Wie steht Israel generell zu der Abmachung?
Israel war an den Verhandlungen nicht beteiligt, unterstützt Trumps Entscheidung, die Angriffe auf den Iran für zwei Wochen einzustellen, nach Angaben von Netanjahu aber. Voraussetzung sei, dass der Iran die Straße von Hormus öffnet und seine Angriffe ebenfalls aussetzt. Israel pocht demnach zudem weiterhin darauf, dass der Iran mit seinem Atom- und Raketenprogramm keine Bedrohung mehr für die USA, Israel und die arabischen Nachbarn Teherans darstellen darf.
Was steht in dem Zehn-Punkte-Plan?
Offiziell haben bisher weder die Islamische Republik noch die USA den Inhalt des vom Iran vorgelegten Dokuments öffentlich gemacht. Nachrichtenagenturen, die den mächtigen Revolutionsgarden nahestehen, berichten jedoch über Details.
Laut Tasnim beinhaltet das Papier die Forderung nach einer dauerhaften Einstellung von Aggressionen. Der Iran soll die Kontrolle über die Straße von Hormus behalten und Uran anreichern dürfen. Auch die Aufhebung der harten internationalen Sanktionen und Strafmaßnahmen des UN-Sicherheitsrats wird gefordert. Ebenso will Teheran Resolutionen des Gouverneursrats der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA aufgehoben sehen, wie es heißt. Weiter werden Kriegsentschädigungen und ein Abzug der US-Streitkräfte aus der Region gefordert.
Die Informationen der Nachrichtenagentur Fars decken sich weitgehend mit dem Tasnim-Bericht. Hier heißt es jedoch auch, dass sich der Iran gemäß dem Plan verpflichten werde, niemals Atomwaffen herzustellen. Die Urananreicherung soll nach Verhandlungen eingeschränkt werden. Teheran stimme außerdem zu, mit anderen Ländern in der Region über Friedensabkommen zu sprechen.
Im Widerspruch zu den iranischen Berichten kündigte US-Präsident Trump hingegen einen vollständigen Stopp der Urananreicherung im Iran an. Die USA wollten demnach gemeinsam mit Teheran nukleare Rückstände beseitigen.
Wer hat sich durchgesetzt? Die USA oder der Iran?
Zwar verkauft Trump die vorläufige Einigung als großen Erfolg für die Vereinigten Staaten. Der Iran dürfte nach mehr als einem Monat Krieg militärisch geschwächt sein. Von einem wirklichen Sieg der USA könne aber zunächst - auch mit Blick auf die bisher zutage getretenen Details aus dem Zehn-Punkte-Plan - keine Rede sein, so das internationale Echo.
«Das, was jetzt erreicht worden ist, sieht eher nach einer strategischen Niederlage der Vereinigten Staaten von Amerika aus», sagte der Sicherheitsexperte Carlo Masala im Deutschlandfunk. In dem Zehn-Punkte-Plan «ist ja wenig iranisches Entgegenkommen gegenüber den amerikanischen Forderungen von Beginn an drin».
Der Iran sieht sich selbst unterdessen als Sieger und nahezu alle seine Kriegsziele als erreicht an.
Wie geht es jetzt weiter?
Nach Angaben des Weißen Hauses sollen am Samstag direkte Verhandlungen mit dem Iran in der pakistanischen Hauptstadt Islamabad stattfinden. US-Präsident Trump entsende dafür eine Delegation um Vizepräsident JD Vance, den Sondergesandten Steve Witkoff sowie Jared Kushner, sagte Regierungssprecherin Karoline Leavitt in Washington. Erste Gespräche sollen demnach am Samstagmorgen (Ortszeit) stattfinden.
Pakistans Premierminister Shehbaz Sharif hatte Delegationen der USA und des Irans für Gespräche eingeladen, um über ein endgültiges Abkommen zu beraten. Pakistanischen Quellen zufolge könnten auch Vertreter aus Saudi-Arabien, der Türkei und Ägypten an den Gesprächen teilnehmen.
Regierungschefs aus Europa wollen sich ebenfalls diplomatisch einbringen. Der britische Premier Starmer etwa wollte am Mittwoch in die Golfregion reisen, um mit den Verbündeten in der Region über diplomatische Bemühungen zur Aufrechterhaltung der Waffenruhe zu sprechen. Dabei soll es auch um Maßnahmen zur Wiederherstellung der freien Schifffahrt in der Straße von Hormus gehen.
Wie steht es um die Straße von Hormus?
Der Iran hält derweil weiterhin an einer Kontrolle des Schiffsverkehrs durch die Meerenge fest. Laut einer Erklärung von Irans Außenminister Abbas Araghtschi unterliegt der Verkehr nach wie vor «technischen Beschränkungen und der Abstimmung mit den iranischen Streitkräften». Nach Angaben von Fars passierten nur zwei Öltanker die Straße von Hormus, bevor der Schiffsverkehr aus Protest wieder eingestellt wurde.
Laut Trump könnte die Schifffahrt durch die Straße von Hormus gemeinsam von den USA und dem Iran abgesichert werden. Es gebe die Überlegung, es als Gemeinschaftsprojekt umzusetzen, sagte er dem Sender ABC News zufolge. «Das ist eine Möglichkeit, sie abzusichern – auch vor anderen Leuten», sagte er, ohne weiter ins Detail zu gehen.