März 2001: Die Erfindung der Killerplauze
Bei seinem nächsten Karriereglanzlicht drosch Stefan Raab, in echter Manier von Kult-Komiker Andy Kaufman, auf eine Frau ein. Freilich nur im Ring. Wenig überraschend: Beim Showkampf gegen die Box-Weltmeisterin Regina Halmich im März 2001 trug Raab keinen Siegergürtel davon, sondern eine gebrochene Nase.
Auch beim Rückkampf sechs Jahre später gab es für die selbsternannte "Killerplauze" nicht mehr zu holen als das eine oder andere Veilchen.
2003: Die erste Wok-WM
Am 6. November 2003, die Weltcup-Rodelstrecke in Winterberg: So etwas hatten die Betreiber des Traditionsparkours' noch nicht gesehen. In umfunktionierten asiatischen Bratpfannen donnerte der Erfinder und Gastgeber des Events gleich mal zum ersten Wok-Weltmeistertitel.
Die bis 2015 jährlich stattfindende Veranstaltung war so etwas wie die Mutter aller Raabschen Schnapsideen, die zu Unterhaltungsgold wurden. Mancher hält die halsbrecherische Zweckentfremdung von Küchenutensilien gar für eine ernst zu nehmende Sportart. Wahrscheinlich mit Recht.
2010: Gehirnerschütterung bei "Schlag den Raab"
Raabs Nehmer-Qualitäten waren bekannt, am 10. April 2010 wurden sie legendär. Bei seinem Sturz vom Mountainbike zog sich der "Schlag den Raab"-Gastgeber eine Gehirnerschütterung nebst Gedächtnisverlust sowie einen Bruch des Jochbeins und der Kieferhöhlenwand zu. Aufgeben kam für den berüchtigten Ehrgeizling trotzdem nicht infrage. Er stand die Sendung bis zum Schluss durch und litt am Ende mehr unter der Niederlage als unter den Schmerzen.
2010: ESC-Triumph mit Lena
Im Jahr 2000 hatte Raab noch selbst beim ESC gesungen, 1998 (Guildo Horn) und 2004 (Max Mutzke) begleitete er jeweils Schützlinge als Komponist zum Grand Prix. 2010 übertrug die von regelmäßigen ESC-Pleiten frustrierte ARD dem ProSieben-Mann die "nationale Aufgabe", einen Starter oder eine Starterin für das Finale in Norwegen zu suchen. Raab fand in der Castingshow "Unser Star für Oslo" Lena Meyer-Landrut, der Rest ist Geschichte. Erstmals seit Nicoles "Ein bißchen Frieden" (1982) gewann Deutschland 2010 mit "Satellite" den Eurovision Song Contest.
In autokratischer Manier verfügte Stefan Raab nach dem großen ESC-Triumph, dass Lena ihren Titel 2011 verteidigen solle - es würde ein Novum werden. Die Skeptiker behielten Recht, der Erfolg aus dem Vorjahr ließ sich nicht wiederholen. Aber immerhin: Beim Heimspiel in Düsseldorf belegte Lena Meyer-Landrut mit "Taken By A Stranger" einen respektablen zehnten Platz. Viel wichtiger: Die in 43 Länder übertragene Show, die Raab als Co-Moderator und Eröffnungs-Act begleitete, lief wie am Schnürchen.
2013: Hauptrolle im TV-Duell der Kanzlerkandidaten
Drei seriöse Polit-Journalisten versammelten sich 2013 zum großen TV-Duell der Kanzlerkandidaten Angela Merkel und Peer Steinbrück: Die Runde Anne Will, Maybrit Illner und Peter Kloeppel wurde ausgerechnet ergänzt durch einen schrillen TV-Unterhalter: Stefan Raab!
Im Vorfeld fanden die Besetzung - vorsichtig formuliert - nicht alle gut, hinterher aber galt Raab vielen Beobachtern als großer Gewinner des Abends. Auch weil der gelernte Metzger dem SPD-Kandidaten mit der Frage zusetzte, ob er im Fall einer Wahlniederlage Vizekanzler werde: "Das ist doch keine Haltung zu sagen, ich will nur gestalten, wenn ich auch King of Kotelett bin."
2015: Abschied vom Fernsehen
Dafür, dass er nie ein Feuilletonliebling war, hat Stefan Raab beeindruckend viele TV-Preise eingesammelt, darunter den renommierten Grimme-Preis. 2015 wurde er beim Deutschen Comedypreis mit dem Ehrenpreis bedacht. Eine brisante Verleihung, schließlich hatte der Entertainer gerade erst seinen Rücktritt angekündigt.
Zu den Gründen sagte er bei der Gala in seiner Heimatstadt Köln, die zurückliegenden 20 Jahre seien ihm "wie ein Rausch" vorgekommen: "Da muss auch mal gut sein."
2024: Das schmerzhafte Comeback
Im September 2024 kehrte Raab wieder vor die Kamera zurück - diesmal bei RTL. Fast ein Jahrzehnt nach seinem letzten TV-Auftritt stieg er erneut gegen Regina Halmich in den Boxring. Moderator des Events war Elton, Kommentator Frank "Buschi" Buschmann. Und der Verlierer des Abends: wieder Stefan Raab, der auch den dritten Boxkampf gegen die nun ehemalige Weltmeisterin verlor.
Die abermalige Box-Niederlage scheint ein böses Omen gewesen zu sein, denn die Karriere des Entertainers läuft seit seinem Comeback beim Kölner Sender eher schleppend. Den unentschlossenen Format-Mix "Du gewinnst hier nicht die Million" setzte RTL im Juni 2025 ab. Und auch Raabs "Chefsache", für Deutschland beim ESC 2025 einen Erfolg einzufahren, scheiterte kläglich.
2026: "Wer weiß wie wann was war?"
Doch Stefan Raab abzuschreiben, heißt das ewige Stehaufmännchen zu verkennen. Den Versuch, an seine früheren TV-Erfolge anzuknüpfen, hat der Entertainer nicht aufgegeben. Und mit seinem neuesten Streich gelang ihm das auch wieder: "Wer weiß wie wann was war?", das er gemeinsam mit Erfolgsgarantin Barbara Schöneberger zum ersten Mal im März 2026 moderierte, gewann kürzlich beim Deutschen Fernsehpreis den Preis als beste Unterhaltungssendung.
Quelle: teleschau – der mediendienst