch zündete Nordkorea am 25.05.2009 einen weiteren atomaren Sprengkopf. Noch am selben Tag verurteilte der IN-Sicherheitsrat den Test. Doch bereits am nächsten Tag zeigte Nordkorea, dass es sich davon nicht beeindrucken ließ und testete Kurzstreckenraketen. Damit verletzte das Land in wesentlichen Teile die Resolution von 2006. Nach dem Tod von Kim Jong Il führte dessen Sohn die Aufrüstung weiter fort. Am 12.12.2012 wurde erstmals eine Langstreckenrakete getestet, gefolgt von einem Atomwaffentest am 12.02.2013. Somit wurde eine erneute Eskalationsspirale in Gang gesetzt. Kim Jong-un drohte im weiteren Verlauf mit einem Präventionsschlag gegen die USA und ließ das Atomwaffenprogramm weiter ausbauen. 2016 und 2017 folgten Tests mit zwei Wasserstoffbomben sowie von über 20 Raketen, darunter auch eine Interkontinentalrakete, welche Nordamerika erreichen könnte. 

Schätzungen zufolge besitzt Nordkorea etwa 20 Atomsprengköpfe. Allerdings geht man davon aus, dass das Land über Plutonium für mindestens 30 weitere Sprengköpfe verfügt. Über welche Art Raketen mit welcher Reichweite das Land verfügt, darüber liegen keine gesicherten Informationen vor. 

Was hat Kim Jong-un vor?

Nordkorea hat offenbar bereits mit den Vorbereitungen für einen weiteren Atomtest begonnen. Satellitenaufnahmen belegen, dass das Atomtestgelände wieder instandgesetzt wird. Ferner sollen die Kapazitäten zur Produktion von spaltbarem Material wieder hochgefahren worden sein. Doch was genau plant Kim Jong-un? Und welche Folgen könnte das nach sich ziehen? Schon in der Vergangenheit hat Kim Jong-un die Vereinigten Staaten immer wieder provoziert. Sei es mit Raketentests oder aber mit Drohungen, man könne jederzeit eine Atomrakete auf die USA abfeuern. Vor allem zu bestimmten Daten ist mit Provokationen zu rechnen, so zum Beispiel am Nationalfeiertag in Nordkorea oder am "Tag der Sonne", dem Geburtstag von Kim Il Sung, während Kim Jong-un seine Paraden abhalten lässt. Dabei bedient sich der Oberste Führer in gewisser Weise einer Rhetorik, die an die des russischen Präsidenten erinnert. So betont Kim Jong-un immer, dass Südkorea sein Land bedrohe und auch die Vereinigten Staaten die Freiheit Nordkoreas mittels Gewalt beenden wolle. Im April 2022 warnte Kim Jong-un das Nachbarland, dass man, sollte Südkorea den Norden angreifen, man mit einem Atomschlag antworten würde.

Ein Szenario, in welchem erneut ein Krieg zwischen Nord- und Südkorea ausbrechen könnte, scheint momentan wahrscheinlich. Doch wie wären die unmittelbaren Folgen? Wieder wären Millionen Menschen in Gefahr, ihr Leben zu verlieren. Ob und wie weit sich andere Staaten einmischen, ist unabsehbar. Südkorea gehört nicht zur NATO, daher wäre ein direktes Eingreifen, laut Statuten, nicht möglich. Allerdings ist Südkorea seit Mai 2022 Mitglied im NATO’s Cooperative Cyber Defense Centre of Excellence (CCDCOE), wo das Bündnis für den Cyber-Krieg trainiert und forscht. Über einen direkten Antrag auf Mitgliedschaft ist momentan nichts bekannt. Allerdings haben die USA mit Südkorea, aber auch mit Japan, Verteidigungsbündnisse abgeschlossen und unterhalten dort auch größere Militärpräsenzen. Daher wäre bei einem Angriff Nordkoreas auch die USA möglicherweise direkt betroffen und würde sehr wahrscheinlich auch direkt eingreifen. 

Die indirekten Folgen eines solchen Konflikts wären gravierend. Südkorea unterhält mit vielen Ländern ausgedehnte Wirtschaftsbeziehungen, auch mit Deutschland. Das Land ist eine Exportnation. Zu den Hauptgütern gehören unter anderem Flash-Speicherchips, DRAM-Chips sowie diverse Elekronikartikel, Maschinen und chemische Erzeugnisse. Das Exportvolumen 2021 betrug rund 644 Milliarden US-Dollar. Doch auch das Importvolumen aus anderen Ländern mit rund 615 Milliarden US-Dollar im Jahr 2021 würde wegbrechen. Insgesamt wäre die Weltwirtschaft massiv betroffen, vor allem im Bereich der Computerchips würde sehr schnell ein weiterer Mangel entstehen. Dies würde auch Deutschland direkt betreffen. Durch die unmittelbare Nähe Japans wäre auch dieses Land direkt betroffen. Mögliche Folgen, neben Angriffen auf sich dort befindliche Militärbasen der USA, wäre eine Einschränkung des Schiffsverkehrs. Im- und Exporte wären für Japan problematisch, da sich die Hauptschifffahrtsrouten in direktem Zugriff von nordkoreanischen Raketen befinden. 

Weitere mögliche Auswirkungen

Der gesamte Warenverkehr aus dem asiatischen Raum wäre direkt oder indirekt betroffen. Besonders gravierend wären die Auswirkungen, sollten China und Taiwan sich ebenfalls im Kriegszustand befinden. Dann wäre der gesamte Wirtschaftsverkehr gezwungen, massive Umwege zu fahren, sofern überhaupt noch Bewegungen stattfinden können.

Die Folge: Exporte aus Japan, aber auch Importe, würden die Häfen nur noch verzögert verlassen oder entladen. Die Wege würden länger, damit stiegen die Transportkosten und würden die Waren weiter verteuern.

Fazit

Ob Nordkorea einen Krieg mit Südkorea anfängt, liegt durchaus im Bereich des Möglichen. Inwieweit andere Länder dann eingreifen, lässt sich schwer abschätzen. Sollte dies der Fall sein, so ist Kim Jong-un durchaus zuzutrauen, mit Nuklearwaffen zu antworten. Diese könnten nicht nur in Südkorea, sondern auch in Japan einschlagen. Über welche Raketen Nordkorea verfügt und ob diese auch die USA erreichen können, darüber scheinen keine gesicherten Erkenntnisse vorzuliegen. Sollte es also zu einem weiteren Konflikt kommen, so hängt auch vieles davon ab, wie China und Russland als direkte Verbündete Nordkoreas reagieren und ob die Führung in Peking beschließt, in Taiwan einzumarschieren. Sollten beide Krisenherde zu Kriegsgebieten werden, so wäre dies eine humanitäre Katastrophe mit Millionen Toten. Die Folgen für die Welt wären desaströs. Neben möglichen Ausweitungen auf andere Länder würde die Weltwirtschaft einen Großteil der von dort bezogenen Waren, insbesondere im Bereich der Halbleitertechnik, verlieren. Das könnte, gepaart mit einem Kollaps der Finanzmärkte, zu einem Zusammenbruch vieler Branchen führen, möglich wäre dann eine Rezession, welche weltumspannend verlaufen könnte. 

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