Die Lage am Golf bleibt hochbrisant, warnt Kanzler Friedrich Merz. Und zwar trotz Friedensgesprächen. Deutschland sucht derweil neue Gespräche mit einem schwierigen Gegenüber.
Kanzler Friedrich Merz blickt ohne großen Optimismus auf die anstehenden Friedensverhandlungen mit dem Iran. «Ein diplomatischer Erfolg ist keineswegs ausgemacht», sagte der CDU-Vorsitzende in Berlin mit Blick auf die für Samstag geplanten Gespräche zwischen den USA und dem Iran in der pakistanischen Hauptstadt Islamabad. Erstmals seit Kriegsbeginn vor gut fünf Wochen öffne sich jetzt ein Zeitfenster für eine Verhandlungslösung.
Bundesregierung will wieder mit dem Iran reden
Auch die Bundesregierung nehme «nach langem Schweigen» nun wieder direkte Gespräche mit Teheran auf, sagte Merz. Dies geschehe in Abstimmung mit den USA und den europäischen Partnern. Man wolle einen eigenen Beitrag zum Erfolg der Gespräche leisten.
«Die Ankündigung einer maßlosen Eskalation, die in den letzten Tagen im Raum stand, ist damit zunächst einmal abgewendet», sagte der Kanzler mit Blick auf die Drohung von US-Präsident Donald Trump, die iranische Zivilisation auszulöschen. Zwar gebe es jetzt eine Chance auf Frieden, dieser sei aber noch lange nicht erreicht, betonte Merz.
«Allein die letzten 24 Stunden haben gezeigt, wie fragil die Waffenruhe in der Region ist, wie unklar die Lage auch in der Straße von Hormus bleibt und wie weit die Positionen der Beteiligten noch auseinander liegen.»
Wie sind Trumps Aussagen zu verstehen?
Trump hatte wenige Stunden vor dem Ablauf seines Ultimatums an den Iran und vor der Vereinbarung einer Waffenruhe auf seiner Plattform Truth Social gedroht: «Eine ganze Zivilisation wird heute Nacht untergehen, um nie wieder zurückzukehren.» Er wolle nicht, dass das passiere, aber es werde wahrscheinlich dazu kommen.
Merz sagte dazu, er habe das auch «als einen rhetorischen Teil seiner Strategie gegenüber dem Iran» empfunden. «Ich glaube, er ist selbst nicht davon ausgegangen, dass man ein Land wie den Iran vollkommen auslöschen kann. Dazu wäre es nach meiner festen Überzeugung nicht gekommen.»
Wo Deutschland ins Spiel kommen könnte
Wenn ein Friedensschluss mit dem Iran erreicht ist, wird sich Deutschland laut Merz an einer Sicherung der Meerenge von Hormus beteiligen - aber nur unter bestimmten Bedingungen. Dies habe er US-Präsident Donald Trump zugesichert. Dafür brauche es ein Mandat, am besten des UN-Sicherheitsrats, und ein «tragfähiges Konzept».