Wie arbeitet der «Friedensrat»?
Wie genau das funktionieren soll, ist weitgehend unklar? Man weiß noch nicht, wie das neue Gremium arbeiten soll. Insgesamt 60 Staaten sollen Einladungen erhalten haben. Wer länger als drei Jahre dabei sein will, muss eine Milliarde US-Dollar für den Etat des «Friedensrats» bereitstellen.
Eingeladen ist auch der russische Präsident Wladimir Putin. Der Kremlchef signalisierte Interesse, betonte aber, die Gebühr müsse aus eingefrorenem russischen Vermögen kommen. Eine russische Mitgliedschaft ist für andere Staaten aber ein Tabu: So sagte die britische Außenministerin Yvette Cooper, dass Großbritannien nicht an der Unterzeichnungszeremonie teilnehmen werde, weil man Bedenken habe, dass Putin - der die Ukraine seit knapp vier Jahren mit einem zerstörerischen Angriffskrieg überzieht - «an einer Veranstaltung über Frieden teilnehme».
Die EU zögert
Eine absolute und unmissverständliche Ablehnung trauen sich in Europa die wenigsten - zu groß ist wohl die Sorge vor dem Zorn Trumps. Frankreich beabsichtige zum jetzigen Zeitpunkt nicht, das Angebot anzunehmen, hieß es etwa aus dem Élysée-Palast. Frankreich kassierte dafür direkt eine Drohung des US-Präsidenten, Zölle von 200 Prozent auf Wein und Champagner einzuführen. Norwegen formulierte vorsichtig, man könne dem aktuellen Konzept nicht zustimmen.
Der deutsche Außenminister Johann Wadephul (CDU) warnte unmittelbar nach Trumps großer Zeremonie in Davos: «In einer Zeit geopolitischer Krisen kann die Antwort nicht sein, sich aus der internationalen Ordnung zurückzuziehen und ihre zentralen Organe ersetzen zu wollen.»
Kern der Kritik: Einige Formulierungen können als Alternative zur gültigen UN-Charta gelesen werden. So heißt es im ersten Kapitel der «Charta» des neuen Gremiums: «Der Friedensrat ist eine internationale Organisation, die sich für Stabilität, die Wiederherstellung verlässlicher und rechtmäßiger Regierungsführung sowie die Sicherung dauerhaften Friedens in von Konflikten betroffenen oder bedrohten Gebieten einsetzt.»
Die Präsidentin der UN-Vollversammlung, Annalena Baerbock, hat sich bereits sehr skeptisch über das neu geschaffene Gremium geäußert. Es gebe mit den Vereinten Nationen bereits eine internationale Organisation, deren zentrale Aufgabe und Ziel es sei, den Weltfrieden und die internationale Sicherheit zu wahren, sagte sie der Deutschen Presse-Agentur. Und dort hätten aus gutem Grund alle Staaten der Welt unabhängig von ihrer Größe, ihrer wirtschaftlichen oder militärischen Stärke Sitz und Stimme.
Weiteres Problem: eine absolute Machtkonzentration auf Trump. Der US-Präsident soll dem «Friedensrat» vorstehen. Das Mandat ist nicht an seine Präsidentschaft geknüpft, gilt damit - wenn er möchte - auf Lebenszeit.
Die Besonderheit des «Friedensrats»
Ursprünglich war der Rat von den USA - zumindest offiziell - auf die Umsetzung des Gaza-Friedensplans zugeschnitten und sollte die Nachkriegsordnung in dem weitgehend zerstörten Küstengebiet am Mittelmeer überwachen. Ein entsprechendes Mandat unterzeichnete Trump in Davos.
Doch längst ist die Rede davon, dass sich der «Friedensrat» noch vieler anderer Konflikte annehmen und Ordnung im Sinne des US-Präsidenten schaffen könnte. Und Mitglied kann nur werden, wer von Trump als Vorsitzendem eingeladen wird.
- Weltwirtschaftsforum Jahrestreffen