In einem Londoner Vorort brennen nachts Rettungswagen. Mehrere Häuser werden geräumt. Die Polizei geht von einem antisemitischen Hassverbrechen aus.
Am Morgen nach dem «schrecklichen antisemitischen Angriff» stand die Weltmetropole London unter Schock. «Es ist wirklich wichtig, dass wir in einem Moment wie diesem alle zusammenhalten», sagte Premierminister Keir Starmer. Überwachungsvideos zufolge hatten mindestens drei Unbekannte in der Nacht vier Krankenwagen des Rettungsdienstes der jüdischen Gemeinde in Golders Green in Brand gesetzt.
Bilder und Videos vom Tatort zeigen die ausgebrannten Reste der Einsatzfahrzeuge auf dem kleinen Parkplatz mitten in einem Wohngebiet. Der Rettungsdienst Hatzola wird von Freiwilligen betrieben und bietet kostenlose Krankentransporte und Notfallhilfe an. Die Polizei teilte mit, der Vorfall werde als antisemitisches Hassverbrechen behandelt. Festnahmen gab es zunächst keine, verletzt wurde niemand.
Als terroristischer Vorfall werde die Tat zum jetzigen Zeitpunkt nicht eingestuft, teilte ein Sprecher am Mittag mit, dennoch werde der Einsatz nun von der Einheit für Terrorismusbekämpfung geleitet. «Mit all der speziellen Expertise, die sie mitbringt, und alle Ermittlungsansätze bleiben offen», sagte der Sprecher. Geprüft werde ein mutmaßliches Geständnis einer Gruppe im Internet.
Premierminister Starmer rief Zeugen auf, sich bei der Polizei zu melden. Oberrabbiner Ephraim Mirvis bezeichnete die Tat laut Sky News als «besonders abscheulichen Angriff - nicht nur auf die jüdische Gemeinschaft, sondern auf die Werte, die wir als Gesellschaft teilen». Die Aufgabe des Rettungsdienstes sei, Leben zu schützen.
Laute Explosionen durch Gasflaschen
Die Nachrichtenagentur PA berichtete, auf den Videos von Überwachungskameras der Umgebung sei zu sehen, wie drei Personen einen Krankenwagen in Brand setzten. Der Feuerwehr zufolge waren mehrere Gasflaschen in den Fahrzeugen explodiert und dadurch in einem benachbarten Wohnblock Fenster zerbrochen.
Bei dem nächtlichen Einsatz waren den Angaben zufolge 40 Feuerwehrleute vor Ort. Auch die Polizei erklärte, es werde davon ausgegangen, dass die Explosionen durch die Gasflaschen verursacht worden seien.
Die BBC zitierte den Vater einer Anwohnerin. «Sie hat die Feuerwehr gerufen, sie hatte große Angst», sagte er. Dass es zu einem solchen Vorfall mit etwas gekommen sei, das dazu da ist, Leben zu retten, sei «bezeichnend und schockierend».