Wie könnte eine kurdische Offensive im Iran ablaufen?
An der rund 1.500 Kilometer langen Grenze zum Iran sind schon jetzt Tausende kurdische Kämpfer stationiert. Diese könnten mit Hilfe von US- und israelischen Luftangriffen in den Iran vordringen. Trump habe den Kurdenführern «umfangreichen Schutz der USA aus der Luft» zugesagt, berichtete die «Washington Post» unter Berufung auf eingeweihte Personen. Israels Luftwaffe bombardierte bereits Militär-, Grenz- und Polizeiposten im westlichen Iran, was bei einem Vormarsch den Weg ebnen könnte.
Das Problem sei aber, dass die kurdisch-iranischen Gruppen «militärisch nicht stark genug sind und zum Kanonenfutter werden könnten», sagt ein US-Regierungsvertreter gegenüber der Website «Axios». Selbst bei parallelen Luftangriffen Israels und der USA und mit deren Geheimdienstinformationen ist völlig offen, wie schnell und wie weit kurdisch Kämpfer im Gebirge des westlichen Irans vordringen könnten. So ein Kampf könnte sich Wochen oder eher Monate hinziehen - Ausgang ungewiss. Zudem verfügt der Iran über Hunderttausende Sicherheitskräfte, die bislang loyal zur Führung in Teheran stehen.
Wie könnte der Iran auf solch eine Invasion im Westen reagieren?
Irans Streitkräfte bereiten sich seit Jahrzehnten auf genau ein solches Szenario vor. Die militärische Doktrin des Landes wurde maßgeblich durch den Iran-Irak-Krieg (1980-1988) geprägt, einen verlustreichen Abnutzungskrieg, der bis heute das strategische Denken in Teheran bestimmt. Statt auf klassische Gefechte an der Front setzt Iran auch auf eine asymmetrische Verteidigung: Guerillataktiken, dezentrale Kommandostrukturen und die Mobilisierung paramilitärischer Kräfte sollen einen Angreifer in einen langwierigen und verlustreichen Krieg zwingen.
Der Iran ist mehr als viermal so groß wie Deutschland. In dem Land mit rund 90 Millionen Einwohnern leben zahlreiche ethnische Minderheiten, darunter Kurden, Belutschen und turksprachige Aseris. Viele von ihnen wohnen in den Grenzprovinzen. Spannungen und separatistische Bewegungen sind für die Führung in Teheran daher kein neues Phänomen. Seit der islamischen Revolution von 1979 regiert der Staat zentralisiert und stützt sich auf einen massiven Sicherheitsapparat, der besonders in den Randregionen hart gegen Protest und bewaffneten Widerstand vorgeht.
Welche Folgen einer Bodenoffensive wären denkbar?
Viele Iraner sorgen sich angesichts der Nachrichten über eine mögliche Bodenoffensive vor einer Zersplitterung des Landes und einem Bürgerkrieg, schreibt der amerikanisch-iranische Historiker Arash Azizi in einem Artikel für die US-Zeitschrift «The Atlantic».
Eine Bodenoffensive mit Hilfe ethnischer Milizen könnte außerdem eine Gegenreaktion auslösen. Viele Iraner, darunter auch Gegner der autoritären Führung, könnten die territoriale Einheit des Landes über politische Differenzen stellen und sich gegen Separatisten zusammenschließen. Zugleich warnen Beobachter vor möglichen ethnischen Konflikten innerhalb der Grenzregionen selbst, etwa zwischen Kurden und anderen Gruppen.
«Eine bewaffnete ethnische Aufstandsbewegung im Iran zu fördern, wäre die Mutter aller strategischen, moralischen und politischen Fehler», sagte der Analyst Behnam Ben Taleblu in dem Artikel. «Das würde mit nahezu absoluter Sicherheit in einem gescheiterten Staat enden.»
Zugleich könnte der Iran den Irak angreifen, um einen kurdischen Vormarsch abzuwehren. Damit würde im Nachbarland eine neue Eskalation drohen, wenn Iran-treue Milizen versuchen würden, eine kurdische Offensive gegen Teheran zu stoppen. Zudem könnte auch die Türkei, die schon lange Gruppen mit Verbindungen zur verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK bekämpft, ähnlich wie in Syrien eine eigene Offensive starten oder versuchen, im Iran eine Pufferzone einzurichten.
Könnten die USA oder Israel Bodentruppen in den Iran schicken?
Nach offizieller Darstellung der US-Regierung sieht es derzeit nicht danach aus. Bodentruppen seien «derzeit nicht Teil des Plans», sagte Regierungssprecherin Karoline Leavitt. Trump und Verteidigungsminister Pete Hegseth schließen den Einsatz von Bodentruppen aber auch nicht aus, obwohl die amerikanische Öffentlichkeit auf das Thema besonders sensibel reagiert nach den langen und verlustreichen Kriegen im Irak und in Afghanistan.
Als äußerst unwahrscheinlich gilt, dass Israels Armee in großem Umfang Bodentruppen in das Gebiet des rund 2.000 Kilometer entfernten Erzfeinds Iran schicken würde. Ein solcher Einsatz wäre für das kleine Land Israel mit zu vielen Risiken verbunden. Denkbar wären höchstens punktuelle Einsätze von Elitetruppen für spezielle Aufgaben. So waren nach Armeeangaben während des zwölftägigen Krieges mit dem Iran im vergangenen Juni etwa auch israelische Kommandotruppen am Boden im Einsatz.