Bayerns Polizei hat Handschellen-Problem: Online-Shops verkaufen Schlüssel an jeden

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Schlüssel für die Handschellen der Bayerischen Polizei sind im Internet freiverkäuflich.
Handschellen vor Polizeiwagen - Symbolbild
David Inderlied/dpa

Schlüssel für die Handschellen der Bayerischen Polizei sind im Internet freiverkäuflich. Dadurch soll sich sogar schon ein Verdächtiger selbst befreit haben.

Die Bayerische Polizei nahm in Mittelfranken eine Person fest und legte ihr Handschellen an. Der Beschuldigte schaffte es, sich zu befreien und konnte flüchten - weil er offenbar einen Schlüssel für die Handschellen besaß. Wie konnte das passieren?

Ein Bericht des Bayerischen Rundfunks (BR) zeigte, dass Zivilisten ziemlich einfach an einen Generalschlüssel für die Polizei-Handschellen kommen. Die Schlüssel sind in verschiedenen Online-Shops frei verfügbar. Die Kosten liegen laut Recherche von inFranken.de zwischen 4 Euro und 13 Euro.

Generalschlüssel für Polizei-Handfesseln im Netz zum Verkauf

Nach Angaben des Bayerischen Innenministeriums wird das betroffene Handschellen-Modell seit 2009 genutzt und erfülle die geltenden technischen Anforderungen. Es habe sich "bisher bewährt", so ein Ministeriumssprecher im Gespräch mit dem BR. Dem Ministerium sei zudem bekannt, dass der zugehörige Generalschlüssel im Internet zum Verkauf angeboten wird. Der Hersteller sei über die Problematik informiert und hat eigenen Angaben zufolge eine Kanzlei beauftragt, gegen den freien Verkauf vorzugehen.

Zusätzlich soll es interne Maßnahmen für die Bayerische Polizei geben. Laut BR werden Beamte im Intranet ausdrücklich auf die potenzielle Gefährdung durch die freiverkäuflichen Schlüssel hingewiesen. Außerdem wird betont, dass immer eine sorgfältige Durchsuchung der festgenommenen Person erfolgen sollte, um Gegenstände zu finden, die eine Flucht oder Gefährdung ermöglichen könnten.

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) sieht in der freien Verfügbarkeit der Handschellen-Schlüssel ein großes Sicherheitsrisiko. Wenn sich gefesselte Personen selbst befreien könnten, werde der Zweck von Handfesseln unterlaufen, so der Landesvorsitzende der GdP in Bayern, Florian Leitner, zum BR. Für die Polizisten geht es dabei auch um die Eigensicherung: Handschellen können sie etwa vor aggressivem Verhalten schützen und die gefesselte Person wiederum vor Eigengefährdung. 

Gewerkschaft fordert neue Handschellen für Bayerns Polizisten

Auf lange Sicht fordert die GdP Handfesseln, die speziell für die Polizei gefertigt werden und individuelle Schlüssel haben. Diese sollten nicht frei verkäuflich sein. Voraussetzung dafür wäre allerdings, dass sich die Polizeien der Länder und die Bundespolizei untereinander abstimmen. Eine einheitliche Lösung ist bislang nicht in Sicht. Eine weitere Möglichkeit könnten Einweghandfesseln aus Kunststoff sein. Einige Spezialeinheiten der Bayerischen Polizei würden diese schon länger nutzen, erfuhr der BR aus Sicherheitskreisen. Probleme soll es mit den Plastik-Fesseln, die Kabelbindern ähneln, bisher noch nie gegeben haben.