Seit 2023 verzichtet die Bahn auf Glyphosat – doch die Alternativen wirken nur unzureichend gegen Pflanzenwuchs im Gleis. Nun kündigt der Konzern einen Kurswechsel an.
Die Deutsche Bahn rückt von ihrem Verzicht auf Glyphosat ab und will den umstrittenen Unkrautvernichter von kommendem Frühjahr an wieder nutzen. «Um ihre Gleise, Weichen und Signale wirksam von Pflanzenbewuchs freizuhalten», setze man Glyphosat dann in begrenztem Umfang wieder ein, teilte eine Sprecherin der Bahntochter InfraGo auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur mit. «Die Wirksamkeit des alternativ eingesetzten Herbizids Pelargonsäure ist ungenügend.»
Die InfraGo habe Anträge zur Glyphosat-Nutzung beim Eisenbahn-Bundesamt gestellt. Dies erteile jährlich Ausnahmegenehmigungen für den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln auf den Gleisen. Zurzeit sei es rechtlich zulässig, Glyphosat auf etwa einem Drittel des Netzes einzusetzen. Umweltschützer kritisieren seit langem den Einsatz von Glyphosat in der Landwirtschaft und fordern ein Verbot des Mittels.
Die InfraGo-Sprecherin verwies darauf, dass auch die Bahnen in Nachbarländern wie der Schweiz, den Niederlanden oder Polen Glyphosat zur Vegetationskontrolle nutzten. Man sei gesetzlich dazu verpflichtet, einen sicheren Betrieb der Eisenbahninfrastruktur zu gewährleisten. Starker Bewuchs des Gleisbereichs könne unter anderem die Sicht auf die Signale beeinträchtigen sowie Rettungswege einschränken.
67 Tonnen Glyphosat im Jahr
Die Bahn hatte den Glyphosat-Einsatz 2023 eingestellt. Unkraut an Bahntrassen solle stattdessen mit Mähmaschinen und der umweltschonenden Pelargonsäure beseitigt werden, hieß es damals. Noch 2017 hatte die Bahn 67 Tonnen Glyphosat eingesetzt. 2019 kündigte sie an, den Einsatz deutlich zu reduzieren.
Glyphosat ist ein sogenanntes Totalherbizid, das nahezu alle grünen Pflanzen schädigt. Es wird seit Mitte der 1970er-Jahre vor allem unter dem Handelsnamen Roundup genutzt und ist heute in zahlreichen Pflanzenschutzmitteln verschiedener Hersteller enthalten.
WHO-Gremium: «Wahrscheinlich krebserregend» beim Menschen
Die Internationale Agentur für Krebsforschung, ein Gremium der Weltgesundheitsorganisation, stufte das Mittel 2015 als «wahrscheinlich krebserregend beim Menschen» ein. Das bedeutet, dass eine Krebsgefahr grundsätzlich möglich ist. In diese Kategorie fällt aber genauso rohes und verarbeitetes Fleisch.
Im Gegensatz dazu schrieb etwa die Europäische Chemikalienagentur 2022 erneut, dass die wissenschaftlichen Erkenntnisse nicht genügten, um Glyphosat als krebserregenden, genverändernden oder fortpflanzungsgefährdenden Stoff einzustufen. Auch kommen unter anderen die EU-Behörde für Lebensmittelsicherheit, das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung und die US-Umweltbehörde EPA zu einem solchen Schluss. Genauso weist Glyphosat-Hersteller Bayer den Verdacht zurück, dass der Unkrautvernichter krebserregend sei.