Das Format basiert auf einer britischen YouTube-Reihe. In «Chicken Shop Date» stellt Moderatorin Amelia Dimoldenberg Stars wie Cher, Ed Sheeran oder Billie Eilish seit 2014 teils unangenehme und peinliche Fragen vor laufender Kamera. Kürzlich war dort Paul McCartney zu Gast.
«Take Me Späti»: Millionenreichweite dank sozialer Medien
Auch «Take Me Späti» setzt auf die Interaktion. Arslan, Mitte 20, lächelt ihre Gäste mal charmant an oder rollt mit den Augen und schreibt ständig etwas mit ihrem Plüschstift in ein rosa Plüschheftchen. Details, die in der reinen Podcast-Version verloren gehen.
«Mein eigener Podcast lebt ja von der Mimik, den kann man sich sehr gut auch einfach nur angucken», sagte die Hamburgerin Arslan der dpa beim Deutschen Podcast Award. Die Episode mit Forster hörten und schauten seit Mitte März bereits mehr als 700.000 Menschen auf Spotify, dazu kommen über 400.000 Abrufe auf YouTube.
Außerdem entsteht für die Macher ein zusätzlicher Verwertungsraum: Sie können komplette Folgen, Highlights und Kurzclips für verschiedene Plattformen wie Instagram und TikTok schneiden. Ein lustiger «Take Me Späti»-Ausschnitt mit dem früheren Frankfurter Türsteher und Entertainer Mo Douzi wurde bei Instagram über 650.000 geliked und geteilt.
Einen viralen Hit mit Millionenreichweiten in sozialen Netzwerken zu landen, sei heutzutage essenziell, sagt Arslan. Tobias Schiwek, Geschäftsführer des Medienunternehmens We Are Era, das den Deutschen Podcast Award veranstaltete, pflichtet ihr bei.
Vom reinen Content zur Marke
«Wenn du Themen gesellschaftlich setzen oder aufgreifen möchtest, dann reicht eine Plattform und Darreichungsform heutzutage kaum aus. Wenn du auf einer Plattform und in einem Genre stattfindest, ist es wahrscheinlich Content. Wenn du über mehrere Plattformen gehst, ist es erst wirklich eine Marke und ein Format.»
Durch die Empfehlungsalgorithmen von TikTok und Co. werden viele erst auf einen Podcast aufmerksam und schauen bzw. hören sich daraufhin ganze Folgen an oder abonnieren das Format im besten Fall.
Allerdings macht Video die Herstellung teurer und aufwendiger. Es erfordert meist mehr Technik, Licht, Schnitt und Zeit als reine Audio-Produktionen. Ein weiteres Risiko ist, dass ein Gespräch durch die mitlaufenden Kameras stärker auf Inszenierung als auf Inhalt getrimmt wird - so wie oft im klassischen Fernsehen.
Wie Fernsehen und Podcasts immer mehr verschwimmen
Wie sehr beide Mediengattungen mittlerweile verschmelzen, zeigt die Tatsache, dass es immer mehr TV-Sendungen als Podcast zum Nachhören gibt: etwa den «ARD Presseclub», den «Doppelpass» auf Sport1, «Maischberger» oder «Pinar Atalay» auf RTL.
«Ich glaube in der Tat, dass das immer mehr verschwimmt. Dennoch glaube ich noch an das gute alte Fernsehen», sagte Atalay der dpa. «Ich kenne ganz viele, die sich abends hinsetzen, die Fernbedienung in die Hand nehmen und man auch mal berieselt werden will. Das wird, glaube ich, nicht so ganz schnell weggehen.»
Allerdings kann sich die junge Generation vor der Glotze auch von der neusten Ausgabe «Take Me Späti» berieseln lassen. Ein Format, das laut Moderatorin Arslan auch im klassischen TV funktionieren könnte.
Allerdings: ProSieben startete 2020 bereits den Versuch, Video-Podcasts am späten Abend im Fernsehen auszustrahlen, etwa «Baywatch Berlin» und «Alle Wege führen nach Ruhm» mit den Sendergesichtern Klaas Heufer-Umlauf und Joko Winterscheidt. Doch das Experiment scheiterte schnell. Vielleicht wäre es sechs Jahre später an der Zeit, einen neuen Versuch zu starten.