Grüne und SPD kritisieren Reise als einseitig
Die Grünen-Vorsitzende Franziska Brantner kritisierte, dass Klöckner nur einen eingeschränkten Ausschnitt der Realität im Gazastreifen erlebe. «Es ist gut, dass Bundestagspräsidentin Julia Klöckner sich vor Ort ein Bild von Gaza machen möchte. Aber wenn sie dies tut, ohne die Seite der Palästinenser auch nur anzuhören, muss sie sich den Vorwurf gefallen lassen, die Wirklichkeit in dieser Region nur einseitig wahrnehmen zu wollen», sagte sie dem «Spiegel».
Der außenpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Adis Ahmetović, hatte den Besuch im Gazastreifen schon kritisiert, bevor überhaupt klar war, ob es ihn geben würde. Ein möglicher Besuch in Begleitung der israelischen Armee wäre ein «eklatantes Signal», sagte er der «Frankfurter Allgemeine Zeitung». Gaza sei in großen Teilen zerstört, mehr als eine Million Menschen seien vertrieben worden, nach Schätzungen von Experten gebe es über 100.000 Tote.
Klöckner: In zwei Besuchstage passt nicht alles rein
Klöckner wies diese Kritik zurück. «Ich war keine zwei Tage hier. Man muss sehen, dass man da nicht alles reinbekommt.» Ihr sei es wichtig gewesen, in Jerusalem mit der Opposition zu sprechen. Sie habe auch mit israelischen palästinensischen NGOs gesprochen. «Natürlich habe ich auch diese Stimmen gehört.»
Klöckner machte sich keine Illusionen darüber, dass sie nur einen kleinen Teil der Realität zu sehen bekam. «Mir ist sehr bewusst, dass das israelische Militär sehr genau überlegt, wo wir hinfahren, was wir auch zu sehen bekommen.» Ihr seien Siedlungen gezeigt worden, die nicht so stark zerstört gewesen seien, weil dort auch Geiseln festgehalten worden seien.
Wenn man als Freund Israels hierherkomme, schließe das nicht aus, sich einen eigenen Blick zu verschaffen, sagte Klöckner zu den Beweggründen ihres Gaza-Abstechers. Und um einen eigenen Blick zu bekommen, sei es auch notwendig, «dahin zu schauen, wo vielleicht zuerst auch Israel selbst nicht wollte, dass wir hinschauen».
Klöckner am Geländes des Supernova-Festivals
Wie groß das Leid der vom Überfall der terroristischen Hamas betroffenen Menschen in Israel bis heute ist, bekam Klöckner bei einem Besuch der Erinnerungsstätte auf dem Gelände des Supernova-Festivals zu spüren. Dort hatte die Hamas am 7. Oktober rund 400 Besucher des Musikfestivals getötet und mehr als 40 verschleppt.
Die Mutter einer jungen Frau, die später starb, erzählte Klöckner unter Tränen von ihrer Tochter. «Niemand kann erfühlen, wie groß ihre Schmerzen sind», sagte diese tröstend zu der Frau.