Die Luftverteidigung werde aufwachsen. Aktuell habe die Bundeswehr ein Flugabwehrraketengeschwader, während es im Kalten Krieg sechs gewesen seien. Diese seien damals aber sehr statisch an der innerdeutschen Grenze – damals Ostflanke der Nato – positioniert gewesen.
Der Luftkrieg habe sich verändert. «Wir müssen dynamischer vorgehen, wir dürfen nicht mehr so stationär denken wie früher», sagte er. Die Anzahl der Systeme werde wieder erhöht, zugleich werde die Art und Weise des Einsatzes geändert.
«Ich werde oft gefragt, kann Deutschland sich verteidigen? Die Frage stellt sich aus meiner Sicht nicht. Wir sind Teil der Nato und damit Teil eines Verteidigungsbündnisses von 32 Mitgliedern», so Neumann. «Im Verbund ist und bleibt die Nato sehr stark.»
Ozelot geht zurück an neue Heeresflugabwehr
Zudem kam das Flugabwehrsystem Ozelot auf der griechischen Insel zum Einsatz. Es wird nun von der Luftwaffe zurück an das Heer übergeben.
Träger ist das Kettenfahrzeug Wiesel, eine Art Kleinpanzer, bestückt mit vier Starteinheiten für infrarotgelenkte Flugabwehrraketen vom Typ Stinger. Dieses sogenannte Nahbereichsverteidigungssystem soll den Schutz von Marschkolonnen und Gefechtsständen gegen Tiefflieger, Drohnen und Marschflugkörper gewährleisten.
Die Übergabe zurück ans Heer ist Startpunkt für den Wiederaufbau der sogenannten Heeresflugabwehr, die 2012 aufgelöst wurde. «Es ist ein Schritt hin zu einem Heer, das bereit ist zum Kampf, das sich durchsetzen, das gewinnen kann», sagte Heeresinspekteur Christian Freuding auf Kreta.
Kurswechsel nach dem Abbau: Neu sind Iris-T und Arrow
Nach dem Ende des Kalten Krieges wurde die Abwehr gegen Luftangriffe in Deutschland sehr weitgehend zusammengestrichen. Solche Angriffe schienen in einem Land, das sich von Freunden und Partnern umgeben sah, unwahrscheinlich, das Geld an anderer Stelle besser ausgegeben («Friedensdividende»).
Nach dem Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine 2022 steuerte das Verteidigungsministerium um und legte mehrere Beschaffungsprogramme auf. Zugleich wurden Launcher und Lenkflugkörper als Militärhilfe an die Ukraine abgegeben, was die Bundeswehr selbst zunächst schwächte.
Luftverteidigung ist in mehreren Schutzschichten organisiert. Die verschiedenen Waffensysteme sind auf unterschiedliche Höhenbereiche spezialisiert. Ganz unten stehen im sogenannten Nah- und Nächstbereich Waffensysteme, die gegen anfliegende Drohnen oder Tiefflieger wirken.
Patriot und Iris-T wirken – vereinfacht gesagt – im mittleren Bereich. Das Verteidigungsministerium hat zudem das israelische Luftverteidigungssystem Arrow beschafft. Es soll feindliche Raketen in einer Höhe bis über 100 Kilometern zerstören können, eine Fähigkeit, die es in der Bundeswehr zuvor nicht gab.