• Steigende Inzidenz in Israel - trotz hoher Impfquote
  • Immer mehr Geimpfte wegen Corona im Krankenhaus
  • Forschenden warnen: Daten nicht falsch interpretieren
  • Das ist Erklärung für das "Israel-Paradox"

Auf den ersten Blick wirkt es wie eine Hiobsbotschaft: Seit Juni steigen die Corona-Fallzahlen in Israel wieder rasant an - auch die Intensivstationen werden allmählich wieder voller. Und das, obwohl das Land seinen Impfturbo bereits im Frühjahr gezündet hatte. Das scheinbar Erschreckende: Offiziellen Daten zufolge sind mehr als die Hälfte der am 15. August behandelten Covid-Patienten geimpft. Schwere Verläufe trotz Impfung? Ist der Impfschutz also doch nicht so hoch, wie es Wissenschaftler beteuern? Doch, betonen diese.

Corona-Forschung: "Israel-Paradox" ist erklärbar

Sie warnen vor einer Fehlinterpretation der Daten und versuchen das Israel-Paradox zu erklären: „Viele sind von den Angaben verwirrt, dass mehr als die Hälfte aller Krankenhauspatienten in Israel geimpft sind und denken damit einhergehend, dass die Impfungen nicht wirken“, teilte beispielsweise der Biostatistiker Professor Jeffrey S. Morris auf seinem Twitter-Kanal mit. Er habe die offiziellen Daten Israels analysiert und festgestellt: Eigentlich beweisen sie genau das Gegenteil, nämlich dass die Vakzine „sehr wirksam gegen einen schweren Verlauf sind.“   

Das werde erst dann verständlich, wenn man sich die Impfquote in Israel genauer ansehe: Denn je mehr Menschen geimpft sind, umso größer wird auch der kleine Anteil derer, die trotz Impfung an Covid-19 erkranken. Sogenannte Impfdurchbrüche - also schwere Verläufe bei Geimpften -  sind nach Angaben von Wissenschaftlern vor allem dann möglich, wenn die betroffene Person bestimmte Immunerkrankungen hat, älter oder Krebspatient ist. 

Der Grund für den hohen Anteil Geimpfter an den behandelten Covid-Patienten liegt zudem darin, dass in Israel vor allem junge Menschen ungeimpft sind und diese generell sehr selten einen schweren Krankheitsverlauf haben - also selten ins Krankenhaus müssen.

Biontech wirkt auch gegen Delta-Variante

Dass der Wirkstoff von Biontech/Pfizer dennoch schweren Verläufen vorbeugen kann, rechnet Morris anhand der offiziellen israelischen Corona-Zahlen vor: Er verglich die Zahl der schweren Covid-Krankenhausfälle bei Menschen mit und ohne Impfung und wollte somit herausfinden, welche Gruppe prozentual mehr schwere Verläufe aufweist. „Man sieht, dass der Anteil an schweren Covid-Fällen bei Ungeimpften dreimal so hoch ist“, zieht er ein Fazit und ergänzt in seinem Blog: "Das zeigt, dass der Biontech/Pfizer-Impfstoff bei der Verhinderung schwerer Erkrankungen sehr gut gegenüber Delta abschneidet."

Das bestätigen auch die Versuche anderer Wissenschaftler. So hatten etwa britische Forscher in einer Studie im New England Journal of Medicine eine Wirksamkeit von 88 Prozent gegen eine durch Delta ausgelöste symptomatische Covid-19-Erkrankung ermittelt.