Er wolle sich in die Politik gar nicht einmischen, behauptete der 50-Jährige in seinem Schlusswort: «Aus Sicht eines Nationalsozialisten besteht kein Grund, in die Politik einzugreifen.»
Wiederholt stellte sich der Informatiker als Justizopfer dar. Fünf Rechtsanwälte hätten sich gegen ihn verschworen, eine Richterin habe die Beweisaufnahme gefälscht, so seine Behauptung.
Kopfgeld in Kryptowährung
Besucher seiner Plattform sollten in der Kryptowährung Monero Geld spenden, das an erfolgreiche Attentäter ausgezahlt werden sollte.
Die Bundesanwaltschaft hatte für den Angeklagten fünf Jahre Haft gefordert, der Verteidiger Freispruch. Er kündigte Revision an. Weil kein Geld eingegangen sei, handele es sich nur um versuchte Terrorfinanzierung und die sei nicht strafbar, argumentierte er.
Der Angeklagte hatte ein Teilgeständnis abgelegt und eingeräumt, die Plattform erstellt und betrieben zu haben. In seiner Wohnung seien neun Hitler-Büsten entdeckt worden. Diese seien mit Hilfe eines 3D-Druckers angefertigt worden, sagte der Richter.
Radikalisierung und Verschwörungstheorien
Der Rechtsradikale wurde seit 2020 als politisch motivierter Straftäter der Reichsbürger-Szene eingeordnet. In der Corona-Pandemie hatte er als Maskenverweigerer auf Polizisten eingeschlagen und zwei von ihnen zum Teil erheblich verletzt. Dafür war der Mann rechtskräftig zu einem Jahr Haft auf Bewährung verurteilt worden - nun droht ihm zusätzlich der Widerruf dieser Bewährung.
Auch Staatsanwälte, die gegen die Rechtsextremistin Svenja Liebich und den AfD-Politiker Björn Höcke vorgingen, landeten auf seiner Todesliste. «Er wollte politische Attentäter zu eigenständigen Mordanschlägen veranlassen», erklärte der Vertreter der Bundesanwaltschaft.
Der in Polen geborene Mann hatte in Deutschland auf dem zweiten Bildungsweg Informatik studiert und als Softwareentwickler zuletzt für eine Bank fünf Jahre im Homeoffice gearbeitet und 4.000 Euro netto im Monat verdient.
An einer Demonstration für die Holocaust-Leugnerin Ursula Haverbeck war er nach Angaben der Bundesanwaltschaft ebenfalls beteiligt. Polizisten hatten den Deutsch-Polen, der 1989 mit seinen Eltern nach Deutschland kam, im vergangenen November in Dortmund festgenommen. Seither sitzt er in Untersuchungshaft.