Japans erste Frau an der Spitze der Regierung hatte kurzfristig Neuwahlen angesetzt, um ihre Macht zu festigen. Die Opposition fühlte sich von der rechten Takaichi überrumpelt. Ihr Kalkül ging auf.
Japans neue nationalkonservative Ministerpräsidentin Sanae Takaichi hat bei der Wahl zum Unterhaus einen überragenden Sieg errungen. Ihre Liberaldemokratische Partei (LDP) konnte ihre Mehrheit in der mächtigen Kammer des nationalen Parlaments zurückerobern, wie japanische Medien auf Basis von Wählerbefragungen nach Schließung der Wahllokale berichteten.
Demnach dürfte die LDP ihre bisherige Sitzzahl von 198 auf mehr als 300 des 465 Sitze zählenden Unterhauses erhöht haben. Mit ihrem bisherigen Partner, der neoliberalen Partei Ishin, könnte sie sogar auf eine Zweidrittelmehrheit kommen.
Die von der rechtsgerichteten Takaichi seit langem angestrebte Revision von Artikel 9 der seit 1947 unveränderten Verfassung, der Japan sicherheitspolitische Schranken auferlegt, würde damit realistischer werden. In dem Artikel verzichtet Japan «für alle Zeiten auf den Krieg als ein souveränes Recht der Nation und auf die Androhung oder Ausübung von Gewalt als Mittel zur Beilegung internationaler Streitigkeiten».
Takaichi ist erst seit wenigen Monaten im Amt
Dabei ist Takaichi als erste Frau an der Spitze der Regierung erst seit Ende Oktober im Amt. Bisher hat sie noch nicht viel erreicht. Weder ist der Etat für das im April beginnende Haushaltsjahr beschlossen, noch die durch den schwachen Yen geschürte Inflation eingedämmt. Die Realeinkommen sinken.
Die seit 1955 fast ununterbrochen regierende LDP hatte wegen Skandalen bei den vorherigen Wahlen im Unterhaus wie auch im Oberhaus die Mehrheit verloren. Gestützt von Ishin regierte sie zuletzt nur mit hauchdünner Mehrheit.
Die LDP profitierte nun von Takaichis überraschend hoher Popularität. Die 64-jährige Politikerin habe es verstanden, über soziale Medien und im Fernsehen gezielt das Image einer starken Führungskraft zu vermitteln, die das Land wieder nach vorn bringt, erklärte Axel Klein, Professor für Politikwissenschaft an der Universität Duisburg-Essen, der Deutschen Presse-Agentur in Tokio.
«Ausländerproblem» im Mittelpunkt des Wahlkampfes
Im Wahlkampf stand vor allem das «Ausländerproblem» im Mittelpunkt. Ausländer hielten sich nicht an die Regeln, das Volk fühle sich unwohl und unsicher, dies werde man «frontal» angehen, versprach die LDP. Auch will sie Ausländer mit verschärften Gesetzen fortan am Kauf von Immobilien hindern.