Viele Banken planen ab 2027 neue Angebote zur privaten Altersvorsorge und zum Aktiensparen. Wir haben bei der Sparkasse in Passau und bei der Volksbank in Bamberg nachgefragt, was konkret geplant ist.
Der Start des neuen Altersvorsorge-Depots (AV-Depot) zum 1. Januar 2027 wirft eine zentrale Frage auf: Wie gewinnt man das Vertrauen der Bevölkerung für das Aktiensparen zurück? Angesichts sinkenden Rentenniveaus und steigender Beiträge wächst der Druck, privat vorzusorgen, und die Sparkasse Passau und die Volksbank Bamberg-Forchheim wollen bis Januar 2027 passende Angebote bereitstellen.
Die Mediengruppe Bayern hat bei Banken aus der Region nachgefragt, welche Anlagemöglichkeiten Sparer künftig haben. Beide Institute sehen die Lockerung der bisherigen Vorgaben, insbesondere den Wegfall der verpflichtenden Kapitalgarantie, als Chance für höhere Renditen und mehr Wahlfreiheit.
Warum braucht die private Altersvorsorge einen neuen Schub?
Christoph Helmschrott, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse in Passau, und Alexander Brehm, Marktvorstand bei der Volksbank in Bamberg-Forchheim, sind optimistisch, dass sie bis Januar 2027 attraktive Angebote für das Aktiensparen im Alter anbieten können. "Natürlich hat es in der Vergangenheit immer wieder teils kräftige Einbrüche an den Aktienmärkten gegeben – von der Dotcom-Blase über die Finanzkrise und Corona bis zum Beginn des Ukraine-Kriegs", analysiert Helmschrott die Stimmung in der Bevölkerung gegenüber dem neuen Altersvorsorge-Depot.
Aktiensparen braucht einen neuen Schub, das sieht auch Brehm so. Aber: Die Probleme bei der Rente nehmen zu. Die Rentenbeiträge würden weiter steigen, während das Rentenniveau kontinuierlich gesunken sei. "Jeder Mensch in Deutschland sollte sich daher mit privater Altersvorsorge befassen, damit die Rentenlücke im Alter nicht zu groß wird."
Gegenüber Aktieninvestments bestehe in Deutschland traditionell Skepsis und sie werden oft mit "Zockerei" gleichgesetzt. "Das langfristige Investieren in Aktien hat aber nichts mit Spekulation zu tun. Bei einem Anlagehorizont von mindestens 10 bis 15 Jahren haben sich Aktien historisch als stabile und gleichzeitig renditestarke Anlageklasse erwiesen", so Brehm.
Wie wollen die Kreditinstitute neues Vertrauen zum Aktienmarkt aufbauen?
Wie erwartet gehen die Finanzmanager davon aus, dass ihre neuen Konzepte für die Altersvorsorge bei den Sparenden gut ankommen. Deshalb begrüßt der Sparkassen-Chef in Passau, dass die "Fesseln bei der Gestaltung des AV-Depots" gelockert sind. Das Stichwort heißt hier: keine verpflichtende Kapitalgarantie mehr. "Eine solche Garantie, wie wir sie aus der bisherigen Riester-Förderung kennen, schafft zwar Sicherheit, schränkt aber gleichzeitig die Möglichkeiten einer renditeorientierten Anlage erheblich ein", erklärt Helmschrott.
Finanzmanager Brehm sieht in dieser Lockerung, eine "kleine Revolution". Ohne die Kapitalgarantie seien die Renditechancen höher. "Wer aber Sicherheit bevorzugt, für den gibt es weiterhin die Möglichkeit, auch Garantieprodukte oder eine lebenslange Rente in der Auszahlphase zu wählen. Die Kundinnen und Kunden haben die Wahl, was wir als sehr positiv empfinden."