Schon wieder müssen die Menschen in Kiew bangen. Ballistische Raketen aus Russland treffen die ukrainische Hauptstadt – erneut mit verheerenden Folgen. Selenskyj appelliert an Partner seines Landes.
Erneut hat Russland die ukrainische Hauptstadt Kiew in der Nacht mit ballistischen Raketen angegriffen und dabei viele Menschen getötet und verletzt. Der Bürgermeister der Millionenstadt, Vitali Klitschko, schrieb bei Telegram von mindestens 9 Toten und mehr als 30 Verletzten, darunter vier Minderjährige. Es gab demnach Brände und Schäden an Wohnhäusern und anderen Gebäuden in mehreren Stadtteilen.
Zuvor berichtete Klitschko unter anderem von einem fünfstöckigen Wohnhaus, das durch herabstürzende Raketentrümmer beschädigt worden sei. In dem Haus seien Menschen eingeschlossen. Zuvor hatte er von Explosionen in der Stadt berichtet und mitgeteilt, Kiew werde mit ballistischen Raketen angegriffen. Die Menschen sollten in Schutzräumen bleiben. Erneut verbrachten viele Bewohner die Nacht in U-Bahnstationen oder im Freien.
Russland griff die Ukraine laut Präsident Wolodymyr Selenskyj mit 35 Raketen und Marschflugkörpern, darunter 27 ballistische Raketen, sowie 185 Drohnen an. Nur eine ballistische Rakete sei abgefangen worden, einfach weil es keine Raketen für Patriot-Systeme gebe, schrieb er in sozialen Medien und appellierte an die Partner seines Landes. Mittel zur Flugabwehr würden nicht in Lagern für hypothetische Szenarien gebraucht, sondern jetzt in der Ukraine. Dazu veröffentlichte er Fotos und einen Videozusammenschnitt, die Einsatzkräfte und Zerstörungen an Wohnhäusern zeigen. Beschädigt wurden ihm zufolge 18 Häuser, eine Schule, die litauische Botschaft und Infrastruktureinrichtungen in Kiew.
Großangelegter Angriff bereits am Donnerstag
Bereits am Donnerstag standen Kiew und andere ukrainische Städte bei einem großangelegten Angriff im Visier Russlands. Landesweit kamen dabei ukrainischen Angaben zufolge mindestens zehn Menschen ums Leben, Dutzende wurden verletzt. Auch die Stadt Lwiw (früher Lemberg) im Westen des Landes nahe der polnischen Grenze beklagte schwere Schäden.
Ein Flugobjekt war dabei auch in den Luftraum des Nato-Staats Polen eingedrungen und abgestürzt. Nach Angaben der polnischen Regierung handelte es sich um einen russischen Marschflugkörper.
Trump äußert sich zurückhaltend zu Patriot-Lizenzvergabe
Mit seinen massiven Luftangriffen versucht Moskau, die ohnehin stark beanspruchte ukrainische Flugabwehr weiter zu überlasten. Als wirksamstes Mittel gegen ballistische Raketen gelten Patriot-Abfangraketen, von denen Kiew eigenen Angaben zufolge derzeit nicht mehr genügend hat.
Am Freitag hatte sich US-Präsident Donald Trump zurückhaltend zu einer möglichen Vergabe einer Lizenz an die Ukraine zur Herstellung von Patriot-Abfangraketen geäußert. Dies hatte er noch Anfang Juli am Rande des Nato-Gipfels in Ankara in Aussicht gestellt. Seit Februar 2022 wehrt sich die Ukraine mit westlicher Hilfe gegen eine russische Invasion.