Die Commerzbank-Spitze weist die Pläne der Unicredit als vage und gefährlich zurück. «Solche extensiven Stellenstreichungen würden das Deutschland-Geschäft beeinträchtigen», schreibt das Frankfurter Geldhaus in einer Präsentation. Um die von der Unicredit in Aussicht gestellten weiteren Einsparungen von 800 Millionen Euro bei Personal- und Sachkosten zu realisieren, müssten nach Ansicht der Commerzbank-Spitze weitere 3.000 bis 4.000 Vollzeitstellen gestrichen werden.
Betriebsrat trägt Einschnitte mit
Der von der Commerzbank angekündigte Stellenabbau, dessen Kosten der Vorstand auf etwa 450 Millionen Euro beziffert, soll nach Angaben der Bank «sozialverträglich» etwa über Verrentung und ein Altersteilzeitprogramm mit 50.000-Euro-Zusatzprämie geregelt werden. Eine mit dem Betriebsrat vereinbarte Transformationsvereinbarung regele die Eckpunkte. Gleichzeitig sollen «in Wachstums- und Zukunftsfeldern» wie der Digital-Marke Comdirect und der Vermögensverwaltung Stellen aufgebaut werden.
Der Betriebsrat trägt den Stellenabbau mit. «Einsparungen werden unvermeidlich sein – doch sie sind weit weniger schmerzhaft als der Kahlschlag, den wir bei einer Übernahme erwarten müssten», argumentiert der Vorsitzende des Konzern- und Gesamtbetriebsrats der Commerzbank, Sascha Uebel, in einem Beitrag im Intranet der Bank.
Betriebsbedingte Kündigungen sind nach Angaben der Gewerkschaft Verdi auf Basis der Transformationsvereinbarung faktisch ausgeschlossen. «Für uns ist klar: Niemand darf seinen Job gegen seinen Willen verlieren», betonte Gewerkschaftssekretär Kevin Voß.
Zweiter Stellenabbau seit Anfang 2025
Wo genau die 3.000 Stellen wegfallen sollen, blieb zunächst offen. «Grundsätzlich schauen wir uns alle Einheiten in Bezug auf den Personalbedarf in der Zukunft an, sowohl in der AG als auch bei unseren Töchtern in Deutschland sowie an unseren internationalen Standorten», erklärte Personalvorständin Sabine Mlnarsky in dem Intranet-Beitrag.
Erst im Februar 2025 hatte die Commerzbank den Abbau von 3.900 Vollzeitstellen bis Ende 2027 angekündigt, den Großteil davon in Deutschland. Damals hatte die Bank mitgeteilt, sie werde parallel dazu vor allem im Ausland neue Stellen schaffen, etwa bei der polnischen Tochter mBank sowie an Standorten in Asien. Ende 2025 hatte der Konzern 39.867 Vollzeitkräfte.
Widerstand gegen Unicredit
Management, Betriebsrat und Belegschaft der Commerzbank wehren sich seit Monaten gegen das aus ihrer Sicht «feindliche» Taktieren von Unicredit-Chef Orcel. Auch die Bundesregierung lehnt eine feindliche Übernahme der Commerzbank ab. Der Bund, der das Frankfurter Institut in der Finanzkrise 2008/2009 mit Steuermilliarden vor dem Kollaps bewahrt hatte, hält noch gut 12 Prozent der Anteile an dem Dax-Konzern.
Die Unicredit bietet für jede Commerzbank-Aktie 0,485 neue Unicredit-Aktien. Diese Anteile sind nach Angaben der Unicredit auf Basis eines Drei-Monats-Durchschnittskurses 34,35 Euro wert. Das liegt jedoch unterhalb des jüngsten Kurses der Commerzbank-Aktie. «Das Angebot von UniCredit bewertet die Commerzbank deutlich unter ihrem Wert», so die Bewertung des Vorstands um Bettina Orlopp: «Die Aktionäre der Commerzbank werden aufgefordert, auf Wertsteigerungspotenzial und Kontrolle zu verzichten, ohne dafür eine Prämie zu erhalten.»