Chinas Handelspartner ärgert Überschuss
Als problematisch gelten seit langem auch die extremen Preiskämpfe, die Margen vieler Firmen schwinden lassen. Einige Unternehmen suchen einen Ausweg, indem sie neue Absatzmärkte im Ausland erschließen. Chinas enormer Handelsüberschuss stößt bei seinen Wirtschaftspartnern jedoch schon lange auf Kritik.
ING-Bankanalyst Lynn Song verwies vorab auf die Auslandsnachfrage als einer der wichtigsten Wachstumsmotoren, da zu Jahresbeginn starke Exporte verzeichnet wurden, während die Binnennachfrage in den ersten beiden Monaten noch relativ schwach war.
Ähnliches berichtet die Deutsche Auslandshandelskammer (AHK) in China. «Unsere Mitgliedsunternehmen spüren wenig von Chinas Wirtschaftswachstum, denn die schwächelnde Binnennachfrage kommt nicht so recht von der Stelle», sagte der Chef der AHK-Nordchina. Angesichts der geopolitischen Eskalationen sei es wichtiger denn je, den Konsum und das Investitionsverhalten zu fördern, erklärte er.
Peking setzt geringeres Wachstumsziel an
Auch Peking stellt sich auf eine langsamere Konjunktur ein. Im März schrieb sich die Kommunistische Partei ein Wachstumsziel zwischen 4,5 und 5 Prozent in ihren Arbeitsplan – so niedrig wie seit Jahrzehnten nicht.
Ob Peking damals den Ende Februar ausgebrochenen Krieg der USA und Israels gegen Chinas Wirtschaftspartner Iran eingepreist hatte, ist fraglich. Als wichtigster Importeur iranischen Öls beobachtet China die Lage in der Straße von Hormus genau und gilt gegenüber Teheran als einflussreich.
Wie sich der Krieg in Nahost auf China auswirkt
Bislang konnte China laut Experten zwar auf seine üppigen Öl-Reserven bauen. «Als weltweit größter Ölimporteur führen höhere Ölpreise zu teureren Importen und könnten den Handelsüberschuss schmälern», sagte Song. Chinas März-Statistiken hätten bereits deutliche Auswirkungen auf die Inflation gezeigt, erklärte er.
Perspektivisch könnte der Krieg auch die Exporte und damit einen wichtigen Antreiber des chinesischen Konjunkturmotors bremsen. Der Iran-Krieg werde sich in erster Linie durch weltweit steigende Preise und eine mögliche Einschränkung der Gesamtnachfrage nach chinesischen Exporten außerhalb Chinas auswirken, sagte Alex Brown, Analyst am Berliner Institut für China-Forschung Merics.
Im März hatte Chinas Zoll ein deutlich verlangsamtes Exportwachstum von nur noch 2,5 Prozent verzeichnet. Dies lasse sich zum Teil mit Basiseffekten erklären, sagte Brown. Aber es könnte ihm zufolge auch ein erstes Anzeichen dafür sein, dass sich die Verbraucher weltweit aufgrund hoher Preise für Kraftstoff und andere Güter von chinesischen Exporten abwenden. Bei Elektronik oder grüner Technologie aus China dürfte die Nachfrage jedoch wegen Kostenvorteilen hoch bleiben.