Eigentlich wollte sich die Doppelspitze Jan van Aken und Ines Schwerdtner beim Parteitag im Juni zur Wiederwahl stellen. Nun kommt es anders. Der gemeinsame Erfolg wird bleiben, meint das Duo.
Im Oktober 2024 bewarb er sich mit einem prägnanten Satz um den Vorsitz der Linken: «Mein Name ist Jan van Aken und ich finde, es sollte keine Milliardäre geben!» Gemeinsam mit Ines Schwerdtner ist der Hamburger seit knapp zwei Jahren an der Parteispitze. Jetzt kündigt er seinen Rückzug an - aus gesundheitlichen Gründen. Beim Parteitag im Juni in Potsdam tritt van Aken nicht wieder an.
Dazwischen liegt für die schon fast totgesagte Partei ein fulminantes Comeback bei der Bundestagswahl 2025. In der Doppelspitze mit Schwerdtner holte der Hamburger die Linke aus dem Umfragekeller von nur noch zwei bis drei Prozent. Schließlich zog sie mit 8,8 Prozent wieder ins Parlament ein und liegt in Umfragen derzeit bei zehn bis elf Prozent. Zehntausende neue Mitglieder traten in die Partei ein - sie hat sich binnen weniger Monate quasi verdoppelt auf mehr als 120.000 Menschen.
«Danke dir, Jan»
Wie ein «Fiebertraum» sei das gewesen, sagte Schwerdtner der Deutschen Presse-Agentur nach van Akens Ankündigung. Dessen Entscheidung mache sie traurig, aber: «Die Gesundheit geht vor, auch vor gemeinsame politische Projekte.» Sie lobte die vertrauensvolle Zusammenarbeit, der gemeinsame Erfolg werde bleiben. «Danke dir, Jan, schon jetzt. Es wäre mit keinem anderen möglich gewesen.»
Wie es nun an der Parteispitze weitergeht, blieb zunächst offen. Ein Parteisprecher wollte darüber nicht spekulieren. Denkbar, dass Schwerdtner mit einer anderen Person antritt. Ein Feld von Kandidatinnen und Kandidaten dürfte sich in den nächsten Tagen zeigen. In jedem Fall dürfte van Aken als prägende, auch als integrierende Figur an der Linken-Spitze fehlen.
«Muss auf mich aufpassen»
Van Aken hatte sich mit einer persönlichen Erklärung zu Wort gemeldet. «Anders als bislang geplant, kann ich leider im Juni auf dem Bundesparteitag der Linken nicht wieder als Parteivorsitzender antreten», teilte er jetzt mit. «Aus gesundheitlichen Gründen muss ich mein Amt im Juni niederlegen.»
Es sei keine lebensbedrohliche Krankheit, und es bestehe kein Grund zu größerer Sorge. «Trotzdem muss ich auf mich aufpassen. Das tue ich hiermit.» Er werde nicht komplett ausfallen, sondern das Mandat im Bundestag bis zum Ende der Legislatur ausüben. Er war über die Hamburger Landesliste in das Parlament eingezogen. Auch der Partei werde er weiter zur Verfügung stehen. Bis zum Parteitag bleibe er an der Seite von Schwerdtner im Vorsitz.
«Mir fällt dieser Schritt sehr schwer, weil ich es immer anders geplant hatte», erklärte van Aken weiter und dankte Schwerdtner für die Zusammenarbeit. «Ich finde, die Partei ist auf einem guten Weg.» Die Linke habe bei allen vier Wahlen in diesem Jahr deutlich zugelegt. Anders als von der Partei erhofft, scheiterte sie jedoch bei den Landtagswahlen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz an der Fünf-Prozent-Hürde.