Bei einer Kollision zwischen zwei Hochgeschwindigkeitszügen in Spanien sind mindestens 64 Menschen ums Leben gekommen. Ein Überlebender schilderte die dramatischen Momente des Unglücks.
Bei einem Zusammenstoß zweier Hochgeschwindigkeitszüge südlich von Madrid sind nach Angaben einer Sprecherin der spanischen Regionalregierung von Kastilien-La Mancha mindestens 64 Menschen ums Leben gekommen.
Die Züge stießen am Morgen nahe Urda in der Provinz Toledo rund 130 Kilometer südlich von Madrid zusammen. Es gebe auch Dutzende Verletzte, sagte Esther Padilla, Sprecherin der Regionalregierung von Kastilien-La Mancha, im spanischen Fernsehen. Zur genauen Zahl der Verletzten gab es zunächst keine Angaben.
Hochgeschwindigkeitszüge in Spanien stoßen zusammen – Zahl der Todesopfer könnte noch steigen
Zwei Waggons eines Zuges des privaten Bahnunternehmens Iryo entgleisten nach dem Zusammenstoß und stürzten nach Angaben des Fernsehsenders RTVE einen Bahndamm hinunter. Nach Angaben Padillas waren im Iryo-Zug 146 Passagiere und ein Baby an Bord. Im Zug der staatlichen Bahngesellschaft Renfe befanden sich demnach 397 Menschen.
Warum es zu dem Unglück kam, war zunächst unklar. Der Iryo-Zug war offenbar aus bislang unbekannten Gründen zum Stehen gekommen. Der nachfolgende Renfe-Zug sei kurz vor neun Uhr auf ihn aufgefahren, hieß es aus Kreisen des spanischen Bahnnetzbetreibers Adif. Beide Züge waren in Richtung Süden nach Andalusien unterwegs. Nach ersten Ermittlungen könnte menschliches Versagen die Ursache sein, berichtete die Zeitung El País.
Der Bahnverkehr zwischen Madrid und Andalusien wurde in beide Richtungen unterbrochen. Am Unglücksort waren Feuerwehrleute aus den nahe gelegenen Orten Alcázar de San Juan und Orgaz sowie Zivilschutzkräfte aus mehreren umliegenden Gemeinden im Einsatz. Zudem wurden drei Rettungshubschrauber und zwei mobile Intensivstationen zur Versorgung der Verletzten eingesetzt. Das Innenministerium in Madrid ordnete außerdem den Einsatz der Militärischen Nothilfeeinheit UME an.
Verheerendes Zugunglück in Spanien: "Menschen flogen durch die Luft"
Ein Überlebender schilderte El País die dramatischen Momente des Unglücks. Jesús Jerónimo saß in einem Waggon des Renfe-Zuges auf dem Weg nach Sevilla und arbeitete an seinem Laptop. "Ich spürte plötzlich eine heftige Beschleunigung und wurde mit voller Wucht gegen den Vordersitz geschleudert. Menschen flogen durch die Luft", sagte der 54-Jährige.
Zunächst hätten die Passagiere gedacht, ihr Zug sei entgleist. Als sie nach und nach ausgestiegen seien, hätten sie gesehen, dass der Zug schräg stand. Es habe viele Verletzte und aufgeregte Menschen gegeben. Jerónimo half anschließend den Rettungskräften, unter anderem indem er Infusionen hielt. Die Feuerwehr konzentrierte ihre Arbeit nach seinen Angaben auf den stärker beschädigten Zug.
Ministerpräsident Pedro Sánchez zeigte sich auf X "bestürzt über das schwere Zugunglück in Toledo" und sprach den Betroffenen und ihren Angehörigen sein Mitgefühl aus.
Erst im Januar hatte es 46 Tote bei einem Bahnunglück gegeben
Die Erschütterung über das Unglück reichte auch bis nach Deutschland. "Das Zugunglück in Spanien macht mich fassungslos. Es trifft die Eisenbahnfamilie mitten ins Herz", erklärte die Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bahn, Evelyn Palla. Sie sprach den Opfern und ihren Angehörigen ihr tiefes Mitgefühl aus und wünschte den Verletzten eine schnelle Genesung.
Auch EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen zeigte sich bestürzt. "Ich habe gerade die erschütternde Nachricht von dem Zusammenstoß zweier Hochgeschwindigkeitszüge in Toledo erhalten", schrieb sie. Ihr Mitgefühl gelte den Familien und Angehörigen der Opfer. "Europa trauert heute mit euch."
Das Unglück weckt Erinnerungen an die schwere Zugkatastrophe vom Januar bei Adamuz in Andalusien. Damals entgleiste ein Iryo-Hochgeschwindigkeitszug und stieß mit einem entgegenkommenden Zug von Renfe zusammen. Bei dem Unglück kamen 46 Menschen ums Leben, mehr als 150 wurden verletzt.