Heftige Bilder aus Frankreich von Jugendprotesten haben international für Aufsehen gesorgt. Jetzt stehen auch Demonstrationen in Deutschland an. Wird es ebenso eskalieren?
Das Bundeskriminalamt (BKA) rechnet aktuell nicht damit, dass die für Samstag (31. Oktober 2026) angekündigten Jugendproteste in Deutschland so gewalttätig verlaufen wie in Frankreich. Der Deutschen Presse-Agentur teilte die Behörde mit, "dass dem BKA keine Erkenntnisse vorliegen, die Rückschlüsse auf eine grundsätzlich unfriedliche Versammlungslage zulassen".
Es gebe zwar "vereinzelte Kommentare und Postings", die als Aufrufe zu Gewalt interpretiert werden könnten. "Konkrete Aufrufe zu organisierter Gewaltanwendung können derzeit allerdings nicht durch das BKA festgestellt werden", sagte ein Sprecher. Auch in Nürnberg wird protestiert. Dazu gibt es Tausende Zusagen im Netz. Die Polizei hat im Vorfeld ebenfalls eine Einschätzung zur Lage abgegeben.
Deutsche Mobilisierungsaufrufe distanzieren sich von Ausschreitungen wie in Frankreich
Das BKA betont, dass sich Mobilisierungsaufrufe in den sozialen Medien von den gewaltsamen Ausschreitungen im Ausland distanzieren. Im Netz ruft eine Initiative, die sich "GenZ regelt" beziehungsweise "GenZ steht auf" nennt, für den 31. Oktober zu Protesten in 23 Städten auf. Sie rechnet am 31. Oktober mit mehr als 160.000 Teilnehmern.
So viele Menschen haben nach Angaben auf der Website ihre Teilnahme zugesagt. Die Gruppierung fordert mehr Geld für Schulen, Suchthilfe und Psychotherapie, Maßnahmen gegen steigende Lebenshaltungskosten, soziale Gerechtigkeit und für mehr Klimaschutz. Eine Wehrpflicht lehnt sie ab, ebenso einen Ausbau staatlicher Überwachung.
Die Organisatoren von "GenZ regelt" rufen ausdrücklich zu friedlichem Protest auf und lehnen jede Form von Gewalt ab. Auf ihrer Website machen sie deutlich, dass sie keine extremistischen Gruppen und verfassungsfeindlichen Symbole bei ihren Demonstrationen haben wollen. Sie warnen vor Glas und Waffen sowie Provokationen gegenüber der Polizei und weisen auf das für Demonstrationen geltende Vermummungsverbot hin.
Verständnis und Unterstützung aus der Politik
Bei Protesten, insbesondere in Frankreich, war es zu Ausschreitungen mit Gewalt, Plünderungen und Brandstiftung gekommen. Im deutschen Einzelhandel haben Geschäfte vor dem Protesttag mancherorts geschlossen, weil die Betreiber Schäden oder Beeinträchtigungen auch hierzulande fürchten.
Die Grünen-Fraktionschefin im Bundestag, Katharina Dröge, versteht den Ärger junger Menschen und fordert mehr Aufmerksamkeit für ihre Kritik. "Junge Menschen sind zu Recht wütend, weil die Bundesregierung ihre Anliegen nicht ernst genug nimmt und ihnen Antworten darauf schuldig bleibt, wie sie ihre Zukunft gestalten können", sagte sie der Deutschen Presse-Agentur.