Auch in Nordrhein-Westfalen waren am Morgen einige prominente Webseiten weiterhin nicht erreichbar. Mehrere Online-Services der NRW-Polizei waren nach Behördenangaben jedoch wieder online. "Nach intensiven Arbeiten konnten die Seiten wieder in Betrieb genommen werden", teilte das Landesamt für Zentrale Polizeiliche Dienste mit.
Für normale Internetnutzer bestand beim alltäglichen Surfen auf dem Smartphone oder PC zunächst kein direkter Handlungsbedarf, da sich die Sicherheitslücke nicht auf Endgeräten befindet, sondern auf den Servern im Hintergrund. Dennoch können Verbraucher indirekt betroffen sein - etwa durch Ausfälle wichtiger Onlinedienste oder potenzielle Datenabflüsse auf nicht rechtzeitig geschützten Webseiten.
Politiker spricht von "Wendepunkt"
Der Vorsitzende des Parlamentarischen Kontrollgremiums für die Geheimdienste, Marc Henrichmann, warnte vor einer neuen Dimension der Cyberbedrohung. "Wir erleben einen Wendepunkt", sagte der CDU-Politiker dem Handelsblatt. Künstliche Intelligenz mache aus Schwachstellen, die bisher als kaum ausnutzbar gegolten hätten, in kurzer Zeit "echte Einfallstore".
"Das ist eine der ernstesten Sicherheitslücken der vergangenen Jahre", sagte Henrichmann. Die Schwachstelle betreffe einen Großteil der Websites weltweit und sei "ein Problem für die gesamte digitale Infrastruktur". Der Fall zeige, wie verwundbar staatliche Einrichtungen seien, wenn zentrale Software über Jahre unentdeckte Fehler enthalte. Solche Sicherheitslücken würden gezielt von Kriminellen und staatlichen Akteuren ausgenutzt.
Ursprungsmeldung vom 21.10.2026: Zahlreiche Webseiten offline – BSI stuft Lage als "kritisch" ein
Eine neu entdeckte, schwerwiegende Sicherheitslücke bringt weltweit das Fundament zahlreicher Webseiten und Onlinedienste ins Wanken.
Die Homepages mehrerer Ministerien und der Polizei waren am Nachmittag nicht mehr erreichbar. "Aus sicherheitstechnischen Gründen ist dieses Webangebot aktuell leider nicht verfügbar", war dort teilweise als Hinweis zu lesen. Auch andere Behörden und Einrichtungen in Franken, wie das Landratsamt Rhön-Grabfeld, das Landratsamt Kitzingen und das Klinikum Nürnberg, waren nicht erreichbar.
Der Hintergrund ist eine neu entdeckte, ernsthafte Sicherheitslücke. Betroffen ist die weit verbreitete Programmiersprache PHP, auf der ein Großteil des Internets basiert – von einfachen Blogs über große Nachrichtenportale bis hin zu komplexen Onlineshops und Content-Management-Systemen wie WordPress.
Entwickler kündigten Sicherheitspatch an
Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) und das bayerische Landesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (LSI) hatten Alarm geschlagen und Warnungen herausgegeben. Das LSI stuft die Schwachstelle als "kritisch" ein. Die Entwickler des PHP-Projektes kündigten für Mittwochnachmittag die Veröffentlichung eines Sicherheitspatches an. Das BSI empfahl Betreibern von Internetangeboten jedoch ausdrücklich, ihre Server im Zweifel komplett vom Netz zu nehmen.
Das bayerische Innenministerium bestätigte am Nachmittag, dass man den eigenen Internetauftritt auf Empfehlung von BSI und LSI vorsorglich offline genommen habe. Das Update laufe bereits, die Internetseite solle danach wieder online sein. Man gehe davon aus, dass die Unterbrechung etwa eine Stunde dauern werde.
Vorschaubild: © Bernd Weißbrod/dpa