ZDF-Doku zeigt, wie Tragödien Robert F. Kennedy Jr. zum Feind der Wissenschaft werden ließen

3 Min
"Robert F. Kennedy Jr."
Wie wurde Robert F. Kennedy Jr. der, der er heute ist? Eine ZDF-Doku sucht Antworten.
2023 Getty Images/Michael M. Santiago
"Robert F. Kennedy Jr."
Robert F. Kennedy Jr. ist Gesundheitsminister der USA - und Impfgegner. Die zweiteilige Dokumenation "Robert F. Kennedy Jr." blickt hinter die Kennedy-Fassade.
ZDF/WGBH Educational Foundation
"Robert F. Kennedy Jr."
Während seiner Studienzeit war RFK Jr. drogenabhängig und dealte selbst.
ZDF/WGBH Educational Foundation
"Robert F. Kennedy Jr."
RFK Jr. stürzte mehrmals öffentlich ab. "Die üblichen Konsequenzen", habe er nicht zu spüren bekommen, sagt Journalistin Rebecca Traister.
ZDF/WGBH Educational Foundation
"Robert F. Kennedy Jr."
RFK Jr. schließt sich 2024 dem Wahlkampf von Donald Trump an. Er selbst hatte geringe Aussichten auf das Präsidentenamt.
ZDF/WGBH Educational Foundation
"Robert F. Kennedy Jr."
Wiewohl aus der wohl bekanntesten Demokraten-Familie der USA stammend, schloss sich Robert F. Kennedy Jr. (links) der Kampagne Donald Trumps an.
2024 Getty Images/Rebecca Noble

Der Name Kennedy war in den USA über Jahrzehnte untrennbar mit der demokratischen Partei verbunden. Doch Robert F. Kennedy Jr. bricht mit der progressiven Linie seiner Familie. Eine Dokumentation zeigt, wie er zum radikalen Impfgegner und zum Gesundheitsminister der USA wurde.

Er verbreitet Falschaussagen über Impfungen, AIDS, Krebs, Masern und COVID und propagiert antisemitische Verschwörungstheorien: Trotzdem ist Robert F. Kennedy Jr. (72) seit Anfang 2025 Gesundheitsminister der Trump-Regierung. Dabei stammt er aus einer der wohl bekanntesten Demokraten-Familien der USA. Wie konnte RFK Jr. zu einer zentralen Figur der MAGA-Bewegung, einem Impfgegner und Verschwörungstheoretiker werden?

Die Filmemacher Michael Kirk und Mike Wiser gehen dieser Frage in der zweiteiligen ZDF-Dokumentation "Robert F. Kennedy Jr." /(abrufbar in der Mediathek) nach. Dafür sprechen sie mit Kritikerinnen und Kritikern Kennedys, seinen Wegbegleitern und Anhängern sowie den Wissenschaftlerinnen und Wissenchaftlern, die der 72-Jährige zum Feindbild seiner "Make America Healthy Again"-Bewegung gemacht hat.

Robert F. Kennedy Jr. "hat schnell zu Drogen gegriffen"

Die Spurensuche beginnt in Kennedys Kindheit und Jugend. Der Sohn von Robert Francis Kennedy (†42) wächst privilegiert auf, wird jedoch früh mit Verlust konfrontiert: 1963 wird sein Onkel John F. Kennedy ermordet (†46), fünf Jahre später sein Vater. Das habe "den Drang zur Flucht geweckt", erzählt Gavin de Becker, ein Vertrauter von RFK Jr. - "er hat schnell zu Drogen gegriffen."

Mit 16 wird Kennedy wegen Drogenbesitzes verhaftet, doch auch dank seines Nachnamens schadet das seiner Zukunft nicht. Er geht weiter den Weg eines Kennedys: Auf einen Abschluss an der Elite-Uni Harvard folgen ein Jura-Studium und eine Anstellung bei der Staatsanwaltschaft. Die Hochzeit mit seiner ersten Ehefrau macht das Bild des rehabilitierten Kennedy-Sprösslings perfekt.

Währenddessen und auch danach begleitet die Drogensucht Kennedy allerdings weiter. Doch auch bei einem zweiten öffentlichen Absturz bleiben "die üblichen Konsequenzen", wie Journalistin Rebecca Traister sagt, aus. "All das muss einem ein gestörtes Gefühl von Allmacht geben", ist sie sich sicher. "Er ist süchtig nach Aufmerksamkeit" und "Er hat ein ungesund großes Selbstbewusstsein", erzählt die Journalistin, die RFK Jr. 2023 porträtierte.

Robert F. Kennedy Jr. nennt Wissenschaft "betrügerisch" und "fadenscheinig"

Im Jahr 2004 kommt Kennedy in Kontakt mit Impfgegnern, darunter die Krankenschwester Lyn Redwood. Sie ist Mutter eines autistischen Kindes und macht dafür das quecksilberhaltige Impfstoff-Konservierungsmittel Thiomersal verantwortlich. Ihre Argumente überzeugen RFK Jr., der ein Jahr später diese widerlegten Behauptungen in einem Artikel im Magazin "Rolling Stone" und auf der Website "Salon" wiederholt.

Doch Kritik aus der Wissenschaft an seinem Text lässt Kennedy nicht zu und nennt sie stattdessen "betrügerisch" und "fadenscheinig". Als "Salon" 2011 den Artikel schließlich zurückzieht, sieht er sich "mundtot" gemacht, glaubt der Journalist Fintan O'Toole. Traister beschreibt es so: "Wer jahrzehntelang relativ unangefochtenen Zugang zu Macht und Bewunderung genossen hat, erlebt die Konsequenzen eigener Fehler schnell als Unterdrückung."

Etwa zur selben Zeit nimmt sich Kennedys zweite Ehefrau Mary das Leben. Ihre Familie gibt RFK Jr. die Schuld am Tod der vierfachen Mutter. Der spätere Minister hatte sie mit zahlreichen Frauen betrogen und darüber sogar Tagebuch geführt. Journalistin Rebecca Davis O'Brien ist sich sicher: "Ihr Tod ist der Wendepunkt, wo er vom Medienliebling wieder zum Bösewicht wird."

"Warum ihn irgendjemand ernst nehmen sollte, ist mir unbegreiflich"

Daraufhin beginnt RFK Jr. nicht nur Falschinformationen über Impfungen zu verbreiten, sondern auch Verschwörungstheorien, etwa zu den Attentaten auf seinen Onkel und seinen Vater. Seine Schwester Kerry Kennedy sagt dazu in einem Interview 2021: "Warum ihn irgendjemand ernst nehmen sollte, ist mir unbegreiflich."

Indes sammelt Kennedy während der Coronapandemie immer mehr Anhängerinnen und Anhänger und kandidiert schließlich sogar vor den Wahlen 2024 für das Amt des Präsidenten. In seinem Wahlkampf machte er Werbung mit den Gesichtern seines Onkels und seines Vaters. "Das war geschmacklos und opportunistisch", verurteilt sein Cousin Stephen Kennedy Smith die Kampagne in der Doku.

Doch die Erfolgsaussichten von RFK Jr. sind gering und auch seine Familie stellt sich gegen ihn. Nach dem Attentatsversuch auf Donald Trump schließt er sich trotz Widerspruchs aus seinem engsten Kreis dessen Kampagne an. "Einer Sucht hat er sich nun ganz hingegeben: der Bewunderung. Er holt sie sich von Verschwörungstheoretikern, Impfgegnern, Trump-Wählern, den Rechten", ist Investigativjournalist Joe Hagan überzeugt.

Nach Anschlag auf Behörde: "Die Verbreitung von Falschinformationen hatte nun tödliche Folgen"

Nach Trumps Wahlsieg wird RFK Jr. zum Gesundheitsminister ernannt und ist somit verantwortlich für all die Institutionen und Behörden, die er zuvor jahrelang verteufelt hat. Prompt entlässt er Tausende Angestellte. Ein nötiger Schritt, verteidigt sein Vertrauter und ehemaliger Wahlkampfberater Del Bigtree die Maßnahme in der Doku.

Peter Marks, ein ehemaliger Impf-Experte der Arzneimittelbehörde FDA findet hingegen, Kennedy mache die Behörden zu einem "Schatten ihrer selbst": RFK Jr. streicht Forschungsgelder und der neu besetzte Impfausschuss verbietet Thiomersal. Infektiologin Fiona Havers verließ daraufhin die Behörde: "Ich wollte bei diesem Schwindel nicht mitmachen. Sie handeln eindeutig nicht mehr in gutem Glauben, spielen nicht nach Regeln und ignorieren beste Wissenschaft und Fakten."

Ein Anschlag auf ein Behördengebäude im August 2025 spitzt die Situation weiter zu. Die damalige Leiterin der CDC (Centers for Disease Control and Prevention) Susan Monarez sagt: "Die Verbreitung von Falschinformationen hatte nun tödliche Folgen." RFK Jr. entlässt sie wenig später. Daraufhin verlassen weitere Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler die Behörde. "Wissenschaft wurde für Ideologie missbraucht. Ich musste gehen", erklärt Demetre Daskalakis, ehemaliger Leiter der Immunisierungsabteilung. Er und seine Kolleginnen und Kollegen blicken besorgt in die Zukunft.

Beide Folgen von "Robert F. Kennedy Jr." sind am Donnerstag, 30. April, ab 20.15 Uhr auf ZDFinfo und bereits jetzt in der ZDF-Mediathek zu sehen.

Quelle: teleschau – der mediendienst