Die iranische Führung versucht, die landesweiten Proteste herunterzuspielen. Aktivisten sprechen dagegen von Dutzenden Toten, Hunderten Verletzten und Tausenden Festnahmen.
Trotz des verschärften Vorgehens der Behörden dauern die Demonstrationen im Iran an. Bei den seit knapp zwei Wochen anhaltenden Massenprotesten in der Islamischen Republik sollen laut Aktivisten mindestens 65 Menschen getötet worden sein. Mehr als 2.300 weitere Menschen seien festgenommen worden, berichtete das Menschenrechtsnetzwerk HRANA mit Sitz in den USA. Trotz einer nahezu vollständigen Internetsperre habe es Demonstrationen in 180 Städten gegeben.
Zuvor hatte die Organisation Iran Human Rights (IHRNGO) mit Sitz in Oslo gemeldet, dass bei Protesten bisher 51 Demonstrierende getötet worden seien. Allerdings fehlten dabei noch Zahlen aus mehreren Großstädten vom Donnerstag und aus der Nacht zum Samstag. Hunderte weitere Menschen sollen bei Konfrontationen mit den Sicherheitskräften verletzt worden sein.
Die Angaben lassen sich zurzeit nicht unabhängig überprüfen.
Führung in Teheran spielt Kundgebungen herunter
Die iranische Führung spielte die landesweiten Massenproteste am Samstag herunter. In den meisten Städten des Landes habe Ruhe geherrscht, erklärte ein Sprecher im Staatsfernsehen, wie laut Übersetzung aus einem Video der Nachrichtenagentur des staatlichen iranischen Rundfunkverbundes, Iribnews, hervorgeht.
Weiter hieß es, laut Berichten aus dem Einsatzgebiet hätten «bewaffnete Terroristen» zwar erneut versucht, die öffentliche Sicherheit in verschiedenen Städten zu stören. Dank des Eintreffens der Sicherheitskräfte und der starken Präsenz der Bevölkerung sei es aber zu keinen bewaffneten Angriffen gekommen. In der Stadt Kaswin hätten Menschen die Aktionen «bewaffneter Terroristen» scharf verurteilt.
Demonstrationen unter anderem in Teheran und Maschhad
Am Freitagabend hatten den zweiten Abend in Folge jedoch massenhaft Menschen in verschiedenen Großstädten gegen die Regierung protestiert. Demonstrationen gab es unter anderem in den Millionenmetropolen Teheran und Maschhad. Viel geteilte Videos in den sozialen Medien zeigten Menschenansammlungen an zentralen Plätzen. Unabhängig verifizieren ließen sich die Aufnahmen zunächst nicht.
Die britische BBC berichtete unter Berufung auf einen Arzt aus dem Iran, der sich am Freitagabend über das Satelliten-Internet Starlink in Verbindung gesetzt habe, dass sich das Farabi-Krankenhaus, Teherans wichtigstes Augenzentrum, im Krisenmodus befinde. Notfalldienste seien überlastet. Nicht dringende Aufnahmen und Operationen seien ausgesetzt worden, und das Personal sei zur Behandlung von Notfällen herbeigerufen worden.
Wegen Internetsperre dringen nur wenige Aufnahmen nach außen
Das genaue Ausmaß der Demonstrationen bleibt weiter unklar. Da die iranische Führung eine landesweite Internetsperre verhängt hat, die laut der auf Netzsperren spezialisierte Organisation Netblocks seit mehr als 48 Stunden anhält, dringen nur noch wenige Aufnahmen nach außen.