Fast zehn Jahre sind seit dem Ende seiner Präsidentschaft vergangen. Seither straucheln die Demokraten, geeignete Nachfolgekandidaten vorzuweisen.
Wenn Barack Obama an diesem Dienstag 65 Jahre alt wird, dürften sich viele vor allem an seine ungezwungene Lässigkeit und sein Charisma erinnern. Von der Erklärung seiner Kandidatur für das Präsidentenamt in Springfield, Illinois, 2007 bis zum Fallenlassen des Mikros beim letzten Dinner mit der US-Hauptstadtpresse gut neun Jahre später: Obama wusste, Menschen in seinen Bann zu ziehen – selbst diejenigen, die seine Arbeit eigentlich kritisch unter die Lupe nehmen sollten.
Fast zehn Jahre seit seinem Ausscheiden aus dem Amt und in einem Alter, in dem manche in Rente gehen, gibt sich Obama weiter tüchtig. In einem Video warf er jüngst mit dem Rollstuhlbasketballer Josh Turek lässig ein paar Bälle und warb nebenbei vor den wichtigen US-Zwischenwahlen für den Demokraten aus Iowa, der sich um einen Senatssitz bewirbt. In sozialen Medien teilt Obama weiter seine Spotify-Playlist und seine Bücherliste mit seinen Anhängern.
Mitte Juni eröffnete Obama sein Präsidentencenter in Chicago, das den Werdegang des auf Hawaii geborenen Politikers zeigt. Die Ausstellung dokumentiert, wie er zunächst in Chicago sozial benachteiligten Menschen half, später mit seiner Frau Michelle eine Familie gründete und die Töchter Malia und Sasha großzog, wie er als junger demokratischer Senator in den Kongress in Washington einzog, und schließlich allen zeigte, dass ein Afroamerikaner durchaus zum mächtigsten Mann der Welt aufsteigen kann.
Verfehlungen verblassen
Gern erinnert man sich an Obamas innenpolitische Erfolge, wie etwa die mühsame Neustrukturierung der US-Gesundheitsversorgung 2010, auch «Obamacare» genannt. Außenpolitisch bleiben die Tötung von Al-Kaida-Terrorchef Osama bin Laden 2011, das Atomabkommen mit dem Iran oder das Pariser Klimaabkommen 2015 im Kopf. Hierzulande dürften auch Obamas Berlin-Besuche Erinnerungen wecken.
Negatives aus Obamas Präsidentschaft von 2009 bis 2017 gerät da schnell in den Hintergrund. Dass die USA etwa das Telefon von Ex-Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) abhörten, dass das US-Militär Terroristen in Pakistan gezielt durch Drohnen tötete, was später als völkerrechtswidrig verurteilt wurde, oder dass Millionen von Menschen aus den USA abgeschoben wurden, dürfte heute weniger präsent sein.
War Obama Fluch oder Segen für die Demokraten?
Dennoch: Obama gilt als letzter großer Polit-Star der Demokraten. Sein Charisma und seine mitreißende Rhetorik setzten die Messlatte für Politiker damals schon sehr hoch – vielleicht zu hoch. Mehr als 1.000 Sitze verloren die Demokraten Medienberichten zufolge während seiner Präsidentschaft auf Bundesstaatsebene, an Gouverneursposten oder im Kongress. «Wenn Obama das Weiße Haus verlässt, hinterlässt er eine Demokratische Partei, die jahrelang in seinem Schatten stand und nun nach ihrer Identität sucht», resümierte der Sender PBS 2016.
Bis heute tun sich die Demokraten schwer damit, Politiker mit Profil vorzuweisen. Zwar gelang Joe Biden 2020 im Rennen um die Präsidentschaft der Sieg gegen Donald Trump. Die Amtszeit des 46. Präsidenten war allerdings zuletzt durch fragwürdige Auftritte und Aussetzer geprägt. Sein später Rückzug aus dem Rennen 2024 schadete der Partei erheblich.