Bei den Gesprächen wurden unter anderem Sicherheitsgarantien für die Ukraine, territoriale Fragen, Sanktionen sowie die europäische Sicherheit nach einem Kriegsende diskutiert, wie Støre sagte. Ziel war laut der norwegischen Regierung, «die diplomatischen Bemühungen wieder in konstruktivere Bahnen zu lenken».
«Wir sind bereit für Verhandlungen», betonte Selenskyj nach dem Treffen. «Wir verlieren den Krieg nicht, aber wir verlieren Menschenleben. Und weil Russland angreift, verlieren wir Menschenleben und Zeit.»
Ukraine vermisst US-Hilfe, Trump Gegenleistungen
Trumps Vorstellung, er könne den Ukraine-Krieg rasch - gar binnen 24 Stunden, wie er sich mehrfach brüstete - beenden, hat sich nach seinem Amtsantritt nicht bewahrheitet. Unter ihm sehen sich die USA nicht mehr als Verbündeten Kiews, sondern eher als Vermittler, der vor allem eigene Interessen im Blick hat. Trump hebt auch immer wieder den angeblichen Friedenswillen Putins hervor, während er den Widerstand der Ukraine gegen einen übermächtigen Gegner abtut und ihr erhebliche Mitschuld an dem jahrelangen Krieg gibt. Außerdem wirft er der Ukraine fehlende Gegenleistungen für die Hilfe der USA vor, womit er sein transaktionales Verständnis von Außen- und Friedenspolitik zeigt.
In den vergangenen Tagen traf Trump äußerst umstrittene Vereinbarungen mit Moskau, bei denen es unter anderem um Sanktionsstopps und russische Diesel-Exporte geht, von denen er sich Aufwind vor den wichtigen US-Parlamentswahlen in zwei Wochen erhofft. Zugleich stocken wichtige militärische Hilfsleistungen für die Ukraine. In Kiew wurden zuletzt fehlende Warnungen der USA vor dem Start ballistischer Raketen und Probleme beim US-Satelliteninternet Starlink beklagt, die den ukrainischen Streitkräften die Abwehr russischer Angriffe erschwere.
Wer ließ Starlink drosseln?
In Sachen Starlink gibt es unterschiedliche Darstellungen dazu, wer für die Drosselung des Internetdienstes verantwortlich ist. Das Weiße Haus und Elon Musk, Besitzer der Betreiberfirma SpaceX, wiesen Vorwürfe einer gezielten Funktionseinschränkung zurück. Musk verwies zudem darauf, dass der Präsident und das Militär der USA über die Begrenzung des militärischen Starlink-Ablegers Starshield zu entscheiden hätten.
US-Medien berichten nun unter Berufung auf angebliche Insider, dass Musk selbst die Drosselung angeordnet habe. Vor der Entscheidung führte er dem Sender CBS News zufolge Gespräche mit Regierungsvertretern, um abzuklären, wo Trump in dieser Sache steht. Laut dem «Wall Street Journal» telefonierten Musk und Trump nach der Drosselung dann auch direkt miteinander.
Seit rund einer Woche wird aus der Ukraine über Probleme beim Einsatz des Satelliteninternets berichtet. Die ukrainische Armee kommuniziert in großen Teilen über Starlink und steuert darüber Drohnen, die russische Kampfdrohnen abfangen oder Militärziele in den besetzten Gebieten angreifen. Derzeit hält die ukrainische Armee den Vormarsch der Russen in Schach, doch ein Verlust der Kommunikation kann die Lage an der Front rasch verändern - und Europa ist mangels gleichwertiger Ersatztechnik nicht in der Lage einzuspringen.