Die «New York Times» berichtete unter Berufung auf Regierungsbeamte, Trump habe bei dem nun geschlossenen Abkommen Kompromisse machen müssen. So habe er Bedingungen zugestimmt, die internationale Inspektoren daran hindern könnten, Zugang zu bestimmten Standorten zu bekommen.
Angebote auch aus China und Russland
Saudi-Arabien führt auch mit China und Russland Gespräche über die Nutzung von Atomkraft. An der Ostküste des Landes nahe Katar ist der Bau eines ersten großen Kernkraftwerks geplant, für den neben Firmen aus Südkorea und Frankreich auch Bieter aus China und Russland Vorschläge machten. Die Trump-Regierung dürfte darauf hoffen, deren Einfluss durch das Abkommen mit Riad zurückzudrängen. Wright führte bei einer Reise nach Saudi-Arabien schon vergangenes Jahr Gespräche über einen solchen Deal, der auch beim Treffen des Kronprinzen mit Trump im November in Washington Thema war.
Rüsten nun auch die Emirate und die Türkei auf?
Der saudi-arabische Kronprinz hatte 2023 in einem Interview gesagt, sein Land würde sich nur dann nach Atomwaffen verschaffen, sollte dies aus «Sicherheitsgründen und für das Machtgleichgewicht im Nahen Osten» nötig erscheinen. «Aber wir wollen nicht, dass es dazu kommt», bekundete er damals.
Experten fürchten, dass der Schritt auch andere Staaten in der Region ermutigen könnte, nuklear aufzurüsten - etwa die Vereinigten Arabischen Emirate, die Türkei oder Ägypten. «Die Vorstellung, dass dies ein Happy End haben wird, ist wahnhaft», sagte Henry Sokolski, Direktor des Nonproliferation Policy Education Center in den USA, dem «Wall Street Journal».
Saudi-Arabien hat bereits die Sicherheitsbeziehungen zur Atommacht Pakistan verstärkt. Beide Länder unterzeichneten nach Israels Angriff auf Hamas-Vertreter in Katar vergangenes Jahr ein Abkommen, das Saudi-Arabien auch Zugang zum pakistanischen Programm gewähren soll.
«Selbst verschuldetes Eigentor»
Israel hofft seit Jahren auf normalisierte Beziehungen zur Regionalmacht Saudi-Arabien. Unter Trumps Vorgänger Joe Biden gab es konkrete Gespräche darüber - im Gegenzug für US-Hilfen beim saudi-arabischen Atomprogramm und einem neuen Sicherheitsabkommen. Die Verhandlungen wurden nach Beginn des Gaza-Kriegs Ende 2023 ausgesetzt, der Kronprinz zeigte aber weiter Interesse daran. Inzwischen habe Trump die Pläne für nukleare Zusammenarbeit von jeglichen Forderungen getrennt, dass Saudi-Arabien Israel anerkennen müsse, berichtete die «New York Times».
Der Deal sei ein «selbst verschuldetes Eigentor», schrieb Aaron David Miller, einst Berater im US-Außenministerium, bereits vor der offiziellen Verkündigung. Er sprach von einem «Verstoß gegen US-Politik zur Nichtverbreitung» und einem gefährlichen Zugeständnis an Riad. Das Letzte, was es nun brauche, sei «noch ein Staat, der seinen eigenen nuklearen Brennstoffkreislauf kontrolliert».
Nahost-Expertin Rosemary Kelanic sprach von einer aus vielerlei Gründen «schrecklichen Idee», die «mitten in einem Krieg über Irans Atomprogramm besonders schwachsinnig» sei. Der frühere US-Justizbeamte Michael Horowitz wies darauf hin, dass die Sicherheitsgarantien mit Blick auf das mögliche Streben nach Atomwaffen «rein bilateral» seien - und damit «komplett abhängig» vom Verlauf der Beziehungen zwischen Washington und Riad.