Der Iran-Krieg lässt die Kerosinpreise explodieren. Airlines erhöhen massiv die Ticketpreise, während Reiseveranstalter vor weiteren Kostensteigerungen warnen.
Der Traum vom Sommerurlaub 2026 könnte deutlich teurer werden als gedacht. Während der Iran-Krieg im Nahen Osten eskaliert, schießen die Kerosinpreise in bisher ungekannte Höhen – von 85 auf bis zu 200 Dollar pro Barrel. Airlines weltweit reagieren bereits: Thai Airways erhöht die Ticketpreise um 15 Prozent, die Lufthansa Group verlangt auf manchen Strecken bis zu 2.600 Euro Treibstoffzuschlag zusätzlich. Reiseveranstalter wie Dertour warnen vor unvermeidbaren Preissteigerungen, die sich über alle Urlaubsziele erstrecken werden. Besonders hart trifft es die Golfregion und den Nahen Osten.
Tausende deutsche Urlauber mussten bereits aus Krisengebieten zurückgeholt werden, Reiseveranstalter streichen Flüge und Hotels. Doch die Deutschen lassen sich ihre Reiselust nicht nehmen: Statt Dubai oder Ägypten buchen sie nun verstärkt Spanien und Griechenland. Die Buchungszahlen bleiben stabil, auch wenn die Straße von Hormus – durch die 20 Prozent des weltweiten Öltransports fließen – die Preise weiter in die Höhe treibt. Experten rechnen damit, dass die Kosten noch monatelang auf hohem Niveau bleiben werden.
Der militärische Konflikt im Nahen Osten verändert die Reisebranche grundlegend. Urlauber weichen auf alternative Destinationen aus, während steigende Kerosinpreise die Kosten in die Höhe treiben. Trotz der angespannten Lage bleibt die Reiselust der Deutschen jedoch bemerkenswert stabil.
Die Treibstoffkosten für Flugzeuge haben sich dramatisch entwickelt. Christoph Debus, Geschäftsführer des Reiseveranstalters Dertour, warnte gegenüber der Deutschen Presse-Agentur (dpa) vor den Folgen: "Im Moment geht der Kerosinpreis nach oben. Wenn das auf diesem Niveau bleibt, wird sich das über die Zeit auch auf die Reisepreise auswirken."
Airlines weltweit reagieren bereits mit Preiserhöhungen:
Thai Airways kündigte Preissteigerungen von 10 bis 15 Prozent an
Air New Zealand erhöhte Langstreckenflüge um 90 neuseeländische Dollar
Cathay Pacific verdoppelte ihre Treibstoffzuschläge auf allen Routen, so Airliners.de
Die Lufthansa Group verlangt bei Returnflügen in der First Class von Nordamerika bis zu 2.600 Euro zusätzlich, wie Reisetopia berichtet
Debus räumte ein: "Kleinere Kostensteigerungen lassen sich im Moment für zukünftige Buchungen nicht ausschließen." Die US-Energiebehörde EIA hat ihre Kerosin-Prognose für 2026 bereits um 37 Prozent nach oben korrigiert – auf durchschnittlich 2,67 Dollar pro Gallone.
Als größter deutscher Veranstalter in der Nahostregion verzeichnet Dertour deutliche Verschiebungen. "In der betroffenen Region sehen wir Stornierungen, Umbuchungen und eine gewisse Verunsicherung", berichtete Debus. Die Gesamtnachfrage bleibe dennoch robust: "Die Reiselust der Deutschen und der Europäer ist ungebrochen." Beliebte Alternativziele wie Spanien und Griechenland profitieren von der Situation und verzeichnen weiterhin solide Buchungseingänge.
Professor Jürgen Schmude, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Tourismuswissenschaft, ordnete dieses Phänomen ein: "Reisende wechseln schnell zu einem anderen Ziel, wenn Unsicherheit entsteht." Viele klassische Warmwasserdestinationen seien für Touristen austauschbar. Die Branche spricht vom sogenannten 3-S-Tourismus – Sun, Sand, Sea –, bei dem die Flexibilität der Urlauber besonders ausgeprägt ist.
Trotz der steigenden Kosten planen viele Deutsche weiterhin ihren Urlaub für 2026. Laut einer repräsentativen YouGov-Umfrage für die Postbank gaben 66,3 Prozent der Befragten an, 2026 privat zu verreisen – allerdings mit deutlichen Sparmaßnahmen bei der Urlaubsplanung. Reiseveranstalter reagierten auf die Krise mit Kulanzregelungen. Dertour ermöglichte gebührenfreie Umbuchungen auf gleichwertige Reisen für Abreisen bis 31. März 2026, so Leadersnet. Auch Schauinsland-Reisen strich alle Reisen in die Vereinigten Arabischen Emirate und den Oman bis einschließlich 22. März 2026.
Golfregion und Ägypten: Unsicherheit prägt die Perspektive
Die Entwicklung in der Golfregion bleibt schwer kalkulierbar. "Im Moment steht hinter der Region ein Fragezeichen. Das ist so", gab Debus zu. Gleichzeitig zeigte er sich optimistisch für die Zukunft: "Diese Destinationen haben sich über Jahre ein sehr gutes Image aufgebaut. Wenn der Konflikt befriedet ist, kann dieses Vertrauen auch wieder zurückkehren." Das Sicherheitsempfinden der Kunden könne schnell wiederhergestellt werden.
Ägypten erlebt eine ambivalente Situation. Vor Kriegsbeginn galt das Land als Gewinnerdestination bei Dertour. "Nichtsdestotrotz liegen die Buchungszahlen in Summe zweistellig über dem Vorjahr", erklärte Debus. Das Wachstum habe sich zwar seit Konfliktbeginn verlangsamt, bleibe aber positiv. Er verwies auf einen Wahrnehmungseffekt: "Wenn es einen Konflikt in einem arabischen Land gibt, werden häufig andere arabische Länder in Mithaftung genommen."
Während für die Türkei, Griechenland und Ägypten keine generellen Reisewarnungen bestehen, hat das Auswärtige Amt für die Golfstaaten und Israel klare Warnungen ausgesprochen. Die Sicherheitslage wird vom deutschen Außenministerium differenziert bewertet, wobei klassische Urlaubsregionen am Mittelmeer weiterhin als bereisbar gelten.
Erheblicher Aufwand für Reiseveranstalter
Tausende deutsche Urlauber saßen während der Eskalation im Nahen Osten fest. Bei Dertour handelte es sich um eine niedrige vierstellige Zahl. "Gerade in so einer Krise zeigt sich, wie hoch der Wert einer Pauschalreise ist", betonte Debus. Der Veranstalter organisierte Flüge und sichere Unterkünfte – ohne zusätzliche Kosten für Pauschalreisegäste. Über die konkreten Ausgaben der Rückholaktion schwieg Debus, sprach jedoch von einem erheblichen Aufwand. Für betroffene Gäste richtete die Dertour Group eine 24-Stunden-Hotline ein, wie die Dertour Group mitteilt.
Die Lage bleibt volatil. Experten rechnen damit, dass Ticketpreise noch monatelang hoch bleiben werden, selbst wenn sich der Konflikt beruhigt. Willie Walsh, Generaldirektor der International Air Transport Association (IATA), warnte vor weltweiten Preissteigerungen und möglichen Kapazitätskürzungen, sollte der Konflikt anhalten, so Airliners.de. Die Straße von Hormus, durch die etwa 20 Prozent des weltweiten Öl- und Flüssiggashandels fließen, bleibt ein kritischer Faktor für die weitere Preisentwicklung. sl/mit dpa