Vier von fünf Befragten halten Deutschland bei der Abwehr feindlicher Drohnen für schlecht vorbereitet. Welche Maßnahmen ergreift die Bundesregierung?
Die Sprengstoff-Drohne auf dem Flughafen Leipzig/Halle hat nicht nur Politiker und Beamte der Sicherheitsbehörden aufgeschreckt – auch die Bevölkerung macht sich ernsthafte Sorgen. Laut einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov im Auftrag der Deutschen Presse-Agentur ist eine Mehrheit von 63 Prozent der Bundesbürger mit Blick auf diesen Vorfall besorgt.
Lediglich neun Prozent der Teilnehmer der repräsentativen Umfrage antworteten auf die Frage, ob und wenn ja, wie sehr sie der Drohnen-Fund besorgt mache mit «überhaupt nicht besorgt». 22 Prozent der Befragten entschieden sich für die Antwortvariante «wenig besorgt». Fünf Prozent der Teilnehmer trauten sich in dieser Frage kein Urteil zu. YouGov hatte zwischen dem 14. August und vergangenem Montag 2.091 Wahlberechtigte befragt.
Generalbundesanwalt hat Ermittlungen übernommen
Die Drohne war am Abend des 4. Augusts im Sicherheitsbereich des Flughafens Leipzig/Halle zwischen ukrainischen Frachtmaschinen entdeckt worden. Die Bundesanwaltschaft sprach von einem «schwerwiegenden Angriff auf die Transport- und Logistikinfrastruktur in Deutschland».
Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) betonte später: «Leipzig ist kein singulärer Fall, sondern Leipzig ist Teil eines größeren Gebildes, mit dem wir es zu tun haben.» Es besteht zwar die Vermutung, dass Russland dahintersteckt, geklärt ist die Urheberschaft aber nicht.
Unterschiede zwischen Anhängern verschiedener Parteien
Am wenigsten besorgt durch den Drohnenvorfall sind der Umfrage zufolge die Anhänger der AfD, die von anderen Parteien häufig wegen ihres weniger kritischen Blicks auf Russland – auch im Zusammenhang mit dem Angriffskrieg in der Ukraine – kritisiert wird. Lediglich etwas mehr als ein Drittel der AfD-Wähler drückt in Bezug auf die Sprengstoff-Drohne Besorgnis aus. Bei den Anhängern des BSW sind es zwar etwas mehr, aber immer noch weniger als die Hälfte.
Bei Drohnenabwehr sehen viele noch Luft nach oben
Was zur Besorgnis beiträgt, ist sicher auch der skeptische Blick vieler Bürgerinnen und Bürger auf die Fähigkeiten der deutschen Sicherheitsbehörden bei der Drohnenabwehr. YouGov hatte den Teilnehmern der Umfrage auch folgende Frage vorgelegt: «Nach allem, was Sie wissen: Wie gut oder schlecht, glauben Sie, ist Deutschland vorbereitet, um Bedrohungen durch feindliche Drohnen an Flughäfen und anderen wichtigen Infrastruktureinrichtungen abzuwehren?» Vier von fünf Befragten sehen hier Defizite. Jeder Zweite sagte, Deutschland sei dafür «eher schlecht» vorbereitet. 30 Prozent der Befragten antworteten mit «sehr schlecht». Nur elf Prozent der Bundesbürger sehen Deutschland für solche Fälle gut vorbereitet. Neun Prozent der Befragten antworteten mit «weiß nicht».
Zu den Maßnahmen, die die Bundesregierung ergriffen hat, um bei der Bekämpfung unbemannter Luftfahrzeuge voranzukommen, zählen die Schaffung einer Einheit der Bundespolizei für die Drohnenabwehr, ein Ausbau der Forschung zu neuen Abwehrmethoden und -geräten sowie die Gründung eines Gemeinsamen Drohnenabwehrzentrums von Bund und Ländern.