«Da die Inflation im Euroraum über drei Prozent liegt und es wenig Hoffnung auf Entspannung im Iran-Konflikt gibt, ist eine Zinserhöhung jetzt der richtige Schritt», sagt Ifo-Präsident Clemens Fuest.
Zumal sich die Lage weiter eintrüben dürfte: Die EZB erwartet, dass die Inflation infolge des Iran-Kriegs in diesem Jahr höher ausfallen wird als bisher angenommen. Sie rechnet im Jahresschnitt mit einer deutlich erhöhten Teuerung von im Schnitt 3,0 Prozent, während die Wirtschaft im Euroraum kaum noch um 0,8 Prozent wachsen dürfte. Selbst 2027 erwartet die EZB nun mit 2,3 Prozent eine Inflationsrate über ihrer Zielmarke von zwei Prozent.
Ökonomen fürchten, dass sich mit dem Krieg im Nahen Osten nicht nur Tanken und Heizen verteuern, sondern die Preise insgesamt anziehen, da Firmen gestiegene Energie- und Transportkosten an Kunden weitergeben.
Sparer profitieren
Für Bankkunden haben steigende Leitzinsen Vorteile. Die Sparzinsen sind bereits geklettert, weil die EZB-Zinserhöhung erwartet wurde. Nach einer Analyse des Vergleichsportals Verivox bringt bundesweit verfügbares Festgeld mit zwei Jahren Laufzeit derzeit im Schnitt gut 2,3 Prozent, für Tagesgeld gibt es 1,3 Prozent. Neukunden locken einige Banken zeitweise mit bis zu 4 Prozent aufs Tagesgeld.
Verivox erwartet, dass sich die Konditionen für Sparer mit steigenden Leitzinsen weiter verbessern werden. «In dem Fall dürfte sich der Zinsanstieg beim Festgeld in ähnlichem Tempo wie zuletzt fortsetzen», sagt Oliver Maier, Geschäftsführer der Verivox Finanzvergleich GmbH.
Für Hausbauer hingegen sind Kredite in den vergangenen Monaten bereits teurer geworden. Selbst bei einer weiteren Leitzinserhöhung werde sich daran nichts ändern, denn diese werde von Banken schon erwartet, meint Thomas Gitzel, Chefvolkswirt der VP Bank.
Kann die EZB eine Preiswelle verhindern?
Nach Ansicht von Jörg Asmussen, Hauptgeschäftsführer des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV), musste die EZB handeln, «bevor sich der Preisdruck von den Energiepreisen auf andere Bereiche der Wirtschaft ausweitet». Allerdings bleibe der geldpolitische Spielraum in diesem Fall begrenzt: «Zinspolitik dämpft Nachfrage, beseitigt aber nicht den Angebotsschock selbst und damit nicht die eigentliche Inflationsursache.»
Die EZB will eine neue Preiswelle im Euroraum unbedingt verhindern. Nach Beginn des Ukraine-Kriegs im Februar 2022 stand sie in der Kritik, den damaligen Preisanstieg in der Energiekrise lange unterschätzt zu haben. Die Inflation im Euroraum schnellte bis auf mehr als zehn Prozent hoch, in Deutschland verteuerten sich Energie und Lebensmittel rasant. Die Preiserhöhungen wirken bis heute nach: Nahrungsmittel sind rund ein Drittel teurer als 2019.