«Ich wünschte, ich hätte den Rest dieser E-Mail-Korrespondenz noch», sagte Mette-Marit. «Ich weiß nicht, was ich gefunden habe», erklärte sie. «Aber hätte ich etwas gefunden, das mir klargemacht hätte, dass er ein Sexualstraftäter ist, hätte ich natürlich keinen Smiley geschickt.» Ihre Rolle als Kronprinzessin habe sie damals als ziemlich anspruchsvoll empfunden. «Ich habe Epstein als jemanden erlebt, auf den ich mich in einer schwierigen Phase meines Lebens irgendwie verlassen konnte», sagte sie. «Da habe ich mich sehr getäuscht.»
Der Wendepunkt: Zweifel an Epstein wuchsen
Mit der Zeit sei ihr klar geworden, dass er kein guter Mensch sei - unter anderem während eines Aufenthalts in Epsteins Haus in Palm Beach in Florida 2013 mit einer Bekannten. Sie habe nichts für den Urlaub bezahlt, sagte die Kronprinzessin. Außerdem habe sie Epsteins Chauffeur genutzt, und er habe für einen Friseurbesuch bezahlt.
«Das ist das, was mich am meisten beschäftigt hat, seit die schweren Missbrauchsfälle 2019 bekannt wurden: die Tatsache, dass ich dort war, und nicht zuletzt meine Schuldgefühle gegenüber den Opfern», sagte die Kronprinzessin den Tränen nahe im Interview.
Sie habe nie etwas Illegales gesehen: «Alle, die ich mit Epstein zusammen getroffen habe, waren Erwachsene.» Er habe sich aber auf eine Art verhalten, die ihr nicht gefallen habe. Es habe damals besonders einen Moment gegeben, in dem sie sich unwohl gefühlt hatte. Daraufhin habe sie ihren Mann angerufen.
Mette-Marit: Hätte mehr Menschen vor ihm warnen sollen
«Danach habe ich noch mehr Gerüchte gehört, dass er kein guter Mensch sei», sagte die Kronprinzessin. «Deshalb wollte ich den Kontakt abbrechen.» Heute bereue sie es, dass sie nach dem Kontaktabbruch im Sommer 2014 nicht mehr Menschen vor Epstein gewarnt habe, sagte die Kronprinzessin. «Ich wusste immer noch nichts von all den Übergriffen. Aber mir war klar, dass er ein übler Kerl war, mit dem man nichts zu tun haben sollte», so Mette-Marit. «Und ich hatte aus nächster Nähe miterlebt, wie er andere erpresste.»
Haakon wusste von Freundschaft zu Epstein
Ihr Mann habe über ihren Kontakt zu Epstein Bescheid gewusst. Haakon sei der Mensch auf der Welt, den sie am meisten respektiere. «Das war kein Geheimnis zwischen uns», sagte der Kronprinz im Interview. Dass er seiner Frau in dieser Zeit zur Seite stehen müsse, stehe für ihn außer Frage. «Wenn man heiratet, dann tut man das schließlich in guten wie in schlechten Tagen», sagte er.
Auch ihre Schwiegereltern, König Harald und Königin Sonja, hätten sie sehr unterstützt, sagte Mette-Marit. Sie hoffe nicht, dass ihr Verhalten das Vertrauen in die Monarchie auf Sicht schwäche. Seit die neuen Epstein-Akten im Januar veröffentlicht worden waren und ihr Name dort Hunderte Male aufgetaucht war, war die Zustimmung zur Monarchie laut NRK in Umfragen geschrumpft.
Darum sprach Mette-Marit nicht früher über Epstein
Große Kritik hatte in Norwegen auch ausgelöst, dass Mette-Marit sich lange nur schriftlich zu ihrem engen Kontakt mit Epstein geäußert hatte. Das hatte der Hof mit der Gesundheit der Kronprinzessin begründet: Mette-Marit leidet an einer chronischen Lungenkrankheit.
Auch der Vergewaltigungs-Prozess gegen ihren Sohn Marius Borg Høiby (29) dürfte die Kronprinzessin belastet haben. Dieser war am Donnerstag zuende gegangen. Der Zeitpunkt des Interviews ist deshalb sicher nicht zufällig gewählt: Das Kronprinzenpaar hatte erklärt, sich während der Verhandlung nicht äußern zu wollen.
«Ich bin die Mutter eines jungen Mannes, der sich in einer sehr schwierigen Situation befunden hat», sagte Mette-Marit NRK. «Außerdem ist mein Gesundheitszustand so, dass ich sehr viel Ruhe brauche. Und dieser Zustand hat sich noch etwas verschlechtert.»