Andy Burnham will das Vereinigte Königreich im Eiltempo verändern. In seinen ersten Arbeitstagen kündigt der neue Premierminister Maßnahmen an, die den Britinnen und Briten Geld sparen sollen.
Er wird das nicht bewusst gemacht haben, aber ein deutsches Klischee über die Engländer erfüllte Andy Burnham in seiner ersten Arbeitswoche mustergültig: Der neue Premierminister des Vereinigten Königreichs besuchte einen Pub - und trank mit seinem neuen Finanzminister John Healey ein frisch gezapftes Pint.
«Cheers, habt alle ein gutes Wochenende», sagt Burnham, wie in einem Video zu sehen ist, das der Regierungschef selbst auf der Plattform Instagram teilte. Die Aufnahme verdeutlicht zwei Kernprinzipien des Labour-Chefs, der am Montag Keir Starmer abgelöst hatte: Burnham will den Menschen in Großbritannien den Alltag möglichst schnell möglichst spürbar erleichtern, und er will, dass möglichst viele dabei zusehen.
Beim Pint kündigte Burnham quasi vor Ort eine 20-prozentige Senkung der Gewerbesteuer für Pubs, Clubs und Veranstaltungsorte für Live-Musik in England an. Von der Maßnahme werden der britischen Nachrichtenagentur PA zufolge rund 32.000 Unternehmen im größten britischen Landesteil profitieren. Und das ist kein Klischee: Diese Versammlungsorte haben eine enorme Bedeutung für die britische Kultur.
Burnham positioniert sich als volksnaher Regierungschef
«Was ihr wahrscheinlich schon über mich wisst: Ich gehe auf viele Konzerte. Ich trinke gern mal ein Pint, und ab und zu lege ich auch als DJ auf», sagt Burnham in dem Video. «Diese Orte verdienen meine Unterstützung - unsere Unterstützung - und genau die bekommen sie. Vielleicht sollte ich das bald mit einem weiteren DJ-Set feiern.»
Der neue Premierminister habe versucht, seine ersten Tage «in einen 100-Meter-Sprint zu verwandeln», schrieb das Nachrichtenmagazin «Politico» und wählte die Zwischenüberschrift «Need for Speed». Das ist zum einen der Name einer Videospiel- und Filmreihe, lässt sich aber auch als «Lust auf Tempo» oder «Drang nach Geschwindigkeit» verstehen.
Zu den weiteren Ad-hoc-Entscheidungen des Neuen in der berühmten 10 Downing Street zählten die Ankündigung einer Obergrenze für Busticketpreise von Januar 2027 an sowie die Abschaffung der Mehrwertsteuer auf Energierechnungen für Privathaushalte ab Oktober. Eine Entscheidung der Vorgängerregierung nahm Burnham dagegen zurück: Die geplante vorzeitige Entlassung von Gefangenen in diesem September wird «pausiert». Profitiert hätten ca. 6.000 Inhaftierte.
«Der beste Tag meines Lebens»
Am Freitag eröffnete der neue Premierminister die angekündigte Außenstelle des Regierungssitzes in Manchester, die sogenannte «No 10 North». Er könne gar nicht sagen, wie stolz ihn dieser Moment mache, sagte Burnham in der Stadt, die er bis vor wenigen Wochen als Bürgermeister geführt hatte. «Ich glaube, das ist der beste Tag meines Lebens. Das meine ich vollkommen ernst.»