Viele waschen Hähnchenfleisch vor dem Braten – dabei ist das riskant. Experten warnen: Keime können sich durch Wasser in der Küche verbreiten.
Rohes Hähnchenfleisch vor der Zubereitung unter fließendem Wasser abzuspülen, wirkt auf den ersten Blick hygienisch. Tatsächlich handelt es sich dabei jedoch um einen verbreiteten und womöglich fatalen Küchen-Fehler. Das Waschen kann Krankheitserreger in der Küche verteilen und so das Infektionsrisiko erhöhen. Sicherer ist es, das Fleisch direkt zu verarbeiten und vollständig durchzugaren.
Rohes Hähnchenfleisch nicht waschen: Gründe und Risiken
Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) rät ausdrücklich, Geflügelfleisch vor dem Verarbeiten nicht abzuwaschen, da sich Keime über Spritzwasser verteilen können. Beim Abspülen können Erreger auf die Spüle, Hände, Arbeitsflächen oder Küchenutensilien gelangen. "Durch das Abspülen unter dem Wasserhahn können sich mögliche Bakterien auf die Hände übertragen und durch Wasserspritzer auf den Arbeitsflächen und sogar den Wänden verbreiten", warnen auch die Experten der Verbraucherzentrale NRW.
Besonders problematisch wird es, wenn die Keime anschließend auf Lebensmittel übertragen werden, die nicht mehr erhitzt werden, etwa Salat. Das Robert-Koch-Institut nennt die Vermeidung solcher Kreuzkontaminationen als wichtige Schutzmaßnahme gegen Campylobacter-Infektionen. Rohes Geflügel und verzehrfertige Lebensmittel sollten deshalb möglichst getrennt vorbereitet werden.
Den Angaben des BfR zufolge ist Campylobacter der häufigste Erreger bakterieller Darminfektionen in Deutschland. Dem RKI werden jährlich rund 40.000 bis 50.000 Erkrankungen gemeldet. Eine Belastung von Geflügel ist weder am Aussehen noch am Geruch erkennbar. Wie verbreitet die Campylobacter-Belastung bei Supermarkt-Hühnchen ist, zeigt eine Untersuchung von 13 Hähnchenproben aus Discountern, Supermärkten, Frischetheken und Metzgereien: Sechs davon waren mit Campylobacter belastet. Ein Ratgeber zu Keimen in Lebensmitteln gibt zudem einen Überblick über Salmonellen, Noroviren und Schimmelpilze und zeigt, wie sich das Risiko minimieren lässt.
Hähnchen richtig vorbereiten: Tipps zum Abtupfen, Auftauen und Lagern
Laut BfR sollte rohes Geflügel direkt verarbeitet werden. Ist die Oberfläche sehr feucht, lässt sie sich mit Küchenpapier abtupfen, das danach sofort in den Müll gehört. So wird überschüssige Flüssigkeit entfernt, ohne sie mit Spritzwasser in der Umgebung zu verteilen.
Auch tiefgekühltes Geflügel erfordert besondere Vorsicht. Die Verbraucherzentrale empfiehlt, es im Kühlschrank aufzutauen und die austretende Flüssigkeit aufzufangen. Auftauwasser darf dabei nicht mit anderen Lebensmitteln in Kontakt kommen. Tiefkühlen macht belastetes Fleisch außerdem nicht keimfrei, denn Campylobacter wird dadurch zwar reduziert, aber nicht zuverlässig abgetötet.
Bei höchstens vier Grad Celsius sollte frisches Geflügel laut BfR gelagert und bis zum Verbrauchsdatum verarbeitet werden. Im Kühlschrank muss es so verpackt sein, dass austretende Flüssigkeit keine anderen Lebensmittel erreicht. Ein möglichst tiefer Platz im Kühlschrank ist dafür sinnvoll, damit nichts auf darunter gelagerte Lebensmittel tropfen kann.