Je nachdem, wie wichtig und sensibel die Daten sind, die dort hinterlegt werden sollen, müssten Anbieter dann entsprechend strenge Kriterien erfüllen, um den Zuschlag zu bekommen. So wäre das in einer Cloud abgespeicherte Menü in einer Kantine eher Stufe 1. Die Gebäudepläne von Militäreinrichtungen könnten dagegen als Stufe 4 bewertet werden.
Besonders sensible Bereiche sollen immun gegen Eingriffe sein
Wer auf der höchsten Stufe seine Dienste anbieten möchte, muss vor allem sicherstellen, dass Drittstaaten keine Chance haben einzugreifen. Das würde die großen Anbieter aus den USA vermutlich ausschließen. Allerdings sollen Deutschland und die anderen EU-Staaten selbst die Sicherheitsstufen für die verschiedenen Bereiche der öffentlichen Verwaltung festlegen.
Für die private Wirtschaft gibt es zwar die gleiche Empfehlung, verbindlich sollen die EU-Regeln hier aber in jedem Fall nicht sein, betonten ranghohe Mitarbeiter der EU-Kommission.
Mehr Mikrochips aus Europa
Neben Clouds soll Europa dem Vorschlag der EU-Kommission nach auch bei Mikrochips mehr auf eigenen Beinen stehen. Mikrochips werden unter anderem aus Halbleitermaterial, insbesondere Silizium, hergestellt, und in nahezu allen modernen Gegenständen gebraucht - etwa in Smartphones, Computern und Autos.
In der EU gibt es mit dem niederländischen Konzern ASML immerhin einen wichtigen Player in der Chipindustrie. Hier ist es umgekehrt: Die USA und auch Taiwan sind komplett von ASML abhängig, das Maschinen für hoch entwickelte Chips baut. Bei der tatsächlichen Fertigung der modernsten Mikrochips (unter 3 Nanometer) ist Europa jedoch ein Entwicklungsland und wiederum auf Hersteller aus Taiwan und Südkorea angewiesen.
Mikroelektronik gilt als Schlüsseltechnologie
Die Vorschläge der Brüsseler Behörde sehen vor, die Mitgliedstaaten dazu anzuregen, bei öffentlichen Aufträgen auf Mikrochips aus Europa zurückzugreifen. Angekündigt werden außerdem schnellere Genehmigungsverfahren, eine vertiefte Zusammenarbeit und ein neues Exzellenzlabel für Europas Halbleiterregionen. Letzteres soll helfen, Investoren zu überzeugen.
Ein EU-Beamter nannte als Beispiel die ESMC-Baustelle in Dresden als «größte Baustelle Europas». Dort soll eine moderne Halbleiterfabrik entstehen. Ein Label «Exzellenzregion für Halbleiter» könne es Regionen erleichtern, sich zu profilieren, Investoren anzuziehen und solche Produktionsstätten vorzubereiten, sagte der Beamte.
Die Mikroelektronik gilt als Schlüsseltechnologie. Die EU hat das Ziel, ihren Anteil an der weltweiten Halbleiterfertigung bis 2030 auf 20 Prozent zu steigern. Derzeit liegt der Anteil laut EU-Kommission bei rund 10 Prozent.
Künstliche Intelligenz: Rechenpower gesucht
KI treibt derzeit mit hohem Tempo die technologische Veränderung an. Und dabei sitzt Europa wieder nur in der zweiten Reihe. Zwar verfügt der alte Kontinent mit Start-ups wie Mistral AI in Frankreich über exzellente Softwareschmieden, doch ansonsten tun sich die europäischen Player schwer.
KI benötigt vor allem zwei Ressourcen: gewaltige Datenmengen und gigantische Rechenkapazitäten. Der europäische Markt für Künstliche Intelligenz soll den Plänen der EU-Kommission nach nun durch neue KI-Zentren gestärkt werden.
Ziel sei es, die Kapazität von Rechenzentren in Europa in den nächsten fünf bis sieben Jahren zu verdreifachen, teilte die EU-Kommission mit. Voraussichtlich im Juli will die Behörde eine Ausschreibung für KI-Gigafabriken veröffentlichen.
Von der Leyen mahnt - Digitalverband lobt Vorstoß
Bevor die Vorschläge umgesetzt werden können, müssen sich die EU-Staaten und das Europaparlament noch damit befassen und ihnen zustimmen. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen warnte: «Wir können es uns nicht leisten, bei den Technologien, die den Betrieb unserer Krankenhäuser, die Stabilität unserer Energienetze und die Sicherheit unserer Dienste gewährleisten, von anderen abhängig zu sein.»
Der deutsche Digitalverband Bitkom begrüßte die Vorschläge aus Brüssel. Präsident Ralf Wintergerst lobte, die EU-Kommission setze die richtigen Akzente. Gleichzeitig brauche Europa nun Tempo.