Wenn Pflege das Zuhause verändert

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Zum Blutdruck messen luden die Sozialstation und die Tagespflege „Am Mühlbach“ ein.
Zum Blutdruck messen luden die Sozialstation und die Tagespflege „Am Mühlbach“ ein.
Erste Hilfe – wie geht das nochmal? Maksym Zolotar gab praktische Tipps.Corinna Tübel
Erste Hilfe – wie geht das nochmal? Maksym Zolotar gab praktische Tipps.Corinna Tübel
 

Das BRK informiert Angehörige über verschiedene Angebote und nimmt Berührungsängste

Pflege – lange scheint es ein Thema zu sein, das weit weg ist. In vielen Fällen ist es dann plötzlich da, wenn die eigenen Eltern, der Partner oder die Partnerin oder man selbst schwer erkrankt. Wenn Pflege eintritt, sind die meisten erst einmal mit der Situation überfordert. Das weiß Frank Gerstner von der Fachstelle für pflegende Angehörige und Leiter der Sozialen Dienste im BRK Kreisverband Lichtenfels. Wie organisiere ich nun den Pflegealltag? Welche Möglichkeiten bietet mir die Pflegekasse? Wer kann mir dabei helfen? Diese Fragen – und noch viele mehr – wurden am Mittwoch im Rahmen des Infoabends „Pflege zu Hause" beantwortet.

Erfahrung und Verständnis

In der BRK-Kreisgeschäftsstelle Lichtenfels präsentierte das BRK seine Angebote auf niederschwellige Weise. Die Fachstelle „Pflegende Angehörige “ und der Betreuungsverein informierten über Betreuung, über die Qualifizierung zur Betreuungs- und Entlastungskraft sowie über Verfügungen und betreutes Wohnen. Beim Hausnotruf konnten Interessierte sich über denselben, aber auch über den Mobilruf informieren. Echte Nähe entstand durch die vielen Mitarbeitenden, die nicht nur Wissen weitergaben, sondern auch ihre Erfahrung und Herzlichkeit einbrachten.

So „trauten“ sich einige Gäste auch, etwa beim Probetraining der Abteilung „Erste- Hilfe“ teilzunehmen. Maksym Zolotar, Ansprechpartner für die Erste-Hilfe-Kurse beim BRK Kreisverband Lichtenfels, informierte zudem über Besonderheiten bei Hochbetagten und lud zum Gespräch über konkrete, schwierige Alltagssituation ein: „Was würden Sie tun, wenn plötzlich jemand undeutlich spricht… oder bewusstlos wird?“ Er gab ihnen Tipps zum Bewerten der Situation und zu entsprechender Hilfeleistung.

Die Sozialstation und die Tagespflege „Am Mühlbach“ luden zum Blutzucker- und Blutdrucktest ein. Der Rettungsdienst und der Fahrdienst stellten ihre Fahrzeuge vor und informierten über ihre Leistungen. Markus Paul erklärte beispielsweise: „Es gibt im Behindertenfahrdienst einen Tragestuhl, mit dem wir Menschen die Treppe sicher heruntertragen können. Man muss nicht immer liegen.“ Die Neugier und das Interesse der Menschen waren groß, immer wieder wagten einige den Blick ins Innere der Fahrzeuge. „Vielleicht hilft es den Menschen zu sehen, wie es da aussieht, um Ängste ein wenig abzubauen“, so Paul.

Sorge und Unsicherheit

Oft sind es wohl Sorgen, Unsicherheiten, Vorbehalte, Zweifel oder Scham, die Menschen bremsen, im Pflegefall Unterstützung zu suchen – in welcher Form auch immer. Dabei sind es in Deutschland über vier Millionen Menschen, die zu Hause Pflege erfahren, erklärte Frank Gerstner, „Tendenz steigend.“ Meist seien es Angehörige , die die Pflege der Eltern oder des Partners übernehmen. Diese seien aber – anders als noch vor Jahrzehnten – meist selbst noch berufstätig oder mitten in der eigenen Kindererziehung. „Das alles unter einen Hut zu bekommen, kann sehr belastend sein, körperlich und psychisch.“ Oft schultere einer allein den Großteil der Pflege – und oft seien das die Frauen. Doch die Sorgen gehen noch weiter: Wer kümmert sich, wenn man selbst wegen Krankheit oder Ähnlichem ausfällt? Und was, wenn man irgendwann plötzlich alleine dasteht, weil man Beruf und Freundeskreis vernachlässigt hat?

Das tiefe Verständnis und Mitgefühl für pflegende Angehörige machte den Infoabend sehr persönlich. „Ich gebe zu, ich musste mich überwinden, hierherzukommen. Das Thema ist zwar für mich aktuell, überfordert mich aber irgendwie“, erzählt ein Gast, der lieber anonym bleiben möchte. „Aber es war gut. Ich habe das Gefühl, die Leute hier wissen, wovon sie reden, und ich habe einige Möglichkeiten mehr kennengelernt, wie ich mich um meine Mutter kümmern könnte. Und irgendwie tut es auch gut zu sehen, anderen geht es ähnlich.“

Andere Gäste waren zu zweit da, um bewusst Vorsorge für sich selbst und einander zu treffen, wie etwa Vera und Norbert Scholz aus Bad Staffelstein. Sie haben zwar vor einigen Jahren schon einmal einen ähnlichen Infoabend besucht, „aber dann nichts mehr gemacht.“ Heute soll das anders sein: „Wir wollen, dass alles geregelt ist und nicht plötzlich einer alleine mit all diesen Fragen dasteht.“ Durch die Gespräche mit den BRK-Mitarbeitern konnten sie offenen Fragen klären und Pläne fassen.

Vollmacht und Verfügung

Die Rede ist unter anderem von Verfügungen für Alter und Krankheit. Wie sichert man sich richtig ab? Zu diesem Thema haben Katharina Frembs vom BRK-Betreuungsverein und Frank Gerstner einen ansprechenden Vortrag gehalten. Darin ging es um gesundheitliche und rechtliche Fragen, Vorsorgevollmacht und Betreuungsverfügung sowie die Patientenverfügung . Immer wieder ergänzten praktische Beispiele und Fragen von Gästen ihre Ausführungen. Auf diese Weise schienen die Formulare rund um dieses schwierige Thema ein wenig von ihrem Schrecken zu verlieren.

Dennoch überschattete ein Thema zumindest die Gemüter der BRK-Mitarbeitenden: die geplante Pflegereform ab 2027. Sie soll nach aktuellem Stand einen Wegfall des bisherigen Entlastungsbetrags für Menschen mit Pflegegrad 1 beinhalten. Dieser sei oft für die Finanzierung bestimmter Unterstützungsangebote wie beispielsweise Alltagshilfen oder anerkannte Nachbarschaftshilfe verwendet worden, erklärte Frank Gerstner. Und diese Hilfen seien für viele Menschen der erste, niederschwellige Einstieg in fremde Unterstützung gewesen.

Auch das Team des Pflegeheims „Am Weidengarten“ war vor Ort und klärte darüber auf, was nach der Pflege zu Hause kommen und wie ein Pflegeplatz finanziert werden kann. Sie und der gesamte Infoabend zeigten an diesem Tag auf: Pflege muss niemand allein bewältigen. Mit Informationen, persönlichen Gesprächen und konkreten Unterstützungsangeboten macht das BRK Lichtenfels Mut, sich frühzeitig Hilfe zu holen und Vorsorge zu treffen.