Auf dem Bildschirm erscheint eine verwackelte Handkamera-Aufnahme, die eine glückliche Familie beim Picknick im Park zeigt. Der Clip ist mit unheilvoller Musik unterlegt. Dann hört man die Stimme einer Frau: "Niemand hätte jemals gedacht, dass genau ihm das irgendwann passiert."

So beginnt das neue Werbevideo von Lidl: "Teuer bezahlt -Das Schicksal von Martin U." Der Clip ist einem True-Crime-Film nachempfunden, thematisiert also wie bei einem richtigen Krimifilm das Verschwinden einer Person. Die Reaktionen auf die Lidl-Werbung fallen in den sozialen Medien sehr unterschiedlich aus: Von Begeisterung bis Entsetzen ist alles dabei.

True-Crime-Werbespot von Lidl polarisiert in den sozialen Medien - "wirklich krass"

Das Verschwinden des fiktiven Martin U., der "nur kurz" in einem Supermarkt "was Günstiges" einkaufen wollte, nachdem er ein Werbevideo auf seinem Handy gesehen hatte, löst in dem Werbevideo selbst einen Eklat in den Medien aus: Ein Nachrichtenbeitrag mit Sprecherin, ein Ermittler im Interview und sogar die Reaktionen in den sozialen Medien sind nachgespielt. Dabei werden sogar "echte" YouTuber und Influencer - wie beispielsweise Rezo - nachgestellt. Auch der öffentliche Gerichtsprozess zwischen Johnny Depp und Amber Heard wird indirekt angesprochen und betont humoristisch inszeniert. Nach sechs Monaten taucht der "verschollene Schnäppchenjäger" schließlich mit verfilzten Haaren und wildem Bart aus dem "Groß und Teuer"-Supermarkt wieder auf. "Die haben uns alle verarscht!", brüllt er einer Menge aus Reportern entgegen. "Das ist überhaupt kein Discounter!"

Immer häufiger geht Werbung in die Extreme. Da wird nicht nur die Konkurrenz durch den Kakao gezogen, sondern auch so manche Pietätsgrenze überschritten, zumindest für einige Nutzer. Die Reaktionen variieren von Plattform zu Plattform stark: Auf YouTube, wo das Video bereits mehr als 5,5 Millionen Aufrufe erzielt hat (Stand: 17. August 2022), ist die überwiegende Mehrheit der Viewer begeistert"Das Team, welches sich das ausgedacht hat, soll bitte ne Zusatzzahlung kriegen. Und einen Kasten Bier ausgegeben bekommen", ist da beispielsweise zu lesen. Ein anderer Nutzer schreibt: "Ich fand es richtig beeindruckend. Diese Werbung erinnert mich an einen Filmtrailer, wirklich krass. Weiter so, Leute."

Auf Facebook fallen die Reaktionen im Durchschnitt weniger positiv aus: Eine Kundin schreibt, sie sei "entsetzt über so eine geschmacklose Werbung". Auch eine andere Frau findet das Video "verstörend" und fügt hinzu: "Eine Satire für vermisste Menschen Einzelhandel passt irgendwie nicht." Ein weiterer Kunde kritisiert nicht nur die Werbung selbst, sondern auch das Konzept dahinter: "Anstatt jede Menge Kohle für so ne Werbung zu verballern wäre es sinnvoll eure Preise zu überdenken. Mit günstig hat das schon lange nichts mehr zu tun."

Facebook-Nutzer entsetzt über "geschmacklose und verstörende" Lidl-Werbung

Doch stimmt der Vorwurf? Wie steht Lidl mit seinem Preisniveau anderen Supermärkten gegenüber? Und wo sind die Produkte tatsächlich am günstigsten?

Eins ist jedoch so gut wie sicher: Mit den Reaktionen auf ihr Video dürfte Lidls Marketingabteilung ihr Ziel durchaus erreicht haben. Zu diesem Schluss kommt auch ein Zuschauer in den sozialen Medien: "Das wird viele Dauerempörte auf den Plan rufen und man bleibt so im Gespräch. Klasse."

Lesetipp: In der Vergangenheit haben auch andere Supermärkte schon mit ihren Werbespots die Nutzer schockiert. 2019 beispielsweise löste Edeka einen Shitstorm mit ihrem kontroversen Werbespot zum Muttertag aus.