Eigentlich will die Ukraine weiter über ein Ende des russischen Angriffskrieges verhandeln. Aber Präsident Selenskyj räumt nun ein, dass die aktuelle Lage das nicht erlaubt.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj geht wegen der Lage im Nahen Osten von einer Pause in den Friedensgesprächen mit Russland unter US-Vermittlung aus. «Aufgrund der Situation mit dem Iran sind die notwendigen Signale für ein trilaterales Treffen bislang noch nicht gekommen», sagte Selenskyj in seiner in Kiew verbreiteten abendlichen Videobotschaft.
Er hatte mit neuen Verhandlungen zwischen Ukrainern und Russen Anfang März gerechnet. Nun sagte er, dass die «trilaterale diplomatische Arbeit» wieder aufgenommen werden solle, sobald «die Sicherheitslage und der allgemeine politische Kontext es uns erlauben». «Die Ukraine ist dazu bereit», sagte er.
Auch der Kreml hatte mitgeteilt, trotz der «Enttäuschung» über den US-Angriff auf den mit Russland befreundeten Iran weiter auf die Vermittlung Washingtons im Ukraine-Krieg zu setzen. Zuletzt hatte es mehrfach Gespräche gegeben – erst in Abu Dhabi, dann in Genf.
Selenskyj sagte, dass er mit seinem Chefunterhändler Rustem Umjerow gesprochen habe, der «praktisch täglich mit den Vereinigten Staaten in Kontakt» stehe. Die USA hatten am Samstag gemeinsam mit Israel den Iran angegriffen. Danach begann auch Teheran mit Gegenschlägen, die mehrere Staaten in der Golfregion trafen.
Selenskyj: Ukrainische Hilfe gegen Irans Drohnen gefragt
Selenskyj hatte zuletzt angesichts der vielen Angriffe mit iranischen Drohnen Staatschefs in den betroffenen Ländern der Golfregion die Hilfe von ukrainischen Experten bei der Abwehr der Flugobjekte angeboten. Nun sagte er: «Unsere Partner wenden sich an uns, an die Ukraine, um Hilfe beim Schutz vor Shaheds zu erhalten – um Fachwissen und praktische Unterstützung.» Auch von US-Seite seien Anfragen eingegangen. Details nannte er nicht. «Weitere Gespräche mit anderen regionalen Staatschefs sind geplant», sagte er. Drohnen vom Typ Shahed werden hauptsächlich im Iran produziert.
Zugleich betonte Selenskyj, dass es die Hilfe nur geben könnte, wenn darunter nicht die Verteidigung der Ukraine gegen den russischen Angriffskrieg leide. «Wir helfen denen, die uns – der Ukraine – helfen, den Krieg zu einem würdigen Ende zu bringen, sich vor dem Krieg zu schützen», sagte er. Er hatte die arabischen Staaten aufgerufen, ihre Beziehungen zum russischen Präsidenten Wladimir Putin zu nutzen, um auf eine Beendigung des Krieges zu drängen.
Die Ukraine wehrt sich seit mehr als vier Jahren gegen den russischen Angriffskrieg.