Sollte die Abgeordnete ihr Mandat nicht zurückgeben, könnte ihr Ausschluss aus der Fraktion der nächste Schritt sein. Öffentlich befürworteten das zuletzt mehrere Linke-Politiker, etwa Gregor Gysi. Dafür ist eine Zwei-Drittel-Mehrheit in der 44 Abgeordnete zählenden Fraktion nötig. Nach einem fruchtlosen Gespräch mit Emde hatte die Fraktionsspitze am 27. Oktober erklärt, dass das weitere Vorgehen eng mit den Gremien der Partei abgestimmt werde.
Linke demonstrieren gegen Linke
Auch danach sorgte Emde für Schlagzeilen: Am Rande eines Parteitags, auf dem die Linke am vergangenen Samstag die Aufnahme von Koalitionsverhandlungen mit Grünen und SPD beschloss, protestierte Emde gemeinsam mit etwa 80 Menschen aus dem linken Lager gegen den Kurs ihrer eigenen Parteispitze. Sie warnte vor «Kriminalisierung» und «Dämonisierung» der Palästina-Solidarität sowie einer «Komplizenschaft mit Völkermördern».
Die Abgeordnete erklärte sich auf der Kundgebung ausdrücklich solidarisch mit einem umstrittenen propalästinensischen Aktivisten. Dieser engagiert sich laut dem Verein democ, der sich mit demokratiefeindlichen Bewegungen beschäftigt, für die Volksfront für die Befreiung Palästinas (PFLP), die in der EU und den USA als Terrororganisation eingestuft ist. Er war bereits unmittelbar nach der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus in die Schlagzeilen geraten, weil er eine Wahlparty der Neuköllner Linken besucht hatte. Dort ließ er sich mit Emde fotografieren.
Partei setzt Frist
Emde habe sich bis heute nicht von denen distanziert, die das Hamas-Massaker am 7. Oktober 2023 in Israel als legitimen Widerstand feiern, so Wolter und Schirmer. Sie habe mehrfach gegen die Mandatsträgervereinbarung verstoßen, in der sich alle Linke-Kandidaten für die Wahl auf Parteibeschlüsse und -programm verpflichteten.
«Vanessa Emde hat eine Woche Zeit, zu uns zurückzukehren», fügten Wolter und Schirmer hinzu. «Dazu soll sie ihren Instagram-Beitrag löschen, sich für ihren Auftritt am Rande des Parteitags entschuldigen und eine konstruktive Zusammenarbeit auf Grundlage unserer Beschlüsse zusagen.»
Dreier-Vereinbarung gegen Judenhass
Als Reaktion auf die Neuköllner Wahlparty und andere Vorfälle hatten Linke, Grüne und SPD noch vor Beginn ihrer Sondierungen eine Vereinbarung zum Kampf gegen Judenhass geschlossen. Sie soll im Fall einer Regierungsbildung in den Koalitionsvertrag aufgenommen werden. Spitzenkandidatin Eralp will die erste Regierende Bürgermeisterin in der Hauptstadt werden.
Bei der Abgeordnetenhaus-Wahl am 20. September war die Linke mit 25,7 Prozent stärkste Kraft geworden. Es folgten CDU (18,8 Prozent), AfD (16,3 Prozent), Grüne (14,3 Prozent) und SPD (12,1 Prozent). Die bisher regierende CDU/SPD-Koalition hat ihre Mehrheit verloren.