Merz nimmt europäische Partner zunächst nicht in Schutz
Während Trump dem Kanzler schmeichelte, fuhr er harte Attacken gegen Großbritannien und Spanien. Der britische Premierminister Keir Starmer hatte ihm zunächst die Nutzung einer Militärbasis verweigert. Trump nannte das «schockierend».
Noch härter ging er Spanien an, das den USA die Nutzung der US-Stützpunkte auf seinem Territorium für die Luftangriffe untersagte. «Sie waren unfreundlich.» Und deshalb habe er seinen Finanzminister Scott Bessent angewiesen, «alle Deals» mit Madrid einzustellen.
Merz verzichtete auf offener Bühne darauf, die beiden Verbündeten in Schutz zu nehmen. Auf Nachfrage stimmte er sogar in die Kritik an Spanien ein - aber nur Blick auf die Weigerung des Landes, sich an das gemeinsam vereinbarte Ziel zu den Nato-Verteidigungsausgaben zu halten.
Mit einer harschen Reaktion hätte er die offene Konfrontation mit Trump riskiert. Darauf verzichtete er. Hinter verschlossenen Türen hielt er nach eigenen Angaben dann dagegen. «Ich habe ihm sehr deutlich gesagt: Du kannst hier keinen isolierten Vertrag mit Deutschland abschließen oder einen Vertrag mit ganz Europa, aber Spanien nicht», sagte er in der ARD.
Die Verärgerung Spaniens konnte er damit aber nicht mehr aufhalten. Außenminister José Manuel Albares sagte, er habe Deutschland seine «Überraschung» über mangelnde Solidarität des Bundeskanzlers übermittelt. Auch Sánchez reagierte. Er erwähnte Merz zwar nicht direkt, sagte aber, es sei «naiv zu glauben, dass blinder und unterwürfiger Gehorsam Führung bedeutet».
Frankreichs Präsident Emmanuel Macron sicherte Spanien in einem Telefonat mit Sánchez die «europäische Solidarität Frankreichs» zu. Damit steht Europa wieder einmal gespalten da.
Ukraine: Europa will zurück an den Verhandlungstisch
Bei den Verhandlungen zwischen Russland und der Ukraine über ein mögliches Ende des Krieges vermitteln die USA derzeit alleine und Europa steht an der Seitenlinie. Merz will das ändern und hat das Trump auch deutlich gesagt: «Wir sind nicht bereit, ein Abkommen zu akzeptieren, das über unsere Köpfe hinweg verhandelt wird.»
Ob Trump da mitmacht, ist offen. Eine Reaktion ist aus dem Treffen mit Merz jedenfalls nicht überliefert. Ob der Kanzler mit seinem Appell Erfolg hatte, wird man erst sehen, wenn die Unterhändler wieder zusammensitzen.
Im Zollstreit zwischen der EU und den USA gibt es keine Fortschritte
Keine Fortschritte gab es mit Blick auf den Zollstreit zwischen der EU und den USA. Trump bekräftigte seine Absicht zur Einführung eines weltweiten Zolls auf Importe in die USA von 15 Prozent. Zudem untersuche seine Regierung weiter die Möglichkeit unterschiedliche Zölle für unterschiedliche Länder zu erheben.
Dem europäischen Unmut darüber versuchte Trump mit einem Witz zu begegnen. An den US-Handelsbeauftragten Jamieson Greer gewandt sagte er: «Wie behandeln wir Deutschland? Ich denke, bei denen solltest du sehr, sehr hart zuschlagen.» Der US-Präsident gab Merz dabei einen Klaps aufs Knie.
Auch zu diesem Thema schwieg der Kanzler auf offener Bühne lieber. Von den 33 Minuten Redezeit vor den laufenden Kameras hatte Merz nur drei.