TV-Tipp: Schöner als in diesem Endzeitfilm eines Kultregisseurs war die Apokalypse noch nie

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Melancholia (2011)
Als sie den Weltuntergang kommen spürt, wird die sonst so labile und aggressive Justine (Kirsten Dunst) ganz ruhig und gelassen.
ARTE France / Christian Geisnaes
Melancholia (2011)
Justine (Kirsten Dunst) spürt das Ende kommen.
ARTE France / Christian Geisnaes
Melancholia (2011)
Michael (Alexander Skarsgard) und Justine (Kirsten Dunst) werden miteinander nicht glücklich.
ARTE France / Christian Geisnaes
Melancholia (2011)
Die psychisch labile Justine (Kirsten Dunst) will durch ihre Ehe mit Michael (Alexander Skarsgard) Verlässlichkeit in ihr Leben bringen.
ARTE France / Christian Geisnaes
Melancholia (2011)
Claire (Charlotte Gainsbourg, links), ihr Mann John (Kiefer Sutherland) und ihre Schwester Justine (Kirsten Dunst) sehen dem Ende entgegen. Es nähert sich in Form eines Planeten.
ARTE France / Christian Geisnaes
Melancholia (2011)
Justine (Kirsten Dunst) feiert ihre Hochzeit mit dem charmanten Michael (Alexander Skarsgard) auf dem Landgut ihrer Schwester Claire (Charlotte Gainsbourg, rechts).
ARTE France / Christian Geisnaes

Lars von Trier lässt zwei Frauen mit unterschiedlichem Gemütszustand den Untergang der Welt erleben.

In Lars von Triers "Melancholia" ist die Apokalypse nah, sehr nah. Die Zeichen stehen von Anfang an auf Untergang. Lächerlichkeiten wie Familienscharmützel bei einer Hochzeit dienen nur zur Überbrückung bis zur vernichtenden Kollision der Erde mit einem größeren Planeten. Romantisches Schwelgen in Wagner-Musik statt Krachbumm-Action, Ästhetik statt Aliens - Lars von Trier gelang 2011 der optisch attraktivste Weltuntergangsfilm aller Zeiten. Dabei entdeckte er zudem die Schönheit einer depressiven Seele. ARTE zeigt den berauschenden Nihilismus von "Melancholia" am Mittwoch, 12. August, um 20.15 Uhr.

Von der Bedrohung aus dem All ahnen die Hochzeitsgäste von Justine (Kirsten Dunst, beim Filmfestival in Cannes als beste Darstellerin ausgezeichnet) und Michael (Alexander Skarsgard) zunächst nichts. Justines Schwester Claire (Charlotte Gainsbourg) und deren Mann John (Kiefer Sutherland) haben auf ihr prächtiges Schloss geladen. Mit dem riesigen Golfplatz als einem Stück überkultivierter Natur davor erscheint das Gemäuer überirdisch schön. Ganz so fein geht es drinnen nicht zu. Gerade tritt die Brautmutter (Charlotte Rampling) derb in alle Fettnäpfe und vermiest die Stimmung. Eine nervöse Handkamera transportiert die angespannte Atmosphäre.

Bei der Weltpremiere von "Melancholia" in Cannes sorgte von Trier für einen Eklat

Lars von Trier strukturiert seinen Film in zwei Kapitel, die den beiden ungleichen Schwestern gewidmet sind. Nach "Justine" rückt "Claire" in den Mittelpunkt, die als "Normale" mit einer psychisch extrem labilen Schwester gestraft zu sein scheint. Claires Mann beobachtet derweil begeistert den Planeten Melancholia durchs Fernrohr und geht davon aus, dass er nach wissenschaftlichen Berechnungen bald knapp an der Erde vorbeiziehen wird. Justine dagegen fühlt den großen Knall kommen und bereitet sich auf ihre Weise darauf vor. Nackt im Mondlicht nimmt sie Kontakt zum Planeten auf und fühlt sich, während Claire von Ängsten gepeinigt wird, ganz ruhig.

Immer wieder bescheinigten in der Geistesgeschichte Philosophen den Melancholikern eine besondere Fähigkeit zur Erkenntnis des Elends, das der endlichen menschlichen Existenz innewohnt. Referenzen zur Kunstgeschichte finden sich bei Lars von Triers Film viele. Er erschafft elegante Bilder mit visionärer Kraft, begleitet von dem wehmütigen Vorspiel aus Wagners Oper "Tristan und Isolde". Seine Ouvertüre, bei der Blitze aus Justines Fingern steigen, ein Rappe versinkt und Vögel vom Himmel fallen, erweist sich als ein düsteres ästhetisches Spektakel, dessen Faszination man sich nicht entziehen kann. Schön mag er wirklich sein, dieser Weltuntergang. Aber das Erschauern vor dem Ende und lähmende Angst setzen dem Zuschauer zu. Lars von Trier lässt seinem Nihilismus freien Lauf.

Das tat er übrigens auch verbal bei den Filmfestspielen von Cannes, wo "Melancholia" 2011 uraufgeführt wurde. Nach recht wirren Ausführungen über seine Vorliebe für "Nazi-Ästhetik" und ein gewisses Verständnis für Adolf Hitler wurde er vom Festival ausgeschlossen. Später erlegte sich der Däne selbst ein öffentliches Äußerungsverbot auf, um weiteren Missverständnissen vorzubeugen. Den Film brachte der Eklat um seinen Schöpfer nicht nachhaltig in Verruf, in Deutschland sahen ihn knapp 280.000 Menschen im Kino.

Quelle: teleschau – der mediendienst