Bulgarien gehört zu den ärmsten EU-Ländern. Mit dem glamourösen, teuren Event ginge, um es boulevardesk auszudrücken, die Bling-Bling-Show ESC im Armenhaus Europas über die Bühne.
Wie wird der nun innerhalb der ARD verantwortliche SWR vorgehen?
ARD-Programmdirektorin Christine Strobl zeigte sich am Tag nach dem für Deutschland enttäuschenden 70. ESC-Finale dankbar gegenüber dem SWR, «der dieses Jubiläum mit großem Engagement, Kreativität und eindrucksvoller Inszenierung kanalübergreifend zu einem echten Lagerfeuermoment gemacht hat». Der ESC stehe für «die verbindende Kraft öffentlich-rechtlicher Unterhaltung» und bleibe «kulturell wie gesellschaftlich relevant».
SWR-Programmdirektor Clemens Bratzler sagte, man habe eingefleischte ESC-Fans genauso erreicht wie das breite Publikum: «Wir werden weiter daran arbeiten, dass der ESC in Deutschland viele Millionen Menschen verbindet und große Lagerfeuermomente schafft.»
Was müsste der SWR für den ESC 2027 vielleicht versuchen?
Zuvor hatte Bratzler gesagt, der Überraschungssieg Bulgariens zeige, dass Erfolg nicht planbar sei. An der deutschen Tradition, den ESC-Teilnehmer vom TV-Publikum auswählen zu lassen, gebe es erst mal keinen Änderungsbedarf. Doch auch eine sender-interne Auswahl sei nicht auszuschließen.
Tatsächlich gibt es auch Fans der Lösung, den deutschen Beitrag nicht durch ein Publikumsvoting bestimmen zu lassen. «Die Siege von JJ und Nemo zeigen, dass eine interne Entscheidung ohne Publikumsbeteiligung mindestens genauso gut funktionieren kann wie ein öffentlicher Vorentscheid», hatte der ESC-Experte Lukas Heinser vor einigen Wochen der Deutschen Presse-Agentur gesagt. «Man muss schließlich nicht das Publikum im eigenen Land überzeugen, sondern das im Rest Europas.»
Entertainer Hape Kerkeling erklärte in der Jubiläumsdokumentation «70 Jahre ESC - More than Music», was ein deutscher Beitrag wohl liefern müsse, damit er gewinne - auch wenn Nachbarländer fast nie «für uns» stimmten und Deutschland einfach keinen Humor oder was Lustiges abkauften: «Wir können nur zu Tränen rühren in Unschuld», sagte er. «Dann vergibt man uns alles.»
Das war bei Nicole so, das war bei Lena so, das könnte womöglich wieder so passieren, wenn der deutsche Beitrag mit Ahnung von ESC-Historie oder Gespür fürs ESC-Geschäft ausgewählt werden würde.
Wie geht die Debatte um die Teilnahme Israels weiter?
Spanien, die Niederlande, Irland, Slowenien und Island boykottierten den ESC in diesem Jahr, weil sie das Vorgehen Israels im Gazastreifen verurteilen. Ob sie 2027 zurückkehren werden, ist unklar.
Im Grunde haben die Länder nun die gleiche Ausgangslage wie vergangenes Jahr, Israel wurde Zweiter und der Nahostkonflikt ist ungelöst.