Die grönländische Politikerin Aaja Chemnitz, die für ihr Land im dänischen Parlament sitzt, glaubt in Bezug auf die jüngsten Aussagen von Trump und Rutte an einen «Bluff». «Wir können gerne über Verteidigung und die gemeinsame Aufgabe der Nato in der Arktis diskutieren – aber ohne Grönland über Mineralien und ohne Grönland und Dänemark über die Zugehörigkeit Grönlands zu sprechen, das macht keinen Sinn», sagte Chemnitz dem dänischen Rundfunk.
Was sagt Dänemark?
Das Hauptproblem am Trump-Rutte-Deal ist, dass weder Grönland noch Dänemark mit am Tisch saßen. Die dänische Regierungschefin Mette Frederiksen betonte prompt, dass der Nato-Chef kein Verhandlungsmandat habe. Ihr Land sei nach wie vor nicht bereit, Souveränität abzugeben.
«Unsere roten Linien sind dieselben, die sie schon immer waren und auch weiterhin bleiben werden», sagte Fredriksen dem dänischen Rundfunk. «Die Zukunft Grönlands muss von Grönland selbst definiert werden. Und Grönland ist ein Teil von Dänemark.» Das klingt in etwa so, wie das, was die europäischen Verbündeten stets über den Ukraine-Konflikt sagen: Es dürfe nicht über die Köpfe der Ukrainer hinweg entschieden werden.
Wie geht es weiter?
Es dürften schwierige Verhandlungen bevorstehen. Die Äußerungen aus Dänemark zeigen, dass nicht alle Teile des auf dem Tisch liegenden Kompromissvorschlags in Dänemark gut ankommen. Und es ist vollkommen unklar was passiert, wenn Trump nicht das bekommt, was ihm jetzt in Aussicht gestellt wurde.
Von der Nato heißt es: «Die Verhandlungen zwischen Dänemark, Grönland und den Vereinigten Staaten werden fortgesetzt – mit dem Ziel sicherzustellen, dass Russland und China in Grönland niemals Fuß fassen, weder wirtschaftlich noch militärisch.» Die Gespräche im Bündnis würden sich nun darauf konzentrieren, die Sicherheit in der Arktis durch das gemeinsame Handeln der Alliierten zu gewährleisten, insbesondere der sieben arktischen Alliierten USA, Kanada, Dänemark, Norwegen, Schweden, Finnland und Island.
Wie werden die jüngsten Entwicklungen in Brüssel und Berlin bewertet?
Zunächst einmal ist man erleichtert, dass das Szenario eines Handelskriegs um Grönland vorerst vom Tisch ist. Gleichzeitig ist aber deutlicher als zuvor geworden, dass die USA unter Präsident Trump nicht mehr der Partner sind, der sie viele Jahrzehnte lang waren. Das wird heute auch beim EU-Sondergipfel in Brüssel Thema sein, der trotz der Entschärfung des Grönland-Konflikts stattfindet.
Der Vorsitzende der SPD-Europaabgeordneten, René Repasi, sagte am Donnerstag: «Auf Trump ist kein Verlass – deshalb muss Europa jetzt stärker werden.» Gefragt sei deswegen gemeinsames Handeln. Eine Rückkehr in die gute alte Welt mit der freundlichen Führungsmacht USA gebe es nicht mehr.
So ähnlich war der Tenor der Rede von Kanzler Merz in Davos. Die Welt sei kein «kuscheliger Ort» mehr, sagte er. «Die neue Welt der großen Mächte ist auf Macht, Stärke und - wenn nötig - auch Gewalt ("force") gegründet.» Um sich in diesem neuen Zeitalter zu behaupten, müssten die Europäer ihre Zusammenarbeit, Verteidigungsfähigkeit und wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit stärken.